Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.07.2019


Bezirk Landeck

Laut Tinetz droht Stormengpass in Serfaus, Fiss, Ladis

Einen Anschlussstopp für größere neue Stromverbraucher kündigt die Tinetz an – bis die neue Leitung aufs Sonnenplateau kommt. Gemeinde Ried und Bürgerinitiative wünschen sich eine Lösung für alle.

In Ried fürchtet man eine Belastung des Landschaftsbilds durch eine weitere Freileitung.

© ReichleIn Ried fürchtet man eine Belastung des Landschaftsbilds durch eine weitere Freileitung.



Von Matthias Reichle

Serfaus, Fiss, Ladis, Ried – Die drei Sonnenplateau-Gemeinden Serfaus, Fiss und Ladis bekamen vor wenigen Tagen Post von der Tinetz. Darin teilte ihnen der Netzbetreiber mit, dass weitere neue größere Netzanschlüsse nicht mehr möglich sind, bis die geplante 110-kV-Leitung vom Tal aufs Sonnenplateau realisiert wurde.

Hintergrund ist ein Einspruch der Gemeinde Ried gegen das Projekt – die Tiroler Tageszeitung berichtete. Zuletzt hatte sich eine Bürgerini­tiative gebildet und über 550 Unterschriften gesammelt. Die Kritik richtet sich gegen die Freileitung, die von Ried aus sichtbar wäre.

Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder (r.) und Leiter der Planungsabteilung Philipp Mattle befürchten Einschränkungen.
Tinetz-Geschäftsführer Thomas Rieder (r.) und Leiter der Planungsabteilung Philipp Mattle befürchten Einschränkungen.
- Reichle

„Das wäre sehr dramatisch“, erklärt der Serfauser Bürgermeister Paul Greiter zu diesem Anschlussstopp. Der Fisser Bürgermeister Markus Pale wollte vorerst nichts dazu sagen, man werde sich das anschauen.

„Wir können größere Leistungssteigerungen nicht mehr bedienen“, erklärt Thomas Rieder, Geschäftsführer der Tinetz, die aktuelle Situation. „Leistungsanforderungen über 30 Kilowatt können wird nicht mehr anschließen. Einfamilienhäuser gehen, bei Mehrfamilienhäusern wird es kritisch.“ Auch Hotelerweiterungen und neue Gewerbebetriebe bekommen das zu spüren. „Die Entwicklung am Sonnenplateau ist behindert.“ Was jetzt gebaut werde, sei abgedeckt, aktuell seien aber zwei Projekte betroffen, denen man absagen musste. Die Tinetz habe relativ wenig Vorlaufzeit für diesen Leitungsausbau gehabt, erklärt er das Problem.

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Zuletzt hat die Gemeinde Ried den naturschutzrechtlichen Genehmigungsbescheid beeinsprucht – die TT berichtete. Der Fall liegt aktuell zur Entscheidung beim Landesverwaltungsgericht. Gleichzeitig haben auch noch nicht alle Grundeigentümer ihr Einverständnis gegeben – unter anderem die Gemeindegutsagrargemeinschaft Ried. Das Projekt würde sich nun um mindestens ein Jahr verzögern, so Rieder. „Wenn wir Ende des Jahres alle Bescheide haben und alle Verfahren abgeschlossen sind, können wir im März 2020 mit dem Bau beginnen und Ende des Jahres 2020 in Betrieb gehen.“ Die Bürgerinitiative wünsche sich eine Projektänderung mit einer anderen Trassenführung – „dann gehen wird Ende 2022 in Betrieb“, erklärt er.

„Wenn es wichtig ist, dass es rasch geht, wäre es umso wichtiger, dass sich die Tinetz bewegt und auf Ried zugeht“, erklärt Markus Raich, Sprecher der Rieder Bürgerinitiative, die sich eine Änderung des Projektes wünscht – und zwar eine „gemeinsame Lösung, die sowohl für Ried als auch für Ladis akzeptabel ist“. Man sei nicht radikal gegen den Leitungsbau, sondern habe eine gute Gesprächsbasis. Bei der letzten Runde mit der Tinetz in der Gemeinde Ried sei klar zum Ausdruck gekommen, dass es dort der Wunsch ist, die Trasse zu adaptieren. Bei gutem Willen sei das möglich. „Meine Beobachtung ist, dass die Gemeinden nicht abgeneigt sind, zusammenzuarbeiten“, betont er.

„Wir sind bestrebt, dass es nicht so weit kommt“, erklärt auch der Rieder Bürgermeister Elmar Handle zum drohenden Anschlussstopp: „Die Tinetz hat uns mitgeteilt, dass es mittelfristig zu diesem Problem kommen könnte. Wir sind an einer konstruktiven Lösung interessiert“, betont er – man sei dran. Wenn die Tinetz allerdings über die Betroffenen „drüberfährt“, wäre das freilich eine „harte Partie“.

Die Bürgerinitiative hatte zuletzt selbst einen Vorschlag für eine Trassenführung unterbreitet – der Wunsch ist, die Leitung so weit wie möglich im Boden zu verlegen.

Die Tinetz hält aktuell nichts von Erdleitungen. Für Rieder bedeutet sie nicht nur einen größeren Natureingriff, sondern auch eine Destabilisierung des Hanges sowie schwierige Situationen bei Reparaturen. „Große Änderungen bedeuten großen Zeitverlust, kleine Änderungen einen kleinen“, präzisiert Philipp Mattle, Leiter der Abteilung Projektierung und Konstruktion bei der Tinetz. „Die Behörde müsste in fünf Monaten abwickeln, was sie normal in zwei Jahren macht.“ Es habe bereits viele Optimierungsschritte gegeben. „Wir haben versucht, die Leitungen so gut wie möglich zu verstecken“, so Mattle. Die Masten seien vor dem Hintergrund des Waldes kaum zu sehen.




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