Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 06.07.2019


Exklusiv

Termin-„Diktat“ war Kostentreiber am Patscherkofel

Jetzt liegt auch der externe Prüfbericht, den BM Georg Willi vor einem Jahr beauftragt hat, zu den Patscherkofel-Mehrkosten vor. Dieser kritisiert die Vergabe der Planungs- und Ingenieurleistungen scharf.

Jetzt liegen alle Berichte über den Bau der Patscherkofelbahn auf dem Tisch. Der Zeitdruck zur Eröffnung war der Kostentreiber.

© Foto TT/Rudy De MoorJetzt liegen alle Berichte über den Bau der Patscherkofelbahn auf dem Tisch. Der Zeitdruck zur Eröffnung war der Kostentreiber.



Von Marco Witting

Innsbruck – Seit gestern haben die Mitglieder des Kontrollausschusses auch den zweiten Prüfbericht zur Kostenexplosion am Patscherkofel vorliegen. Den „Schöpf-Bericht“, wie er überall genannt wird, hat BM Georg Willi vor einem Jahr in Auftrag gegeben. „Nun liegt auch dieser Prüfbericht der Advokatur Schöpf zur Patscherkofelbahn vor“, ließ Willi gestern via Aussendung wissen. Er umfasst die Fragestellungen rund um Gesetzeskonformität der Beschaffungsvorgänge, das Kostenmanagement, die Terminsituation und die Mehrkostenforderungen an ausgewählten Gewerken. Der TT liegt der Bericht mittlerweile ebenfalls vor. Auf den ersten Blick bietet das 100-seitige Werk die bereits aus dem Kontrollamtsbericht bekannten Punkte. Mangelhafte Vorbereitung und der enorme Zeitdruck waren die Kostentreiber. Besonders interessant: Der Schöpf-Bericht kommt nämlich auch zum Schluss, dass die „Vergabe der Planungs- und Ingenieurleistungen „gegen die gesetzlichen Bestimmungen des Bundesvergabegesetzes“ erfolgte.

Im Bericht wird unter anderem die Vergabe des Generalplanervertrages am 4. August 2016 durch die Patscherkofelbahn als „vergaberechtlich unzulässige Direktvergabe“ qualifiziert.

Weiters heißt es: „Es ist festzustellen, dass bei Baubeginn am 27. 3. 2017 noch keine vollständige Objektplanung vorlag [...].“ Oder auch, dass die „Projektvorbereitung für das Bauvorhaben [...] als mangelhaft zu beurteilen“ sei. Die Bauleistungen seien offenkundig auf Grundlage „unvollständiger bzw. mangelhafter Leistungsverzeichnisse“ vergeben worden. Als Resümee wird unter anderem auch noch festgehalten, „[...] dass das Diktat, im Dezember 2017 die neue Bahn in Betrieb zu nehmen, die Hauptursache für die massive Kostenüberschreitung ist“.

Willi ging in der Aussendung der Stadt nicht auf Inhalte ein. Er sieht durch beide Berichte eine „sachliche Grundlage“, um die konkreten Verantwortungen herauszuarbeiten.

GR Gerald Depaoli (GI) forderte in einer Aussendung die Einschaltung der Staatsanwaltschaft. Gleichzeitig möchte Depaoli einen Antrag zur Abberufung von Vize-BM Christine Oppitz-Plörer stellen, weil laut Bericht die Vergabe der Planungs- und Ingenieurleistungen gegen die gesetzlichen Vorgaben erfolgte und Oppitz die „politische Hauptverantwortung“ trage.

Federspiel will Tarifreform am Hausberg

Als „absurd hoch" bezeichnete FPÖ-Stadtrat Rudi Federspiel die Preise für die Bahntickets am Patscherkofel. „Zwei Erwachsene und eine Seniorin zahlen zusammen 68,50 Eur­o für die Berg- und Talfahrt. Ein Witz", ärgert sich Federspiel. Als Vergleich zieht er den Stubaier Gletscher heran. „Berg- und Talfahrt bis zum Eisgrat auf knapp 3000 Meter kosten für einen Erwachsenen um 1,10 Euro weniger als die Berg- und Talfahrt am Patscherkofel." Federspiel fordert mehrere Änderungen in der Tarifgestaltung — wie mehr Verbilligung für Senioren — und wird im Herbst einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat einbringen. Federspiel ist überzeugt, dass die Frequenz gesteigert werde, wenn der Ticketpreis sinkt.

Patscherkofel-Geschäftsführer Thomas Scheiber erklärt, dass die Tarife von den Besuchern gut angenommen werden und es diesbezüglich keine Beschwerden gebe. „Wir verzeichnen eine erhebliche Steigerung der Frequenz und damit auch der Einnahmen", betont Scheiber. Die Preise orientieren sich an jenen der Nordkettenbahn sowie der Bahnen im Großraum Innsbruck. „Wir liegen hier absolut im Rahmen. Auch, was die Vergünstigung für Senioren betrifft", erklärt der Geschäftsführer.

Scheiber verweist zudem darauf, dass die Patscherkofel­bahn den klaren Auftrag der Stadt Innsbruck habe, die Kosten mit den Einnahmen zu decken. „Wir arbeiten nicht gewinn­orientiert, das Geld bleibt im System." (dd)