Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.07.2019


Osttirol

Ein Lebensraum von Tassenbach bis Kötschach

Vier Gemeinden wollen sich bundesländerübergreifend zu einer Region bekennen. Einheimische sowie Gäste sollen profitieren.

Beim ersten Talschaftsparlament im April in Liesing haben sich die Gemeinderäte und Bürgermeister abgestimmt.

© Gemeinde LesachtalBeim ersten Talschaftsparlament im April in Liesing haben sich die Gemeinderäte und Bürgermeister abgestimmt.



Von Christoph Blassnig

Kartitsch, Lesachtal, Obertilliach, Untertilliach – Drei Gemeinden liegen im Gailtal auf Osttiroler Gebiet, die Großgemeinde Lesachtal mit ihren fünf Ortschaften Liesing, Maria Luggau, St. Jakob, Birnbaum und St. Lorenzen gehört zu Kärnten. „Uns verbindet aber vieles“, sagt der Lesachtaler Bürgermeister Johann Windbichler. „Wir haben die gleichen Chancen, Probleme und Potenziale, wenn es etwa um die ärztliche Versorgung, Bildungseinrichtungen oder die Infrastruktur geht.“

Seit zwei Jahren streben die vier Bürgermeister Josef Außerlechner (Kartitsch), Matthias Scherer (Obertilliach), Manfred Lanzinger (Untertilliach) und Windbichler (Lesachtal) eine Zusammenarbeit über die Bundesländergrenze hinweg an. Aus den bisherigen Randregionen Kärntens und Tirols soll ein größerer Lebens- und Wirtschaftsraum werden. Anfang April hat in Liesing ein erstes Treffen aller Gemeinderäte stattgefunden, ein so genanntes Talschaftsparlament.

Organisiert und moderiert haben die Veranstaltung Michael Hohenwarter vom Regionalmanagement Osttirol und sein Kollege Friedrich Veider aus Hermagor. Die Gemeindemandatare haben sich zu Arbeitsgruppen zusammengefunden, um Themen wie Landwirtschaft, Tourismus oder Familie zu erarbeiten. Diesen angestoßenen Prozess wird künftig der Lienzer Raumplaner Thomas Kranebitter begleiten und vereinbarten Vorhaben zur Umsetzung verhelfen. Das Land Tirol hat dazu bereits eine Förderzusage gegeben, berichtet Matthias Scherer.

„Wir denken und planen einen gemeinsamen Lebensraum von Tassenbach bis Kötschach“, verdeutlicht Windbichler das Ziel. Im Kleinen bestehen bereits Kooperationen. So besuchen etwa Kinder das Schulzentrum in der Nachbargemeinde, Touristen aus dem gesamten Tal nutzen die Sport-Infrastruktur in Obertilliach. Gerade findet zum zweiten Mal eine gemeinsam getragene Sommerbetreuung für die Kinder statt. „Auf diesen positiven Erfahrungen wollen wir aufbauen“, bestätigt auch der Kartitscher Bürgermeister Josef Außerlechner.

Dieser bundesländerübergreifende Lebensraum soll zu einer größeren Heimat – und auch nach außen hin so präsentiert – werden. „Eine Idee wäre zum Beispiel, unser Tal als ein Buch zu sehen, dessen Ortschaften über verschiedene Kapitel verfügen“, erläutert Scherer. „So könnte ein einheitliches Leitsystem entstehen, das Besucher willkommen heißt und zugleich führt.“ Wo ein Wille, da sei ein Weg, bekräftigt Windbichler.