Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.07.2019


Bezirk Schwaz

Zillertalstraße: Baubescheid für Fügen in Reichweite

Nach monatelangen Verhandlungen mit der Firma Wetscher steht ein Vertragsabschluss bevor. Dieser ist Ziel vor Ausstellung des Baubescheids.

Die derzeitige Zillertalstraße im Bereich Fügen soll Gemeindestraße werden und daneben eine teils unterflurige Umfahrung gebaut werden.

© DählingDie derzeitige Zillertalstraße im Bereich Fügen soll Gemeindestraße werden und daneben eine teils unterflurige Umfahrung gebaut werden.



Von Angela Dähling

Fügen – Wer gestern Vormittag im Zillertal talauswärts fahren wollte, stand mal wieder im Stau. Und kein Ende scheint in Sicht. Vor einem Jahr hatte der Fügener Bürgermeister Dominik Mainusch den Baustart für die Neu-Trassierung der Zillertalstraße in Fügen für Ende 2019 angepeilt. „Das ist inzwischen undenkbar. Wir sind froh, wenn wir es 2020 schaffen“, sagt er jetzt.

„Seit 2017 ist fix, was passieren soll, seither versuchen wir in die Gänge zu kommen und verlieren Woche für Woche unendlich viel Zeit. Dabei lechzt das Tal nach einer Lösung“, sagt er. Neun Einsprüche hatte es 2018 bei der straßenrechtlichen Verhandlung mit den über 120 Parteien gegeben, einige sind noch immer aufrecht. Wochenlang würden Juristen über Formulierungen streiten, dann brauche es wieder Gutachten, schildert Mainusch die Probleme und spricht auch von „Verzögerungstaktik“. „Es müsste schneller Tacheles geredet werden und ein letztes Angebot gemacht werden“, meint er. Denn es könne nicht sein, dass Allgemeininteressen durch Private übermäßig verzögert würden.

Wie im Jänner berichtet, wurde mit der Firma Binderholz eine Einigung gefunden, ein Verhandlungsergebnis mit der Firma Wetscher stand bevor, hieß es. Inzwischen habe man laut Christian Molzer, Leiter der Abteilung Verkehr und Straßenbau, einen „inhaltlichen Durchbruch erreicht, den es schriftlich zu finalisieren gilt“. Auch Marti­n Wetscher sagt, man stehe kurz vor Vertragsabschluss. Er betont: „Wir wollen eine schnellstmögliche Umsetzung des Straßenbauprojektes.“ Die Komplexität sein Unternehmen betreffend sei jedoch „fast dilettantisch unterschätzt“ worden. „Wir müssen einiges aufgeben – in Summe werden 10.000 m³ Gebäude abgerissen“, schildert er. Darunter ein Wohngebäude, Parkplätze, eine Betriebstankstelle, Waschboxen, Lagerräume und der so genannte Wetscher-Turm. Zudem sind Fahr- und Geh- und Stromverbindungen zwischen den Betriebsgebäuden betroffen. „Was hier passiert, ist für die nächsten Generationen in unserem Unternehmen entscheidend“, spricht Wetscher von großer Verantwortung. Deshalb habe er rund 50.000 € in Architekturpläne investiert. Seitens des Landes gab es Gegengutachten. „Letztlich wurde uns Recht gegeben, die Forderungen waren gerechtfertigt“, schildert Wetscher.

BM Mainusch ergänzt, neben finanziellen Abgeltungen werde das Möbelhaus u. a. eine größere, sprintertaugliche Unterführung erhalten. Fußläufig würden die Betriebsgebäude künftig besser und barrierefrei verbunden, die Vorplätze werden großzügiger, Parkplätze woanders situiert.

Mainusch betont, dass jene, die ein Geschäft aus dem Projekt schlagen wollen, auf Granit beißen würden. „Das Erfüllen von Widmungswünschen in dem Zusammenhang ist undenkbar“, setzt er nach. Wetscher will die bestehende EKZ-Widmung bei Wetscher Max künftig ausschöpfen, um mögliche Frequenzrückgänge von 30 bis 50 % während der Bauphase zu kompensieren. Möglich wäre ein Lebensmittelmarkt. BM Mainusch sieht das kritisch, vor allem hinsichtlich der geplanten innerörtlichen Entwicklung.

Nach Vertragsabschluss mit Wetscher sei laut ihm die Ausstellung des Baubescheides für die Umfahrung Fügen vorgesehen. „Danach kann man anhand der Fristen einen Baustart abschätzen“, erklärt er. Es gilt als sicher, dass Einsprüche folgen. Laut Christian Molzer sei das Ziel, sich mit allen Grundeigentümern zu einigen. Laut ihm sei es übrigens „sensationell schnell“, wenn in einem so komplexen Ediktalverfahren innerhalb von zwei Jahren ein Baubescheid ausgestellt werden kann.