Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


Bezirk Kufstein

Vorstoß in Kufstein: Für den Klimaschutz gratis im Bus?

Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel hat eine Gratis-Nutzung der Stadtbuslinien ins Gespräch gebracht. Ob eine solche Maßnahme wirklich für weniger Pkw sorgt, wird jetzt untersucht.

Das Kufsteiner Stadtbussystem soll verbessert werden. Wie, wird derzeit diskutiert.

© OtterDas Kufsteiner Stadtbussystem soll verbessert werden. Wie, wird derzeit diskutiert.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Bürgermeister Martin Krumschnabel ließ beim TT-Café am Samstagvormittag am Fischergries aufhorchen. Auf das Thema Klimanotstand von TT-Chefredakteur Mario Zenhäusern angesprochen, meinte Krumschnabel, dass künftig die Stadtbusse als eine der Klimasschutzmaßnahmen gratis benützbar sein sollen. So soll der Individualverkehr in Kufstein eingebremst werden.

Damit trat er eine Diskussionen los. Bringt das was, lautet jetzt die Frage. Immerhin bestünde bereits die Möglichkeit, mit der KufsteinCard um 89 Euro (Erwachsene), 49 Euro (Kinder) oder 150 Euro (Familien) nicht nur diverse städtische Einrichtungen zu besuchen, sondern auch die Stadtbusse zu benutzen. „Wir wollen daher jetzt Erhebungen machen, ob der Gratisbus wirklich viel mehr Leute zum Umsteigen anregt“, sagte Krumschnabel gestern Montag zur Tiroler Tageszeitung.

Immerhin geht es um die Summe von 250.000 Euro, die die Stadt für ein Gratis-Bussystem zuschießen müsste. So viel beträgt zirka der Anteil der Fahrgäste. „Und wir wollen nicht nach Jahren daraufkommen, dass wir viel Geld eingesetzt haben, damit dann nur wenige Leute mehr mit dem Bus fahren“, erklärte Bürgermeister Martin Krumschnabel. Da könnte man auch andere Maßnahmen wie einen besseren Takt vorziehen.

Positiv sieht LHStv. Ingrid Felipe die Diskussion. Sie glaubt aber, dass zusätzlich zu den Einnahmen der Fahrgäste „ein wahrscheinlicher Wegfall der 228.000 Euro Bundesfinanzierungen für die Schüler- und Lehrlingsfreifahrt“ von der Stadt kompensiert werden müsste. Die Landesförderung für den Stadtbus von 169.000 Euro plus 6000 Euro für Linien- und Anruf-Sammeltaxis würde jedoch aufrechtbleiben, verspricht Felipe.

„Als Klimaschutzlandesrätin und auch als Mobilitätslandesrätin begrüße ich positive Anreize, die es Bürgern erleichtern, vom Pkw auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Ein attraktives Öffi-Angebot ist ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz und zur Lebensqualität in den Gemeinden“, meint sie zur TT.

„Allerdings möchte ich einmal mehr deutlich machen, dass Öffis für die Nutzer nur dann kostenlos zur Verfügung gestellt werden können, wenn die Steuerzahler dafür aufkommen. Für mein Dafürhalten sind diese Steuermittel optimal investiert, aber es müssen sich von der Bundesregierung bis hin zur Gemeindeführung alle Verantwortlichen darauf verständigen, die notwendigen Beiträge zu leisten“, erklärt LHStv. Felipe.

„Bleibt offen, ob Fahrten von und nach Kufstein, zum Beispiel für Pendler von Langkampfen nach Kufstein, vom kostenlosen Angebot unberührt bleiben und weiterhin gleich viel kosten.“ Betreffend das aktuelle ÖV-Angebot möchte sie zusätzliche Landesmittel in den Ausbau und die Verstärkung des Angebots, auch am Wochenende, am Abend und in den Nachtstunden, investieren.

„Daher finde ich, wäre es wichtig, sich zunächst die Alternativen mit allen relevanten Systempartnern anzusehen und auf ihre ökosoziale Gerechtigkeit und Finanzierbarkeit zu prüfen“, sagt Felipe. Erst dann sollte man festlegen, „welches Angebot die bestmöglichen Effekte hat“.