Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.07.2019


Landespolitik

Stimmung geht bergab: AABler boykottieren ÖVP-Wahlkampf

Am Sonntag ging es mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz beim Wandern noch bergauf, jetzt geht es mit der Stimmung bergab. Arbeitnehmerchefin LR Beate Palfrader spricht von schlechter Stimmung unter den Bezirksfunktionären.

Statt mit der ÖVP bergauf zu marschieren, machen Tirols AAB-Funktionäre jetzt einen Schritt zurück.

© Thomas Boehm / TTStatt mit der ÖVP bergauf zu marschieren, machen Tirols AAB-Funktionäre jetzt einen Schritt zurück.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Es bebt. In der Tiroler Volkspartei ist nach der Kandidatennominierung für die Nationalratswahl die Gemütslage angespannt. Sonntag ging es mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz noch bergauf, jetzt geht es mit der Stimmung bergab. Arbeitnehmerchefin LR Beate Palfrader kritisiert offen Interventionen der Bundespartei gegen die vom Arbeitnehmerbund AAB vorgeschlagene Kandidatin Erika Landers und ist enttäuscht darüber, dass dies in Tirol so durchgegangen sei. Bekanntlich verlor Landers die Kampfabstimmung im Wahlkreis Innsbruck-Mitte gegen Nationalrätin Rebecca Kirchbaumer (Wirtschaftsbund). „Offenbar will man engagierte Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter nicht mehr in der ÖVP haben.“ Aber aufs Auge will sie sich niemanden drücken lassen. „Denn wir haben klare Beschlüsse gefasst.“

Die Kritik, dass sie die Kompromisskandidatin und Landtagsabgeordnete Sophia Kircher nicht akzeptiert hätte, lässt Palfrader nicht gelten. „Ich habe Sophia schon vor Wochen gefragt, aber sie wollte dezidiert nicht kandidieren. Jetzt hätte sie sich halt geopfert. Aber das kann es wohl nicht sein.“ Und was ÖVP-Frauenchefin NR Elisabeth Pfurtscheller oder NR Kira Grünberg betreffe, nimmt sich die Landesrätin ebenfalls kein Blatt vor dem Mund. „Nur bei der ARGE AAB in Wien zu sein, aber in Tirol kein Engagement zu zeigen, reicht als Arbeitnehmervertreterin sicher nicht aus“, spielt Palfrader auf Pfurtscheller an. Grünberg habe wiederum nicht einmal auf den ihr sofort zugesandten Mitgliedsantrag beim Tiroler AAB reagiert. „So sieht es tatsächlich aus“, kontert die Tiroler AAB-Chefin.

Die Stimmung unter ihren Bezirksfunktionären sei jedenfalls nicht gut, „wir werden uns im Wahlkampf nicht engagieren“, kündigt sie einen AAB-Wahlkampf-Boykott an.

Die Reaktionen aus den anderen Parteien bleiben nicht aus. „Die Landes-ÖVP öffnet arbeitnehmerfeindlicher Politik Tür und Tor“, betont SPÖ-Chef Georg Dornauer. Wenn es Palfrader und AK-Präsident Erwin Zangerl an der AAB-Spitze ernst damit sei, für die Beschäftigten im Land da zu sein, „dann kämpfen sie ab heute Seite an Seite mit der SPÖ“, so Dornauer.

Für NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer ist die ÖVP-Kandidatenliste ein Angebot an Türkis-Blau II. „Während jegliche kritische Stimme leer ausging, werden die größten Verfechter dieser Koalition mit Fixmandaten belohnt.“

Nicht damit genug: Im Unterland rumort es ebenfalls. Die Bauern wollen Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger vorbei an Wahlkreis-Spitzenkandidat Josef Lettenbichler (Wirtschaftsbund) pushen. Parteiintern gehen in Kitzbühel und Kufstein bereits die Wogen hoch.

Wie viele wanderten mit Kurz?

In den sozialen Netzwerken wird seit Sonntag eine Frage intensiv diskutiert: Wie viele Funktionäre und Sympathisanten wanderten bei der „Bergauf"-Tour von Sebastian Kurz auf die Rosshütte in Seefeld tatsächlich mit? Dass es 800 Wanderer gewesen sein sollen, wollen viele anhand der Bilder nicht glauben und gehen von deutlich weniger aus. Die ÖVP sprach am Sonntag von 800 Teilnehmern, eine Zahl, die gestern auf Nachfrage in etwa bestätigt wurde. 1000 Jausenpakete wurden hergerichtet, 750 seien ausgegeben worden, hieß es. (TT)