Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.07.2019


Exklusiv

NR-Wahl: Lettenbichler zog Kandidatur zurück

Letzte Woche wurde Lettenbichler noch zum Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl im Wahlkreis Unterland gekürt. Nun zog er seine Kandidatur überraschend zurück.

Vor eineinhalb Wochen ging es mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz noch bergauf, Dienstagabend verzichtete NR Josef Lettenbichler auf eine Kandidatur. Foto: Böhm

© TT/BöhmVor eineinhalb Wochen ging es mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz noch bergauf, Dienstagabend verzichtete NR Josef Lettenbichler auf eine Kandidatur. Foto: Böhm



Innsbruck, Kufstein — In der Vorwoche wurde der Energiesprecher der ÖVP und Nationalrat Josef Lettenbichler noch vom ÖVP-Landesparteivorstand zum Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl im Wahlkreis Unterland (Kufstein und Kitzbühel) gekürt.

Ein sich abzeichnender Vorzugsstimmenwahlkampf, der von der ÖVP im Gegensatz zu 2017 so nicht gewollt ist, veranlasste Lettenbichler jetzt zu einem überraschenden Schritt: Gestern Abend zog er seine Kandidatur zurück.

Dass Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger auf Platz fünf in seinem Wahlkreis kandidiert und auch der Kandidat der Jungen ÖVP, Michael Riedhart, laut Eigendefinition „als langjähriger Wegbegleiter von Sebastian Kurz und als starker Befürworter seiner Politik" ebenfalls nach vorne drängt, raubte Lettenbichler offenbar die Motivation. Der Bauernbund hatte bereits in der Vorwoche frohlockt, dass die realistische Chance bestehe, Hechenberger mit einem engagierten Wahlkampf und einer geschlossenen bäuerlichen Bevölkerung durch Vorzugsstimmen direkt in den Nationalrat zu wählen. Dafür benötigt man 14 Prozent der Parteistimmen im Wahlkreis.

Bei Lettenbichler schwingt Enttäuschung mit. Das teilte er offen den Funktionären im Unterland mit. „Mit großem Bedauern muss ich jedoch feststellen, dass sich gerade in unserem Wahlkreis wiederum ein Vorzugsstimmenwahlkampf der ?Extra-Klasse' abzeichnet. Für diese politischen Hahnenkämpfe und die wohl unvermeidbar kommenden Verwerfungen auf Wahlkreisebene — dies zeigte uns bereits die Vergangenheit — stehe ich jedoch nicht mehr zur Verfügung."

Vor allem Bauernbund und Junge ÖVP erinnerte er daran, dass es der mehrfach geäußerte Wunsch der Partei gewesen sei, „dass wir als bestehendes Abgeordnetenteam wiederum allesamt ins Parlament einziehen sollen". In der Tiroler Volkspartei nahm man Lettenbichlers Entscheidung gestern Abend mit Verwunderung zur Kenntnis. In der Vorwoche gab es bereits Ärger mit dem Arbeitnehmerbund (AAB), weil man die Kandidatin von AAB-Chefin und Landesrätin Beate Palfrader mit kräftiger Unterstützung der Bundespartei durchfallen ließ. Darauf kündigte Palfrader an, dass sie sich im Wahlkampf nicht einbringen werde.

Jetzt rückt jedoch die Kitzbüheler Gemeinderätin Andrea Watzl nach. Sie ist stellvertretende Bezirksobfrau des AAB. „Die Liste bleibt bestehen, es wird nachgerückt", machte VP-Hauptgeschäftsführer Martin Malaun klar. Er wird heute an einer Bezirksparteileitungssitzung von Kufstein und Kitzbühel teilnehmen. Im Wirtschaftsbund rumort es indessen gewaltig, die Stimmung ist auf der Explosionsstufe angelangt. (pn)