Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Exklusiv

Kraftwerk Kaunertal steht erneut auf dem Prüfstand

Das Umweltverfahren für das geänderte Ausbauprojekt der Tiwag geht weiter. Gestern wurde mit den Gutachtern der Zwischenstand bewertet.

Im Landhaus ging es gestern um das größte Kraftwerksprojekt in Tirol. 2012 wurde die Kaunertal-Erweiterung eingereicht.

© TTIm Landhaus ging es gestern um das größte Kraftwerksprojekt in Tirol. 2012 wurde die Kaunertal-Erweiterung eingereicht.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Mehr als 80 Millionen Euro hat der Landesenergieversorger Tiwag bereits in die Vorarbeiten für den Ausbau des Kraftwerks Kaunertal investiert. Die bestehende Anlage soll zu einem Pumpspeicherkraftwerk ausgebaut, ein Oberstufenspeicher im Platzertal mit einem Fassungsvermögen von 42 Millionen Kubikmetern errichtet und Wasser aus dem Ötztal gefasst werden. Von Anfang an wurde das Projekt von Umweltschutzorganisationen als nicht umweltverträglich kritisiert. 2012 wurde die 1,3 Milliarden Euro teure Erweiterung beim Land eingereicht. Der Landesumweltanwalt geht in seiner Stellungnahme jedoch davon aus, „dass bei Realisierung die Schutzgüter Gewässerökologie, Lebensraum heimischer Pflanzen und Tiere, Natur- und insbesondere Wasserhaushalt, Landschaftsbild und Erholungswert schweren und nachhaltigen Schaden erleiden werden und das Vorhaben mit heutigem Wissensstand unvertretbare Auswirkungen mit sich bringen wird“.

Darüber hinaus blockiert der Streit um das Ötztaler Wasser das Verfahren: 2017 hat die Tiwag die Ausbaupläne überarbeitet und die Wasserfassung aus der Gurgler Ache massiv reduziert, an der Venter Ache ist das Widerstreitverfahren mit Sölden noch nicht entschieden. Das hängt auch noch wie ein Damoklesschwert über dem Kaunertal.

Wie steht es nun mit dem geänderten Projekt? Die Tiwag hält am Ausbau fest, weshalb gestern in einem Workshop „Kraftwerk Kaunertal“ der Zwischenstand mit den rund 50 Gutachtern bewertet wurde. Für die Tiwag war Kaunertal-Projektleiter Wolfgang Stroppa anwesend. „Das Verfahren geht natürlich weiter, uns geht es natürlich um eine Bewertung aus fachlicher Sicht.“ Dieses Interesse hat offenbar auch die Umweltbehörde. „Bis zur Auflage für die eigentliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) wird es allerdings noch dauern“, gibt sich Stroppa keinen Illusionen hin.

Wie beurteilt Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) den Umstand, dass die Tiwag den Kaunertal-Ausbau offenbar wieder offensiver vorantreibt? „Im Regierungsprogramm haben wir uns dazu bekannt, dass das Verfahren ohne politische Einflussnahme durchgeführt wird.“ Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist für sie ein transparentes und wertvolles Verfahren, „das mögliche Eingriffe in die Umwelt bewerten soll“. Obwohl Projektbetreiber oft zeitliche Verzögerungen beklagen, „ist die UVP ein wirklich gutes Instrument“. Dass es sich bei der Erweiterung aus Sicht des Naturschutzes jedoch um ein sehr kritisches Projekt handle, habe sie allerdings von Anfang an gesagt, betont Felipe.

Eine zentrale Frage ist natürlich die energiewirtschaftliche im Zusammenhang mit der reduzierten Wasserentnahme aus der Gurgler Ache. Der zeitliche Horizont geht außerdem weit über das Jahr 2020 hinaus. Ein Baubeginn vor 2026 wird ohnehin nicht als realistisch bezeichnet.