Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Innsbruck-Land

Traglufthalle in Hall ist Geschichte, Aufregung bleibt

Der Abbau des – nur kurzzeitig genutzten – Asylquartiers in Hall ist vollzogen. Die Liste Fritz ortet „Steuergeldvernichtung“ bei Bettgestellen, die TSD verneinen das.

Fotos, die zeigen, wie Bettgestelle aus der abgebauten Traglufthalle offenbar zum Verschrotten aufgeladen werden, erzürnen die Liste Fritz.

© Florian ZechelFotos, die zeigen, wie Bettgestelle aus der abgebauten Traglufthalle offenbar zum Verschrotten aufgeladen werden, erzürnen die Liste Fritz.



Hall – Am Ende ist es auf einmal ziemlich schnell gegangen. Lange Zeit stand die Traglufthalle in der Haller Zollstraße – die von den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) 2016 nur für insgesamt acht Monate zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt worden war – leer bzw. blieb als potenzielle Notunterkunft erhalten. Im Jänner 2019 knickte die verwaiste Halle plötzlich ein, langwierige Untersuchungen zur Einsturzursache verhinderten einen raschen Abbau. Inzwischen liegen zwei Gutachten vor, die Ursache dürfte ein technischer Defekt gewesen sein.

Nach Einlangen des Abbruchbescheides wurde die Halle in den letzten Tagen nun jedenfalls bereits vollständig abgetragen. Die Aufregung ist damit freilich noch nicht zu Ende. Seitens der Liste Fritz kommt heftige Kritik. Anlass sind Fotos, die ein „erzürnter Bürger“ zur Verfügung gestellt habe, sagt LA Markus Sint: Die Bilder würden beweisen, dass die TSD zahlreiche Bettgestelle aus Eisen „einfach verschrotten ließen“. Zu sehen ist, wie Bettgestelle mittels Greifer auf den Lkw eines Haller Unternehmens für Schrottaufbereitung aufgeladen werden.

Für Sint ist es „völlig unverständlich“, dass beim Abbau der Halle „weiterhin Vermögen mutwillig und ohne Not vernichtet“ werde, statt die Bettgestelle „weiterzuverwenden oder sie einem sozial tätigen Verein in Tirol oder sonstwo kostenlos zu überlassen“.

Seitens der TSD weist man die Vorwürfe zurück: „Selbstverständlich“ habe man alle Gegenstände in der Halle – auch schon direkt nach dem Einsturz – auf ihren Zustand hin überprüft, viele könne man wiederverwenden. So sei etwa die EDV sofort aus der Halle gerettet worden.

„Bei den Bettgestellen gibt es welche, die beschädigt sind und nicht weiterverwendet werden können, andere sind voll einsatzfähig und werden einer weiteren Verwendung zugeführt.“ Bei den Planen habe man ebenfalls alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft, dies sei aber aufgrund der Beschaffenheit (mit Doppelmembran und eingebauten Kabelkanälen) sowie der Beschädigung leider nicht möglich. Zudem hätten in der Halle auch Vandalen gewütet, etwa mit Spraydosen, manche Gegenstände seien sogar angekohlt, weil versucht wurde, Feuer zu legen.

LA Sint hält die Aussagen in Bezug auf die Bettgestelle für „unglaubwürdig“, die Bilder würden eine andere Sprache sprechen. Und er übt einmal mehr grundlegende Kritik: Insgesamt hätte der Ankauf der fünf Traglufthallen in Tirol inklusive Aufstellen und Betrieb allein bis Juni 2017 ca. 7,3 Mio. Euro an Steuergeld gekostet. Nur zwei Hallen wurden aufgestellt, in Betrieb ging lediglich jene in Hall. Für Sint ein „krasses Beispiel für Misswirtschaft und Missmanagement“, für das „die grünen Landesrätinnen verantwortlich“ seien. (md)