Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


Bezirk Reutte

Abgeordneter vom Bürgermeister aus WhatsApp-Gruppe entfernt

Forchachs Bürgermeister eliminiert lästigen Mandatar nach Protesten der Gruppenmitnutzer.

Der Forchacher Bürgermeister Karl Heinz Weirather findet die Sache "lächerlich".

© WeiratherDer Forchacher Bürgermeister Karl Heinz Weirather findet die Sache "lächerlich".



Von Helmut Mittermayr

Forchach – Einladungen, Terminaviso, all das kann den Amtsweg über die Gemeinde-Post nehmen oder einen schnellen – über Social Media. Der Forchacher Bürgermeister Karl Heinz Weirather hatte dafür eine WhatsApp-Gruppe für seine Gemeinderäte eingerichtet. An eine exzessive Nutzung derselben war dabei nicht gedacht. Elf Gemeinderäte inklusive Bürgermeister befanden sich im Verteiler. Seit Kurzem sind es zehn. Denn Gemeinderat Frank Kerber wurde vom Bürgermeister ,entfernt‘. „Auf vielfachen Wunsch“, wie Weirather formuliert.

„Kerber nutzte die Gruppe, um uns mit seinen Ansichten zu Gemeindethemen einzudecken. Mehrere Gemeinderäte hatten deshalb erklärt, dass sie aus der Gruppe austreten wollten, wenn er das nicht unterlässt.“ Nachdem Kerber seinen GR-Kollegen erneut eine Message zur aktuellen Friedhofsmauerdiskussion postete, hatte er den Limes überschritten. Der Dorfchef drückte auf ,Entfernen‘, um den nach Kerbers Eigendefinition „sicherlich etwas lästigen Gemeinderat“ digital loszuwerden. Dass sich ein Mandatar mit so einer Sache an die TT wendet, findet Weirather „dermaßen lächerlich“, dass ihm eigentlich die Worte dafür fehlen würden. Man solle sich nicht wundern, wenn es immer schwieriger werde, Bürgermeister zu finden.

Frank Kerber war in der WhatsApp-Gruppe nicht erwünscht.
Frank Kerber war in der WhatsApp-Gruppe nicht erwünscht.
- screenshot: kerber

GR Kerber sieht wiederum die Vorgehensweise des Gemeindechefs als überzogen an: „In seiner Gemeinderats-WhatsApp-Gruppe dürfen scheinbar nur ,ausgewählte‘ Mandatare posten. Manch anderem ist dies erlaubt, nur mir nicht. Für mich war seine kommentarlose Reaktion vorhersehbar, aber ich finde dieses Verhalten trotzdem nicht korrekt.“ Kerber räumt aber ein, dass dies selbstverständlich die private WhatsApp-Gruppe des Bürgermeisters sei und er natürlich selbst entscheiden könne, wen er in seiner Gruppe haben wolle. „Wir haben in Forchach eine einzige Einheitsliste. Aber ich hinterfrage halt vieles und bin lästig. Da könnte ich schon als eine Art Opposition wahrgenommen werden“, erklärt Kerber freimütig. Konkret wollte er darauf aufmerksam machen, dass die geplante Urnengräber-Erweiterung gegen die klar geäußerte Direktive des Bundesdenkmalamtes verstoße. Bürgermeister und Vize hätten hier nicht richtig informiert. BM Weirather kontert: „Stimmt nicht. Wir haben längst die schriftliche Zustimmung des Bundesdenkmalamtes im Haus. Das kommt in der nächsten Gemeinderatssitzung!“ – dessen Schwerpunkte Kerber über WhatsApp wohl nicht vorab erfahren wird.