Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


Bezirk Reutte

Forchacher Bürgermeister: „Auf 35 Seiten fast jede Staude dokumentiert“



Wie berichtet, werden die Renaturierungsmaßnahmen am Lech in Höhe Weißenbach nicht nur dem Wildfluss mehr Platz geben, sondern über kurz oder lang auch ein Opfer fordern: den Baggersee an der östlichen Uferseite. Eine Handvoll Weißenbacher, darunter auch Wolfgang Schweißgut, will das nicht einfach hinnehmen. Die Verwunderung, dass „anderswo schützenswerte Alpensmaragd-Libellen oder Zwergrohrkolben hier offensichtlich keine Rolle spielen", ist bei der Gruppe groß.

Nun meldet sich auch Umweltlandesrätin LHStv. Ingrid Felipe in der Causa zu Wort: „Der Baggersee, so idyllisch er auch sein mag, ist menschlichen Ursprungs und wird nun wieder den natürlichen Prozessen der Wildflusslandschaft überlassen." Es habe sich deutlich gezeigt, dass die bisherigen Flussaufweitungen und Rückbauten des ersten Life-Projektes in die richtige Richtung gegangen seien, aber noch nicht ausreichend waren. Felipe: „Dies war auch der Grund, warum von Seiten der EU weitere Mittel für das zweite Life-Projekt bewilligt wurden. Gerade der von Schweißgut angesprochene Zwergrohrkolben ist darauf angewiesen, dass sich die Flusslandschaft immer wieder durch die Kraft des Flusses verändert.

Beim freiheitlichen Bezirks-obmann Fabian Walch stößt das Vorhaben auf völliges Unverständnis. „Hier soll allen Ernstes unter dem Deckmantel des Naturschutzes ein Naturschutzgebiet zerstört werden. Das kann man nicht erfinden. Ansonsten schützen die Grünen jeden Froschlaichplatz", ätzt Walch.

Für den Forchacher Bürgermeister Karl-Heinz Weirather ist die Sachlage klar: „Wenn Fachleute mit dem Baggersee so was vorhaben und das alles mit den gesetzlichen Bestimmungen übereinstimmt, dann werden die schon wissen, was sie tun. Der Bescheid umfasst 35 Seiten. Da ist fast jede Staude dokumentiert." Wolfgang Klien, Chef des Wasserbauamtes, sei an die Gemeinde herangetreten und habe das Angebot einer Tauschfläche beim Gewerbegebiet gemacht. „Für uns ist es fast unmöglich, Grund zu bekommen. Somit ist uns der Grundtausch sehr entgegengekommen." (fasi)




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