Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.07.2019


Exklusiv

Ärzte-Ausbildung: Kein Zeitplan für Tiroler Medical School

Landesrat Bernhard Tilg hält an seinem „Reformprojekt“ zur Ärzte-Ausbildung fest. Med-Uni erhöht Studienplätze nicht.

Symbolfoto.

© dpaSymbolfoto.



Innsbruck – Die Pläne für die landeseigene Medical School ziehen sich dermaßen in die Länge, dass die landeseigene Ausbildungsschiene für Allgemeinmediziner die unschönen Beinamen „Loch Ness“ oder „Phantom“ zugeschrieben bekam.

Tatsächlich lässt ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg die Medical School nicht untergehen. Einen Zeithorizont, wann das „Reformvorhaben“ seine Pforten öffnet, kann Tilg allerdings nicht nennen. Er verweist darauf, dass die Medical School zwischen dem Land und den Sozialversicherungsträgern in den vereinbarten Zielen verankert wurde. „Es ist eine wichtige Maßnahme, um dem prognostizierten Ärztemangel entgegenzuwirken.“ Fragen zur Finanzierung kann Tilg derzeit auch nicht beantworten.

Mittlerweile schon ein Jahr ist es her, dass Tilg eine Studie auf den Tisch legte, die das Vorhaben Medical School untermauern sollte. Die Studie attestierte Südtirol und Tirol bis 2030 den Bedarf an 81 bis 105 zusätzlichen Ärzten pro Jahr. Zwischen dem Bedarf an Allgemeinmedizinern und dem Angebot klaffe eine besonders große Lücke, auch weil es nach wie vor viele Ärzte ins Ausland ziehe. Ebendas wollen Tirol und Südtirol durch ein Stipendiensystem verhindern. Wenn sich die Studenten verpflichten, in der Region zu bleiben, werden sie von den Ländern gefördert. Tilg rechnet mit 100 bis 150 Studenten an der Medical School im Jahr.

Auf Studien verweist auch die Medizinische Universität Innsbruck. „Um den Bedarf an Ärztinnen und Ärzten für den ländlichen Raum abzudecken, bedarf es keiner zusätzlichen Studienplätze“, sagt Rektor Wolfgang Fleischhacker. Man versuche das Fach aufzuwerten, damit sich mehr Abgänger für die Allgemeinmedizin entscheiden. Österreichweit würden 1600 Studienplätze angeboten. Die Med-Uni bilde fast genauso viele Ärzte aus, wie sie Studierende aufnehme. „Dieses erfreuliche Verhältnis bietet den politischen Verantwortungsträgern eine verlässliche Grundlage für zielgerichtete Maßnahmen am Ausbildungs- und Gesundheitsmarkt.“

Rektor Fleischhacker betont zwar das gute Gesprächsklima zwischen Universität und Land. Konkrete Gespräche zur Gründung einer Medical School gebe es derzeit aber keine. (aheu)