Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Innsbruck

Oppitz-Plörer sieht keinen Grund für einen Rücktritt

Innsbrucks Vizebürgermeisterin räumt ein, gewisse Fehler beim Patscher­kofel gemacht zu haben. Eine Kostenexplosion sieht sie aber nicht.

Für den Neubau der Patscherkofelbahn wurden bis Juni dieses Jahres 62,9 Millionen abgerechnet.

© KristenFür den Neubau der Patscherkofelbahn wurden bis Juni dieses Jahres 62,9 Millionen abgerechnet.



Von Denise Daum

Innsbruck – Napoleon soll sinngemäß einmal gesagt haben: „Im Nachhinein hätte ich jede Schlacht gewonnen.“ Im Nachhinein, sagt Innsbrucks Vizebürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, würde sie beim Patscherkofel-Projekt auch etwas anders machen. „Ich würde darauf drängen, eine umfassende Kontrolle des Bauablaufs zu installieren.“ Und: „Mehr Zeit in die Planungsphase des Großprojekts investieren.“

Das war es aber auch schon mit den Schuldeingeständnissen. Oppitz-Plörer bleibt angesichts der unzähligen Vorwürfe rund um das „Patscherkofel-Desaster“ relativ gelassen. Wenngleich sie erklärt, dass die Angriffe „schon massiv“ seien.

Dass alle Fäden rund um die Mehrkosten beim Patscherkofel-Bau bei ihr zusammenlaufen, wie es in den vergangenen Tagen so oft geheißen hat, sei selbstredend. „Als Bürgermeisterin hatte ich nun mal die Beschlüsse der Gremien, sprich Stadtsenat und Gemeinderat, umzusetzen.“ Oppitz-Plörer verweist zum wiederholten Mal darauf, dass es für jede Entscheidung rund um das Patscherkofel-Projekt einen Gemeinderatsbeschluss gab. „Ich war die Bürgermeisterin, aber ich konnte doch nichts allein umsetzen oder entscheiden. Ich musste stets Mehrheiten suchen.“ Das gesamte Projekt sei das Ergebnis vielfältiger Kompromisse. So sei beispielsweise der Architektenwettbewerb nicht ihre Idee gewesen. Genauso hätte sie – im Gegensatz zur Mehrheit im Gemeinderat – kein Problem damit gehabt, wenn vor Beginn der Bauarbeiten eine Saison für die Projektplanung verloren gegangen wäre.

Von einer Kostenexplosion will Oppitz-Plörer keinesfalls sprechen. Ihr zufolge liegt die Kostenüberschreitung bei „lediglich 13,7 bis 17 Prozent“: Es werde nämlich immer von den ursprünglichen 34,3 Millionen Euro ausgegangen, die im Oktober 2015 beschlossen wurden, als vieles aufgrund des ausstehenden Wettbewerbs noch unklar war. He­rangezogen werden müssten die 55,33 Millionen, die nach Abschluss des Wettbewerbs im Gemeinderat im Februar 2017 als Kostenrahmen festgelegt wurden.

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Abgerechnet wurden bis heute 62,9 Millionen Euro. Also 13,7 Prozent Steigerung. Aber das war es doch noch nicht? Laut Oppitz-Plörer sind noch rund zwei Prozent der Gesamtkosten offen. Plus die Kosten für die Parkplatz­erweiterung. Plus die Rodelbahn. Plus den Speicherteich. Dafür sollte das vom Gemeinderat im Juni 2018 bereitgestellte Geld reichen. Bekanntlich hat die Regierung die Mehrkosten von elf Millionen Euro abgesegnet und damit den Gesamtkostenrahmen mit 66,3 Millionen Euro festgelegt. Also eine Steigerung von 20 Prozent.

Trotzdem: Für einen Rücktritt als Vizebürgermeisterin sieht Oppitz-Plörer keinen Grund. Gelassen sieht sie auch den gegen sie eingebrachten Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft entgegen.