Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 09.07.2019


Bezirk Kitzbühel

Golfhotel-Erweiterung sorgt in Westendorf für Aufregung

Die Erweiterung des Golfhotels in Westendorf sorgt für Aufregung. Im Gemeinderat wurde es laut, als es um die Änderung des Flächenwidmungsplanes ging. Die Entscheidung wurde aber letztlich vertagt.

Das Golfhotel „Windau Lodge“ soll auf 206 Betten erweitert werden. Im Gemeinderat wurde hitzig darüber diskutiert.

© Harald AngererDas Golfhotel „Windau Lodge“ soll auf 206 Betten erweitert werden. Im Gemeinderat wurde hitzig darüber diskutiert.



Von Harald Angerer

Westendorf – Hitzig war es nicht nur wegen der Temperaturen im Saal bei der jüngsten Westendorfer Gemeinderatssitzung. Auch die Themen sorgten für viel Emotion. So fand sich der Punkt Änderung des Flächenwidmungsplanes im Bereich der Windau Lodge auf der Tagesordnung. Seit einigen Jahren haben die Betreiber Pläne, das Hotel zu erweiteren. Nun sollte es so weit sein und Bürgermeisterin Annemarie Plieseis (WIR) wollte den notwendigen Tagesordnungspunkt zügig abhandeln.

Doch das misslang gründlich. „Wir können dem nur zustimmen, wenn in den geplanten Zimmern keine Küchenzeilen vorgesehen sind und mehr Sitzplätze für die Hotelgäste eingeplant werden. Wir wollen, dass hier nicht Appartements, sondern Hotelzimmer und Suiten entstehen“, bringt GR Roland Treichl von der Liste „Aufwind“ ein. Hier habe es auch schon im Vorfeld der Sitzung Gespräche mit den Projektbetreibern um Jakob Haselsberger gegeben. Die Mitglieder der Liste Aufwind wollen ihre Wünsche in der Widmung festgehalten haben. Sie fordern insgesamt 280 Sitzplätze, derzeit sind als Mindestzahl 90 eingetragen.

Geplant ist eine Erweiterung des Hotels auf ingesamt 206 Betten. Derzeit finden im Bestand 100 Betten Platz. Errichtet soll der Anbau über dem bestehenden Parkplatz werden, dadurch gebe es keinen Flächenverbrauch. Die Erweiterung sei wichtig, um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können, erklärte Ersatzgemeinderat Herbert Pircher (Bürgermeisterliste für Arbeitnehmer, Wirtschaft und Tourismus). Die Forderungen der Liste Aufwind seien umsetzbar, hier gebe es auch schon eine Zusage von den Betreibern, weiß Vizebürgermeister Walter Leitner-Hölzl (Bürgermeisterliste für Arbeitnehmer, Wirtschaft und Tourismus).

Das brachte die Bürgermeisterin in Rage. „Seit 2015 gibt es die Pläne und jetzt plötzlich kommt ein neuer Plan“, gab sich Plieseis unwissend und auch Gemeinderat Michael Vorderwinkler zeigte sich verwundert: „Einen neuen Plan haben wir noch nicht gesehen.“

Pircher fragte daraufhin an, ob Jakob Haselsberger zu Wort kommen könnte, um das Projekt zu erklären. „Nein, ich erteile ihm nicht das Wort, wir stimmen jetzt ab“, schmettert Plieseis die Anfrage äusserst Emotional ab. Das wiederrum brachte GR Joe Lenk (Wirtschaft) aus der Fassung. „Es handelt sich hier um einen wichtigen Tourismusbetrieb für Wes­tendorf, so viel Zeit werden wir wohl haben“, sagt Lenk. Für ihn stelle sich die Bürgermeisterin klar gegen dieses aus seiner Sicht wichtige touristische Vorhaben. Und Pircher hält fest: „Wenn das Projekt abgelehnt wird, dann ist das Hotel Geschichte.“

Letztlich redete Haselsberger aber dann doch. Plieseis sei sehr wohl über die neuen Pläne informiert gewesen. Es sei ausreichend Platz für die geforderten Sitzplätze und er forderte auch Raumplanerin Claudia Schönegger auf, dies zu bestätigen. Was sie nach Umschweifen auch tat. Sie stellte aber auch klar, dass öffentliche Restaurant-Sitzplätze sehr wohl in der Widmung festgelegt werden müssten. Einfach die Zahl zu ändern, sei hier nicht möglich. Es wäre aber eventuell machbar, die geforderten, nicht öffentlichen, Sitzplätze für die Hotelgäste im Raumordnungsvertrag festzuhalten. Dies müsste man aber prüfen.

Dafür würde man jedoch eine Vertagung der Entscheidung benötigen. „Wir müssten das dann aber bei der nächsten Sitzung entscheiden und diese muss zeitnah erfolgen“, fordert GR Leonhard Schroll (Aufwind). Eine Vorgangsweise, die auch für die Listen Arbeitnehmer, Wirtschaft und Tourismus und Wirtschaft denkbar ist. Deshalb wurde nicht über die Änderung der Flächenwidmung abgestimmt, sondern darüber, ob der Punkt vertagt werden soll. Dieser Vorschlag bekam 14 Jastimmen und eine Gegenstimme, diese kam von der Bürgermeisterin selbst. Der Punkt sollte nun bei der nächsten Gemeinderatssitzung entschieden werden. Der Termin dafür steht noch nicht fest.