Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Exklusiv

Siegerprojekte für Patscherkofel und MCI sprengten die Kosten

Ähnliche Entwicklungen: Waren Vorgaben für Architektenwettbewerbe zu ungenau oder negierte die (politische) Jury einfach ihre eigenen Richtlinien?

Die deutlichen Mehrkosten waren nach den Architektenwettbewerben für das MCI absehbar.

© MCIDie deutlichen Mehrkosten waren nach den Architektenwettbewerben für das MCI absehbar.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Wie sich die Sachverhalte doch gleichen – mit einer Ausnahme: Der Neubau des Managementcenters Innsbruck wurde wegen einer drohenden Kostenexplosion von 80 auf 132,5 Mio. Euro im Vorjahr gestoppt. Bei der bereits realisierten Patscherkofelbahn, ebenfalls in Innsbruck, haben sich die Aufwendungen von 41 Millionen Euro auf 58 Millionen und letztlich wohl auf knapp 66 Millionen Euro hinaufkatapultiert. Eines fällt bei beiden Vorhaben auf: Die großen Kostensprünge erfolgten nach den Architektenwettbewerben, weil die Siegerprojekte inhaltlich nicht mit den Vorgaben für die Wettbewerbe übereinstimmten.

Die Jurys bzw. Preisgerichte, in denen neben Architekten auch die politisch Verantwortlichen von Stadt und Land saßen, winkten allerdings MCI und Patscherkofel-Neubau durch. Detail am Rande: Die ehemalige Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) und Ex-Stadtrat Gerhard Fritz (Grüne) als Ersatz wirkten in beiden Gremien mit.

Basis für den MCI-Neubau und den Architektenwettbewerb war ein Masterplan aus dem Jahr 2008: Der maximale Kostenrahmen betrug 87,2 Mio. Euro mit einer Ungenauigkeitsmarge von 20 Prozent. Die Wettbewerbsvorgabe beinhaltete eine Kubatur von 102.000 Kubikmetern. Unabhängig von Baukostensteigerungen wegen der guten Konjunktur oder nachträglichen Wünschen stand bereits nach der Entscheidung für das Siegerprojekt Ende 2016 fest, dass die in der Ausschreibung vorgegebenen Kosten nicht halten würden. Warum? Weil das ausgewählte Bauvorhaben eine um 24.000 Kubikmeter größere Kubatur aufwies. Wurde bei der Ausschreibung geschlampt? Experten in der Architekturszene gehen davon aus.

Im Gegensatz zum Patscherkofel wurden beim MCI die notwendigen finanziellen Anpassungen jedoch unter der Tuchent gehalten, bis im Vorjahr der für den Hochbau zuständige Landesrat Hannes Tratter (ÖVP) die Reißleine gezogen hat. Mit den bekannten Nachwehen, die Stadt und Land derzeit beschäftigen.

Auch für den Patscherkofel waren die Mehrkosten absehbar.
Auch für den Patscherkofel waren die Mehrkosten absehbar.
- Patscherkofelbahn

Beim Patscherkofel haperte es auch bei den Flächenangaben: Für Talstation, Mittel- und Bergstation gab es eine Kostenvorgabe von 12,8 Mio. Euro. Schlussendlich kamen nach dem Architektenwettbewerb im März 2016 rund 24,1 Mio. Euro heraus. Die Kosten wurden um 11,3 Millionen überschritten (!). Nach einer Kostenreduzierung pendelten sich die Aufwendungen immer noch bei 19,7 Mio. Euro ein. Das Kontrollamt der Stadt Innsbruck liefert die Erklärung für diese Entwicklung und übt zugleich massive Kritik: „Aufgrund der deutlichen und offensichtlichen Abweichungen des Siegerprojekts im Vergleich zu den ursprünglichen Flächen- annahmen (und den damit verbundenen baulichen Maßnahmen) für die Kostenannahme gegenüber der Gemeinderatsvorlage vom 20. Oktober 2015 sowie der Auslobung im Architektenwettbewerb zeigte sich die Kontrollabteilung verwundert, dass im Protokoll der Jurysitzung diesbezüglich kein Bezug genommen bzw. keine Einschätzung der Mehrkosten dokumentiert worden ist.

Dann verläuft es ähnlich wie beim MCI: Trotz der zu erwartenden Mehrkosten beharrte die Geschäftsführung der Patscherkofelbahnen noch am 1. Juni 2016 auf den 12,8 Mio. Euro. Darüber zeigt sich die Kontrollabteilung in ihrem Bericht ebenfalls verwundert, weil zu diesem Zeitpunkt kein höherer Kostenansatz ausgewiesen wurde. Zwei Monate später mussten jedoch ein Offenbarungseid abgeliefert und die Gesamtkosten deutlich hinaufgeschraubt werden. Im September 2016 bezifferte man die Hochbauten eben mit 19,7 Mio. Euro und die Gesamtkosten für den Kofel mit 58,5 Mio. Euro.

Die Kammer der ZiviltechnikerInnen für Tirol und Vorarlberg verteidigt den Architektenwettbewerb für den Patscherkofel. Bei der Patscherkofelbahn habe sich die Stadt Innsbruck gegen einen reinen Zweckbau, der etwas günstiger ausfallen hätte können, entschieden, heißt es in einer Stellungnahme. „Stattdessen setzte sie ein klares Zeichen für die hochstehende Baukultur der Stadt – auch das ein guter Grund für einen Architekturwettbewerb.“ Dass im Gegensatz dazu die Baukosten in der Ausschreibung zu niedrig angesetzt worden seien, hätten mehrere Teilnehmende schon beim Hearing zum Wettbewerb angemerkt, betonen Christian Höller und Lukas Pankraz Mähr.