Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.07.2019


Innsbruck-Land

“Wir müssen weg von diesem rasanten Wachstum“

Die Oppositionsliste „Für Hall“ übt harte Kritik an einem „planlosen“ und zu raschen Wachstum der Stadt. BM Posch steht zu „bodensparendem Bauen“ in Hall.

In der Stadt werde zu viel und zu dicht gebaut, kritisiert „Für Hall“.

© DomanigIn der Stadt werde zu viel und zu dicht gebaut, kritisiert „Für Hall“.



Hall – Im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am Dienstag erneuert die oppositionelle Liste „Für Hall“ ihre scharfe Kritik an einem „planlosen“ und „rasanten“ Wachstum der Stadt.

In Hall seien allein in den letzten zwei Jahren 438 neue Wohnungen umgesetzt worden bzw. gerade in Umsetzung, erklärt GR Nicolaus Niedrist – und das betreffe nur Wohnanlagen. Zugleich habe die Stadtführung im Bereich der Infrastruktur keine entsprechenden Maßnahmen gesetzt, „das ist raumordnerischer Wahnsinn“. Daher müsse man dringend „weg vom schnellen Wachstum und versuchen, die Infrastruktur nachzuziehen“, fordert Niedrist – speziell in den Bereichen Verkehr und Kinderbetreuung.

Im April 2018 hätten Für Hall und SPÖ einen Antrag auf Erstellung eines Entwicklungskonzeptes für die Kinderbetreuung gestellt, nun liege diese „Bedarfserhebung“ vor – und zeige, dass für die weitere Entwicklung bis 2030 „enormer Bedarf“ an zusätzlichen Kindergarten-, Krippen- und Hortplätzen bestehe.

Allein in der Fassergasse seien etwa 150 neue Wohnungen entstanden. „Wir haben schon dreimal per Antrag die rasche Realisierung eines ‚Kindergartens West‘ eingefordert und in jedem Budgetvorschlag ersucht, finanzielle Mittel dafür vorzusehen – was immer abgelehnt wurde“, so Niedrist.

Und die Verbauung gehe im selben Tempo weiter, etwa in der Nähe des Bahnhofs: Dort wurde bereits eine neue Wohnanlage errichtet, eine weitere ist gerade in Bau. „Und jetzt plant ein Unternehmer am Tschidererweg schon wieder 80 Wohnungen.“ Niedrists Fazit: „Jeder Grundbesitzer hat das Recht, gewidmetes Bauland zu entwickeln – aber wir ermöglichen ihnen Dichten, die für die Stadt einfach nicht verträglich sind.“

„Die raumordnerischen Vorgaben lauten, bodensparend zu bauen und Baugrund gut zu nützen, dem folgen wir“, kontert BM Eva Posch (VP). Daran führe gerade im Zentralraum kein Weg vorbei, auch im Sinne von leistbarem Wohnraum. „Uns geht es primär darum, dass die Haller Bevölkerung in der Stadt Wohnmöglichkeiten vorfindet, sowohl im geförderten als auch im frei finanzierten Bereich“ – denn lange sei es so gewesen, dass Menschen aus Hall wegziehen mussten.

Das Kinderbetreuungskonzept habe man im Gemeinderat verabschiedet, betont Posch. „Derzeit bringen wir alle Kinder unter. Und für die Zukunft wollen wir im Rahmen des Örtlichen Raumordnungskonzepts Standorte für weitere Kinderbetreuungseinrichtungen sowohl im Westen wie im Osten festlegen.“ Posch erinnert daran, dass sich die Stadt dafür schon vor Jahren ein Grundstück in Schönegg gesichert habe.

Was die Verkehrsfrage angehe, setze man auf den Ausbau von Rad- und Öffi-Verbindungen – und auf eine zusätzliche Autobahnanbindung östlich von Hall, um den Durchzugsverkehr zu reduzieren. (md)