Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.07.2019


Bezirk Kufstein

Asbest-Zwischenlager: Bürger ordern jetzt eigene Gutachten

Kufsteiner Anwohner kritisieren die ersten Expertisen der Landes-Gutachter zum geplanten Asbest-Zwischenlager in Endach.

Bei der mündlichen Verhandlung vor knapp zwei Wochen hatten Bürger bereits die Möglichkeit, ihre Bedenken vor Ort einzubringen.

© HrdinaBei der mündlichen Verhandlung vor knapp zwei Wochen hatten Bürger bereits die Möglichkeit, ihre Bedenken vor Ort einzubringen.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Erstes Durchatmen bei der Bürgerinitiative gegen das geplante Asbestzwischenlager in Kufstein: Das Verfahren läuft, doch zumindest werden die Bedenken der Anrainer allesamt darin behandelt. Nach der mündlichen Verhandlung vor knapp zwei Wochen (die TT berichtete) fand am Montag zusätzlich ein Treffen zwischen Anrainern und Behördenvertretern statt. „Man hat uns versichert, dass LH Günther Platter persönlich über die Sache Bescheid weiß und wir sicher sein dürfen, dass sämtliche Gesetze eingehalten und alle eingebrachten Argumente peinlichst genau überprüft werden“, erklärt Roman Kopetzky, Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Asbest in Kufstein“.

Konkret Stellung zur geplanten Deponie beziehen wollte LH Platter auf Nachfrage der TT nicht. Aus dem Büro teilt man lediglich mit, man nehme die Bedenken der Bürger „sehr ernst. Deshalb hat eine Mitarbeiterin unseres Büros gemeinsam mit dem Bezirkshauptmann von Kufstein auch einen Lokalaugenschein durchgeführt.“

Das Vertrauen der Kufsteiner in die Sachverständigen des Landes – deren Gutachten darüber entscheiden, ob bzw. unter welchen Auflagen das Projekt genehmigt wird – scheint verschwindend gering. So kritisieren Anrainer etwa die Verwendung von theoretisch errechneten Windmodellen. „Die Aussage eines Gutachters, in Kufstein gebe es wenig Wind, halte ich für ein Gerücht. Jeder Kufsteiner weiß, dass es stärkere Winde als fünf km/h pro Stunde gibt. Außerdem muss man die Situation vor Ort betrachten, Windböen wedeln den Staub auf und verlagern den Asbest“, meint Kopetzky. Neben den bereits vorhandenen Verkehrskollapsen an den Wochenenden fürchten sich Bewohner im Ortsteil Endach u. a. vor Lärmbelästigung, gesundheitlichen Schäden und Folgen etwaiger Hochwasser. Um das Projekt zu verhindern, werde die Initiative nun eigene Gutachten in Auftrag geben. „Ein einzelnes Gutachten kostet zwischen 3000 und 6000 Euro, wir werden etwa drei bis fünf davon brauchen“, hofft der Initiativen-Sprecher auf finanzielle Beteiligung seitens der Gemeinde. Ein Spendenkonto wurde bereits eingerichtet (IBAN: AT25 2050 6077 0141 1485).

Der Widerstand regt sich auch in kreativer Form. Für Sonntag kündigt die Künstlergruppe Wildwuchs K20 für 11.55 Uhr eine Performance am Unteren Stadtplatz an.