Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Bezirk Kufstein

Erste Bilanz: Zwischen Ampellust und Ampelfrust in Kufstein

Bilanz des ersten Dosierwochenendes rund um Kufstein: Es muss noch einiges verbessert werden. Intelligente Ampeln sollen die Länge der Rotphasen dem Verkehr entsprechend steuern.

Niederndorf am Samstag: In beide Fahrtrichtungen staut es sich. Grenzkontrollen und Dosierampeln lassen grüßen.

© Hans OsterauerNiederndorf am Samstag: In beide Fahrtrichtungen staut es sich. Grenzkontrollen und Dosierampeln lassen grüßen.



Von Wolfgang Otter

Kufstein, Niederndorf – Die Dame aus der Unteren Schranne konnte es nicht glauben. „Ich bin bei einer einzigen Fahrt viermal an einer Ampel gestanden“, erzählte sie der TT. Die Frau war beruflich unterwegs – während des ganzen Wochenendes. Wie oft sie dann in Summe bis Sonntag, 19 Uhr, unfreiwillig gestanden ist, hat sie nicht mehr mitgezählt.

Sie wurde gewissermaßen zu einem Opfer des Dosierampelwochenendes. Mit diesen sollte der Reiseverkehr möglichst aus den Ortschaften herausgehalten werden (die TT berichtete). Dabei gab es eine große Überraschung. Es war nämlich überhaupt nur wenig Reiseverkehr unterwegs. Dieser Umstand ärgerte einen Ebbser, der vor seinem Heimatdorf an der Ampel stand. Hinter ihm noch zwei weitere Einheimische. Das war’s. Eine Blechlawine schaut anders aus. Wozu also dosieren, wenn es nichts zu dosieren gibt, lautete seine erstaunte Frage. Ampelfrust – sozusagen.

Ampellust hat hingegen der Niederndorfer Bürgermeister Christian Ritzer bekommen. „Es war dieses Wochenende wieder einmal möglich, die Straße zu überqueren“, sagt er zur TT. Aber der große Nachteil waren die „sehr strengen Kontrollen in Richtung Bayern“. Dadurch gab es zeitweise einen Stau in diese Richtung.

Kufsteins Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer beschwichtigt Kritiker: „Es ist natürlich schwer, es allen recht zu machen. Wir (und damit meine ich alle Systempartner – Polizei, Stadtpolizei, Straßenmeisterei, Stadt Kufstein usw.) bemühen uns aber intensiv und evaluieren die Erfahrungen nach jedem Wochenende.“

Das angestrebte Ziel sei, kritische Überlastungen des niederrangigen Verkehrsnetzes zu vermeiden „und die Belastung der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten; insbesondere ausweichenden Transitverkehr zu vermeiden und den Transitverkehr auf der hochrangigen Verkehrsinfrastruktur zu halten. Wir bitten vor diesem Hintergrund auch um Verständnis dafür, dass mancherorts natürlich auch Einheimische gewisse Fahrzeitverluste erleiden, für sie jedoch insgesamt die notwendige Mobilität gewährleistet ist und nichts völlig zusammenbricht“, sagt BH Platzgummer.

Er kündigte Verbesserungen an. Wie die Ankündigung und Erkennbarkeit des Fahrverbotes bei Kufstein Endach (Bezirkskrankenhaus), ebenso den Standplatz der Dosierampel von Kirchbichl kommend sowie die zusätzliche Sperre der einen oder anderen „Umgehungsstraße“.

Was nun die Ampeln an sich anbelangt, hatte man in Kufstein damit gerechnet, dass diese entsprechend dem Verkehrsfluss geschaltet werden, wie Bürgermeister Martin Krumschnabel sagt. Auch BH Platzgummer hofft auf neue „intelligente“ Ampeln.

„Wenn das funktioniert, was das Land macht, können wir auf eigene Straßensperren in Morsbach und Zell verzichten“, meint Bürgermeister Krumschnabel. Die wären für kommenden Winter geplant gewesen, „nun ist uns das Land zuvorgekommen“, so der Stadtchef.