Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 12.07.2019


Exklusiv

Transitverkehr: Stimmung in Bayern kippt, Lob für Tirol

Am liebsten würde sich LH Platter mit dem deutschen Verkehrsminister Scheuer am 25. Juli an der Brennerachse treffen. Doch am Ort wird das Gespräch nicht scheitern.

Lkw an Lkw reiht sich seit Monaten auf den Tiroler Transitrouten. Deshalb wurden Lkw-Fahrverbote verschärft und Blockabfertigungen ausgedehnt.

© Thomas Boehm / TTLkw an Lkw reiht sich seit Monaten auf den Tiroler Transitrouten. Deshalb wurden Lkw-Fahrverbote verschärft und Blockabfertigungen ausgedehnt.



Innsbruck – Seit Mittwochabend laufen die Terminabstimmungen zwischen Berlin, Wien und Innsbruck. An dem Treffen sollen neben Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer Tirols Landeshauptmann Günthe­r Platter und Scheuers österreichischer Amtskollege Andreas Reichhardt teilnehmen. Der Termin dürfte schon feststehen, der Ort noch nicht. Wahrscheinlich wird am 25. Juli, also drei Tage nach dem Treffen zwischen Verkehrsreferentin LHStv. Ingri­d Felip­e (Grüne) und Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart, auf höchster Ebene über die Korridormaut, die erweiterten Fahrverbote, die Blockabfertigung und die Durchfahrtssperren auf den Landes- und Gemeindestraßen geredet.

Denn dass es darum gehen muss, steht für den Tiroler Landeshauptmann fest. „Alles andere hätte keinen Sinn.“ Am liebsten wäre Platter, wenn die Besprechung in räumlicher Nähe zu Tirol stattfindet, damit sich Scheuer über die Situation vor Ort ein Bild machen könnte. Letztlich geht jedoch der Inhalt vor, der Ort ist zweitrangig. Blockabfertigung und Fahrverbote sind für Günther Platter nicht verhandelba­r, ansonsten mache die Aussprache keinen Sinn. Vielmehr müssen die Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene sowie effektive Maßnahmen zur Verringerung des Transitaufkommens im Vordergrund stehen.

Interessant ist jedenfalls die Stimmung in Bayern, die langsam kippt. Die Verkehrssprecherin der CDU/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag, Daniela Ludwig, muss nach ihrer heftigen Standpauke an Tirol selbst heftige Kritik einstecken. Auf ihrer Facebook-Seite wird in zahlreichen Kommentaren Verständnis für die Haltung Tirols aufgebracht. „Die machen wenigstens was. In Deutschland wird nur geredet, hier im Grenzgebiet Bayern erlebe ich den Verkehr täglich, ein Überqueren der Dorfstraße ist kaum mehr möglich“, heißt es etwa.

Verkehrsminister Reichhardt bezeichnet den beginnenden „Trilog“ als positiv. Die Fronten dürften sich nicht weiter verhärten. „Nicht zuletzt deshalb begrüße ich auch das Engagement der Europäischen Kommission und stehe natürlich auch für Trilog-Gespräche mit meinem Kollegen Scheuer sowie dem Tiroler Landeshauptmann zur Verfügung.“ Er, so Reichhardt, habe nach wie vor vollstes Verständnis für die Tiroler Bevölkerung, die unter der Verkehrslawine leide. „Aus diesem Grund müssen rasch Maßnahmen auf den Tisch, die mit allen Beteiligten konstruktiv diskutiert werden.“ (pn)