Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.07.2019


Bezirk Reutte

Ingrid Felipe: “Blick auf das große Ganze ist wichtig“

LHStv. Ingrid Felipe verteidigt Renaturierungsmaßnahmen am Lech in Forchach.

Eine Gruppe aus Weißenbach kämpft um den Erhalt des Baggersees in Forchach, der der Lechrenaturierung geopfert werden soll.

© salvemini.atEine Gruppe aus Weißenbach kämpft um den Erhalt des Baggersees in Forchach, der der Lechrenaturierung geopfert werden soll.



Weißenbach, Innsbruck – Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe hat in ihrem persönlichen Blog prinzipiell zur Diskussion um die Erhaltung des großen Baggersees in Forchach Stellung genommen. Der See soll, wie berichtet, für eine Lechaufweitung geopfert werden. Im August werden die schützenden Buhnen (Steinwälle) herausgebaggert, das EU-Life-Projekt ist längst rechtskräftig. Heute Abend findet dazu um 19.30 Uhr eine Informationsveranstaltung der „Seebewahrer“ im Mehrzweckhaus in Weißenbach statt.

Felipe: „Es gibt Projekte, die dem Natur-, dem Umwelt- oder auch dem Klimaschutz dienen, für deren Umsetzung Bagger und anderes schweres Gerät zum Einsatz kommen.“ Dies bedeute jeweils einen Eingriff in den bestehenden Lebensraum von Tieren und Pflanzen und erfordere ganz besonders achtsame Abwägung, ob die angestrebte Verbesserung der Gesamtsituation die Beeinträchtigung oder gar irreversible Störung eines Teilbereichs aufwiegen könne. Diese Entscheidungen seien nie einfach und würden immer unter Einbeziehung von Experten und deren Sichtweisen getroffen. Bei zwei Beispielen in Tirol werden im Lechtal und im Gurgltal vor Jahrzehnten vorgenommene Begradigungen und Verbauungen von Flussbetten rückgebaut, um den Flüssen ihren ursprünglichen Raum zum Mäandern zurückzugeben.

„Manchmal ist es notwendig, einen Schritt aus dem eigenen Schrebergarten hinaus zu wagen und einen Blick auf das große Ganze zu richten, um verstehen zu können, warum eine Maßnahme zum Wohle aller Sinn macht“, sagt Felipe. Es sei wie bei Menschen: „Wenn wir ausschließlich dem Interesse eines Einzelnen nachkommen und auf ein solidarisches Miteinander verzichten, geht das zu Lasten anderer und richtet nachhaltigen Schaden an.“ (TT, hm)