Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.07.2019


Bezirk Landeck

Prutz: Auf der „goldenen Straße“ zur Verkehrsberuhigung

In Prutz wurde gestern Tirols erste Begegnungszone auf einer Landesstraße eröffnet. Sie soll die Verkehrskolonnen einbremsen.

Feierliche Eröffnung: LA Jakob Wolf, Architektin Ursula Faix, Bürgermeister Heinz Kofler, LHStv. Ingrid Felipe, Christian Molzer und Prozessbegleiter Georg Mahnke schnitten das Band zur Begegnungszone durch.

© ReichleFeierliche Eröffnung: LA Jakob Wolf, Architektin Ursula Faix, Bürgermeister Heinz Kofler, LHStv. Ingrid Felipe, Christian Molzer und Prozessbegleiter Georg Mahnke schnitten das Band zur Begegnungszone durch.



Von Matthias Reichle

Prutz – Am Stammtisch hat sie bereits einen Spitznamen – „Golden Road“ (dt. die „Goldene Straße“) oder die „Senfstraße“. Bürgermeister Heinz Kofler muss darüber schmunzeln. Der Grund ist die intensiv goldgelbe Farbe, die der Asphalt der L18, der Kaunertalstraße, durch Prutz bekommen hat. 18 Wochen wurde in der Obergrichter Gemeinde gebaut, gestern konnte im erneuerten Zentrum nun eine Begegnungszone eröffnet werden – aber nicht irgendeine.

Im Prutzer Zentrum gilt seit gestern eine 20er-Beschränkung.
Im Prutzer Zentrum gilt seit gestern eine 20er-Beschränkung.
- Reichle

„Es ist die erste Begegnungszone auf einer Landesstraße im Land Tirol.“ Und damit ein Pionierprojekt, wie auch die verantwortliche Architektin Ursula Faix feststellte. Bei einer Begegnungszone handelt es sich um eine verkehrsberuhigte Fläche, auf der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Fußgänger können die gesamte Verkehrsfläche nutzen. Auf einem 150 Meter langen Teilstück der L18 wurde der Pkw-Verkehr damit ein Stück entmachtet.

„Immer wenn man etwas zum ersten Mal macht, sagen viele, das gehe nicht“, so Faix. Dem Projekt gingen intensive Vorprüfungen voran – man habe viel Unterstützung erhalten. „Das Land Tirol hat alles zwei Mal gecheckt.“

Die zweite Innovation sei der Farbasphalt. „Er ist noch etwas gelb, gebt ihm einen Winter, dann gleicht sich die Farbe an den Platz an.“ Nicht zuletzt soll sie aber den Verkehr auch optisch einbremsen.

Die Hoffnung von Bürgermeister Kofler ist, dass sich mit den neuen Maßnahmen eine generelle Beruhigung des Zentrums einstellt, durch dessen enge Häuserschlucht der gesamte Verkehr ins Kaunertal, nach Faggen, Kauns, Kaunerberg und Fendels rollt. „Dazu muss sich aber jeder erinnern, dass ein 20er gilt“, mahnte er.

1,1 Mio. Euro hat die Neugestaltung der Straße und des Dorfplatzes gekostet. Rund 60 Prozent davon wurden von der Gemeinde gefördert. Das Besondere war, dass man parallel zu den Planungen auch die Bevölkerung in einem Bürgerbeteiligungsprozess eingebunden hat.

Als „Hochamt für eine Mobilitätslandesrätin“ bezeichnete LHStv. Ingrid Felipe die Eröffnungsfeier. Es sei ein „mutiges Projekt“, bei dem man „mitgefiebert“ habe. „Es ist ein großes Ding, den öffentlichen Raum an die Fußgänger zurückzugeben. Nicht nur Fahrverbote am Wochenende helfen gegen den Verkehr, sondern auch Begegnungszonen.“

In Prutz gilt sie künftig auf der gesamten Fläche des Dorfplatzes, auf der L18 vom Greifhaus bis zur Kreuzung Ballhausgasse, auf der Dorfstraße bis zum ehemaligen Gasthaus Rose und auf der Kirchgasse bis zum Kindergarten. Die Reaktionen in der Bevölkerung reichen von einem „totalen Topfen“ bis zu einer „super Sache“, so Kofler. Wichtig sei nun die erste Eingewöhnungsphase, in der auch strenger kontrolliert wird.

Auch das ehemalige Raiffeisengebäude, das zum Innopark mit einem Restaurant und Büros umgebaut worden war, wurde gestern eingeweiht. Kosten: eine Million Euro.

Gegen 14 Uhr wurde die Begegnungszone dann offiziell für den Verkehr geöffnet.

Der gelbliche Asphalt mit den schwarzen Wellenmustern soll helfen, den Verkehr einzubremsen.
Der gelbliche Asphalt mit den schwarzen Wellenmustern soll helfen, den Verkehr einzubremsen.
- Reichle