Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 13.07.2019


Tirol

Für Geisler führt am Kaunertal kein Weg vorbei

Am Donnerstag wurden im Landhaus in Innsbruck wieder einmal die Sachverständigen im Umweltverfahren zusammengerufen, um das überarbeitete Vorhaben mit der reduzierten Wasser­entnahme aus der Gurgler Ache zu bewerten.

Neben dem Gepatsch-Speicher ist ein Oberstufenspeicher im Platzertal mit einem Fassungsvermögen von 45 Mio. Kubikmetern geplant

© SartiNeben dem Gepatsch-Speicher ist ein Oberstufenspeicher im Platzertal mit einem Fassungsvermögen von 45 Mio. Kubikmetern geplant



Innsbruck – Für Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer wäre der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal zu einem Pumpspeicherkraftwerk mit einem zusätzlichen Speicher ein nicht umkehrbarer Eingriff in den Naturhaushalt. Am Donnerstag wurden im Landhaus in Innsbruck wieder einmal die Sachverständigen im Umweltverfahren zusammengerufen, um das überarbeitete Vorhaben mit der reduzierten Wasser­entnahme aus der Gurgler Ache zu bewerten. „Das war der Wunsch des Landes“, betont Tiwag-Vorstandsdirektor Johann Herdina. Trotz aller Schwierigkeiten und dem anhaltenden Streit um die Wasserableitungen aus dem Ötztal hält der Landesenergieversorger Tiwag an dem größten Kraftwerksvorhaben (1,3 Milliarden Euro) fest. Bisher wurden rund 80 Millionen Euro in Vorleistungen investiert.

Herdina geht aber weiterhin von einem langen Verfahren vergleichbar mit einem Marathonlauf aus, „bei dem wir erst den ersten Kilometer absolviert haben“. Und mit einer Fertigstellung sei nicht vor den 2030er-Jahren zu rechnen. Sollte die Tiwag das noch anhängige Widerstreitverfahren um das Wasser aus der Venter Ache verlieren, schaut es schlecht aus. „Ohne Wasser macht der Ausbau keinen Sinn“, macht Herdina klar.

Für den Energiereferenten des Landes, LHStv. Josef Geisler (VP), führt aber kein Weg am Kaunertal-Kraftwerk vorbei. „Für die Energiewende benötigen wir ein zusätzliches Energievolumen von 2,8 Terawatt aus der Wasserkraft. Allein mit Einsparungen und unserer Solar-Offensive werden wir es nicht schaffen.“ Geisler sieht wenig Sinn darin, jeden kleinen Bach zu verbauen. „Die Tiroler Energiestrategie fußt auf den Ausbauvorhaben von Sellrain-Silz und im Kaunertal.“ Obwohl Geisler wisse, dass es noch ein langer Weg bis zur Realisierung der Kraftwerkspläne im Kaunertal sein werde.

Umweltschutzorganisationen sehen indes den Ausbau kritisch und haben in der Vergangenheit mehrmals einen Stopp der Pläne gefordert. Neben dem neuen Speicher werden auch die Wasserableitungen abgelehnt. (pn)

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