Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.07.2019


Exklusiv

Kofel-Aufsichtsrat sieht sich nicht in der Verantwortung

Aufsichtsratschef Werner Frießer wird kommende Woche im Kontrollausschuss rund um das Patscherkofel-Debakel befragt. Auch die Mitglieder des Innsbrucker Gemeinderats erhalten indes nun den Kontrollamtsbericht.

Die neue Patscherkofelbahn (Symbolfoto).

© Thomas Boehm / TTDie neue Patscherkofelbahn (Symbolfoto).



Von Denise Daum

Innsbruck – Heute bekommen die Mitglieder des Innsbrucker Gemeinderats mit der Einladung für die Sitzung am Donnerstag den Kontrollamtsbericht zum Patscherkofel-Neubau übermittelt. Bislang hatten diesen (offiziell zumindest) nur die Mitglieder des Kontrollausschusses. Für den Ausschuss sind trotzdem noch Fragen offen, weshalb für kommende Woche vor dem Sonder-Gemeinderat nochmals eine Sitzung einberufen wurde. Auf Vorschlag von Benjamin Plach (SPÖ) wird dabei der Aufsichtsratsvorsitzende der Patscherkofel Infrastruktur GmbH, Werner Frießer, befragt. Der Seefelder Bürgermeister und Vorstand der Bergbahnen Rosshütte hatte in der Vergangenheit mehrmals darauf verwiesen, dass der Aufsichtsrat für die Patscherkofel Betriebs GmbH zuständig sei und damit nicht für den Neubau.

Die NEOS wollen den Aufsichtsrat, wie berichtet, nicht aus der Verantwortung entlassen. Und für Plach stellt sich die Frage, „wer denn definiert hat, dass der Aufsichtsrat nur für den Betrieb und nicht für den Bau verantwortlich ist“. Hat die Politik ein weiteres Kontrollinstrument ausgeschaltet oder hat dies der Aufsichtsrat selbst getan?

Für Werner Frießer liegt auf der Hand, dass der Aufsichtsrat nicht in der Verantwortung steht. „Ich wurde gebeten, diese Funktion zu übernehmen, um mein Seilbahn-Know-how einzubringen. Es war von Anfang an klar, dass das nur für den Betrieb gilt.“ Dass für Außenstehende dann aber nicht zu verstehen ist, warum der Aufsichtsrat der Infrastruktur GmbH als Errichterin der Bahn zugeordnet ist, räumt Frießer ein. Er erklärt das so: „Die Infrastruktur GmbH ist die Muttergesellschaft der Betriebs GmbH. Es macht keinen Sinn, den Aufsichtsrat bei der Tochtergesellschaft anzusiedeln.“

Der Aufsichtsrat wurde im Übrigen erst einberufen, nachdem der Sieger aus dem Architektenwettbewerb gekürt worden war, die Stadt die Entscheidung für das Bauprojekt also bereits getroffen hatte. Den laufenden Bau zu beaufsichtigen, sei nicht Aufgabe des Aufsichtsrats. „Wir haben davon auch gar nicht viel mitbekommen.“

Frießer erklärt, dass der Aufsichtsrat weder eine Bauentscheidung getroffen noch kontrolliert habe. „Wenn die Eigentümerin der Gesellschaft als höchstes Organ einen Auftrag erteilt und – jetzt kommt der wesentliche Punkt – auch die Finanzierung dafür bereitstellt, dann wird das so gebaut. Der Aufsichtsrat könnte das gar nicht verhindern.“ Kurz: Wer zahlt, schafft an.

Angesprochen auf die Dimension der Kosten sagt Frießer: „Natürlich hätte man das Ganze auch billiger haben können. Die Stadt hat sich aber für hochwertige Architektur am Patscherkofel entschieden. Das kostet, aber Innsbruck als Landeshauptstadt wollte das so machen. Das ist beneidenswert, so eine schöne Bergstation könnte ich mir als Landei-Bürgermeister nicht leisten.“

Auf die Frage, wen er denn in der Verantwortung sieht, sagt Frießer, dass der gesamte Stadtsenat bei den so genannten Montagsrunden zum Patscherkofel dabei war. „Auch im Gemeinderat sind die entsprechenden Beschlüsse gefasst worden.“