Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.07.2019


Exklusiv

Wahlkampf im Visier: Transparenz lässt es bei NEOS rumoren

„Finanzielle“ Rolle der Vize-Landessprecherin Julia Seidl sorgt parteiintern für Debatten. Sie weist Kritik zurück.

Die stellvertretende Landesprecherin Julia Seidl gerät in die Kritik. NEOS-Chef Dominik Oberhofer gibt zu, dass die Optik nicht günstig ist.

© NEOS TirolDie stellvertretende Landesprecherin Julia Seidl gerät in die Kritik. NEOS-Chef Dominik Oberhofer gibt zu, dass die Optik nicht günstig ist.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Geht es um die Transparenz bei den Parteifinanzen, so sind die NEOS vorbildlich. Auf ihrer Homepage sind alle Einnahmen, Spenden, Ausgaben und Rechnungen aufgelistet. Doch gerade die offengelegten Aufwendungen führen jetzt in Tirol parteiintern zu Debatten. Betreffen sie doch die stellvertretende Landessprecherin und Innsbrucker Gemeinderätin Julia Seidl. Sie bewirbt sich in den aktuellen NEOS-Vorwahlen auch um ein Nationalratsmandat, liegt aber nach dem Online-Voting in Tirol hinter Johannes Marg- reiter. Der Bundesvorstand entscheidet am Wochenende über die Listenreihung.

Seidls politisches Job-­Hopping dürften allerdings nicht alle NEOS-Funktionäre goutieren. Schließlich katapultierte sich Seidl, nachdem sie als stellvertretende Wahlkampfleiterin den NEOS-Landtagswahlkampf 2018 geschupft hatte, volley in den Innsbrucker Gemeinderat. Der Landtagswahlkampf holt sie jetzt ein. Denn intern werden nicht nur ihre Mehrfachfunktionen kritisch gesehen, sondern auch die Aufträge, die sie als Marketingunternehmerin von den NEOS erhalten hat.

Die Optik ist nicht gerade günstig, wenngleich Seidl gegenüber der TT davon spricht, „dass alles transparent und nachvollziehbar ist – und zum finanziellen Vorteil der NEOS war“. Trotzdem: Als Mitglied des Wahlkampfmanagements vergab sie Aufträge an sich selbst. Sie vermittelte Werbe­aufträge in der Höhe von rund 80.000 Euro an Agenturen. „Weil ich die Gewerbe­berechtigung dafür habe, war es unterm Strich für die NEOS günstiger“, sagt Seidl.

Doch damit nicht genug: Für ihre Tätigkeit als stellvertretende Wahlkampfleiterin erhielt sie außerdem rund 8400 Euro und später noch ein Erfolgshonorar von 7500 Euro, weil die NEOS den Einzug in den Landtag geschafft haben. „Es wurde nichts verheimlicht, aber die Frage nach der Optik versteh­e ich. Doch auch hier lief alles transparent ab“, bekräftigt die NEOS-Politikerin.

NEOS-Klubchef und Landessprecher Dominik Oberhofer bestätigt auf Anfrag­e der TT, dass in der Partei mehrfach Kritik geäußert wurde. „Aber ich kann mich nur Seidl anschließen, dass alles nachvollziehbar ist.“ Die Optik sei jedoch ungünstig, aus heutiger Sicht würde er es jedenfalls anders machen.

Apropos Parteifinanzen: Der Landtag hat gestern einen Dringlichkeitsantrag der schwarz-grünen Koalition verabschiedet. Das Tiroler Parteiförderungsgesetz soll demnach novelliert, die Kontroll- und Transparenz­regelungen sollen verbessert und Spenden von Unternehmen, bei denen das Land beteiligt ist, verboten werden.