Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.07.2019


Bezirk Kufstein

Ausweichverkehr: Die Dosierampeln sind jetzt “Dorfchefsache“

Die Bürgermeister von Ebbs und Niederndorf sind für die Schaltung der Dosierampeln zuständig. Dieses Wochenende haben sie viel Arbeit vor sich.

Ob die Ampel ein- oder ausgeschaltet ist, können die Bürgermeister bestimmen.

© OtterOb die Ampel ein- oder ausgeschaltet ist, können die Bürgermeister bestimmen.



Von Wolfgang Otter

Ebbs, Niederndorf – Christian Ritzer, seines Zeichens Ortschef von Niederndorf, hat ein neues Wochenendhobby. Er ist de facto Ampelwart seiner Gemeinde. Ritzer beobachtet seit vergangenem Wochenende den Verkehr und schaltet bei Überlastung die Dosierampeln ein. „Es nützt nichts. Irgendwer muss es tun“, sagt Ritzer ganz pragmatisch zur TT. Er mache das für seine Gemeinde und als Signal, „dass es abseits der Autobahn keine freie Fahrt gibt“.

Dieses Signal und eine Entlastung der Ortskerne bezweckt auch das Land Tirol mit den Dosierampeln vor Niederndorf, Ebbs und Kufstein. Zugleich gibt es Fahrverbote (ausgenommen Ziel- und Quellverkehr und Anrainer) auf der Landesstraße bei Niederbreitenbach-Langkampfen in Richtung Kufstein und ein Abbiegeverbot auf dem Kreisverkehr Süd in Richtung Krankenhaus. So will man den Verkehr möglichst auf die Autobahn zwingen. Egal, ob dort gerade Stau herrscht oder nicht.

Aber das Verkehrsgeschehen auf den Ausweichrouten konnte bislang nur unzureichend erfasst werden. Im Gegensatz zur Dosierampel in Kufstein auf der B 171 aus Richtung Kiefersfelden kommend haben die in diesem Fall eingesetzten Lichtanlagen keine Sensoren, um die Frequenz zu erfassen. Es handelt sich vielmehr um simple Ampeln, wie sie vor Baustellen stehen. Sie schalten auf Rot und Grün in einem vorgegebenen Zeitrhythmus, unabhängig vom Verkehrsaufkommen.

Christoph Platzgummer?(Bezirkshauptmann): "Die Bürgermeister regeln den Intervall nach Rücksprache und mit Einverständnis der Polizei."
Christoph Platzgummer?(Bezirkshauptmann): "Die Bürgermeister regeln den Intervall nach Rücksprache und mit Einverständnis der Polizei."
- Hrdina

Daher gab es bei der Einführung auch einige Autofahrer, die erbost bei der TT-Redaktion anriefen oder sich per E-Mail meldeten. Der Tenor: Man habe Verständnis und sei auch für eine Regulierung. Nur, warum man trotz geringen Verkehrsaufkommens vor einer roten Ampel stehe, sei nicht nachvollziehbar. Beschwerden, die gehört wurden. „Es muss jemand vor Ort entscheiden“, sagt Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer. Daher griff die Behörde zu einem kleinen Kunstgriff: Die beauftragten Bürgermeister von Niederndorf und Ebbs können die Ampeln steuern, aber nur nach vorhergehender Abklärung mit der Polizei, die wiederum seitens der Bezirkshauptmannschaft als Behörde die Ermächtigung dazu erhalten hat. Damit sei gewährleistet, dass nicht um sieben Uhr früh eine Ampel auf Rot steht, obwohl die Straßen leer sind. Die Ampel auf der Eibergstraße Richtung Kufstein werde übrigens laut BH Platzgummer weiter von der Polizei betreut.

Ein Kunstgriff, der laut Ritzer vergangenes Wochenende bestens funktioniert habe. Und auch dieses Wochenende dürfte es heiß auf der Straße hergehen. Weniger wegen der Temperaturen, die Meteorologen sagen eine Abkühlung durch Gewitter voraus, sondern auf den Straßen, Bayern und Baden-Württemberg starten in die Schulferien. Die Experten beim Autofahrerclub ÖAMTC erwarten sich eine Verkehrslawine. Zugleich fahren die ersten Urlauber wieder nach Hause.

Darum dürfte Ritzer auch an diesem Wochenende die Ampeln ein- und ausschalten. Wobei er aber für die Zukunft für diese Tätigkeit ein gemeindeinternes Dienstrad einführen will. Weil, wie gesagt, „irgendwer muss es ja tun“.