Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 24.07.2019


Bezirk Kufstein

Der Inn ersetzt keine Lärmschutzwand für Kufsteiner Siedlungen

In der Kufsteiner Inn- und Friedensiedlung fordern Bewohner einen Schutz vor dem Lärm der Bahn. Kufstein lehnte vor Jahren ab, nun scheint auch die Beteiligung der Deutschen Bahn nicht mehr sicher.

Der Inn trennt die Siedlung in Ebbs und Kufstein von der Bahnstrecke.

© OtterDer Inn trennt die Siedlung in Ebbs und Kufstein von der Bahnstrecke.



Von Wolfgang Otter

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Kufstein – „Was für Morsbach gilt, muss auch für uns in der Innsiedlung gelten!“ Die Bewohner der durch den Kaiserbach geteilten Siedlung in Ebbs und Kufstein fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Und zwar von den Kufsteiner Volksvertretern. Die haben nämlich den Kostenanteil für eine Lärmschutzwand entlang der Bahnstrecke Richtung Kiefersfelden abgelehnt.

Die Siedlung, die durch den Inn von der Bahnstrecke getrennt ist, ist nämlich auf Ebbser Seite wesentlich größer als auf Kufsteiner, wo sie nur einige Häuser umfasst. Und dafür waren den Festungsstädter Politikern knapp 100.000 Euro zu hoch.

Dabei schien im Jahre 2017 der Lärmschutz schon fix. Die ÖBB und die DB hätten eine knapp 900 Meter lange Lärmschutzwand um rund 1,2 Millionen Euro (davon 430 Meter in Tirol) ins Auge gefasst und einen Kostenanteil übernommen, auch Ebbs und das Land Tirol hätten mitbezahlt. Blieb nur noch der Anteil der Festungsstadt. Dort bremste man durch das Nein das Projekt ein.

„Für mich ist die Lärmschutzwand noch nicht vom Tisch“, sagt der Ebbser Bürgermeister Sepp Ritzer. Und man liege sogar noch im Zeitplan. „Vor 2020/21 wäre sie ohnedies nicht fertig“, erklärt Ritzer. Die Gemeinde Ebbs stünde weiterhin zu ihrer Zusage, knapp 150.000 Euro auf den Tisch zu blättern. „Und dabei kommt es auf 5000 oder 10.000 Euro mehr nicht an“, betont der Ortschef. Nur den gesamten Anteil der beiden Gemeinden zu übernehmen, wäre schwierig.

Nicht nur für den Ebbser Andreas Kofler war das Kufsteiner Nein eine Katastrophe. Denn die Mauer macht nur Sinn, wenn sie in ganzer Länge ausgeführt wird. „Der Lärm verkriecht sich ja nicht in Ebbs hinter der Lärmschutzwand, weil wir brav mitbezahlt haben“, meint Kofler sarkastisch.

Während in der Innsiedlung nur wenige Kufsteiner betroffen sind, stellt sich die Situation in der etwas weiter entfernten so genannten Friedensiedlung anders dar. Ein Bewohner erzählt von einer massiven Störung der Nachtruhe. Während eine Lärmschutzwand den Autobahnlärm mindert, ist man der Bahn auf der anderen Innseite schutzlos ausgeliefert. Kofler sieht noch ein Problem auf ihn und seine Nachbarn zukommen: Die Deutsche Bahn wird die Bestandsstrecke verbessern, nicht nur in lärmtechnischer Hinsicht, sondern auch, was die Kapazität anbelangt. Bis zu 320 Züge könnten letztlich offen auf der bestehenden Trasse fahren, bis in circa 20 Jahren die unterirdische Bahntrasse mit dem dritten und vierten Gleis fertig ist und die lärmintensiven Güterwaggons unter der Erde verschwinden.

Bei den ÖBB steht man weiter zum Projekt und dem Kostenanteil. „Wir werden noch einmal das Gespräch suchen“, kündigt ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung an.

Alles andere als ein klares Ja aus Kufstein wäre mittlerweile eine große Überraschung. Immerhin hat der Gemeinderat eine Petition beschlossen, in der er einen guten Lärmschutz an der Bestandsstrecke fordert. Empfänger waren ÖBB und Ministerium. „Ich werde die Sache sicher noch einmal vorlegen“, verspricht BM Martin Krumschnabel. Er sei bereits vor Jahren dafür gewesen, habe aber keine Mehrheit gefunden.

Damit sind aber noch nicht alle Barrieren aus dem Gleis geräumt. Gerüchteweise will die DB den Kostenanteil an der 900 Meter langen Mauer senken. Auf Anweisung des Ministeriums in Berlin.

Die Deutsche Bahn erklärte per E-Mail dazu: „Die DB plant im Auftrag des Bundes im Bereich Kiefersfelden vier Lärmschutzwände zu errichten. Bei einer Wand kommt auch Österreich ins Spiel. Die Planungen sind noch am Anfang. Klärungen mit den ÖBB erfolgen erst noch.“ Bevor man von Kosten sprechen könne, müsse man diese Planung abschließen, heißt es weiters.