Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


Osttirol

5000 unterstützen den Ärzteverband: Große Solidarität in Osttirol

Großer Rückhalt in der Bevölkerung für den Notarztverband Osttirol mit Obmann Gernot Walder. Im Iseltal ist seit 1. Juli wieder das private Flugrettungsunternehmen Knaus stationiert.

Inzwischen haben 5000 Menschen diese Liste unterzeichnet.

© Ladstätter IllyInzwischen haben 5000 Menschen diese Liste unterzeichnet.



Von Christoph Blassnig

Außervillgraten – Der Konflikt um die notärztliche Versorgung in den Tälern Osttirols kommt weiter nicht zur Ruhe. Im Frühjahr haben engagierte Frauen eine Unterschriftenliste aufgelegt, um den Notarztverband Osttirol mit Obmann Gernot Walder zu unterstützen, nachdem die Disziplinarkommission der Tiroler Ärztekammer gegen diesen gleich mehrere Verfahren anstrengte – die TT berichtete.

Inzwischen haben 5000 Menschen diese Liste unterzeichnet. Unter ihnen sind auch alle Bürgermeister des Oberlandes, bis auf Manfred Lanzinger in Untertilliach.

Der Sillianer Bürgermeister Hermann Mitteregger spricht von Solidarität gegenüber den Nachbargemeinden: „Sillian ist derzeit mit drei Kassenärzten, zwei davon sind auch Notärzte, gut versorgt. Gernot Walder leistet mit seinem Verband seit Jahren zusätzlich wertvolle Arbeit für die gesamte Region.“ Josef Mair, Ortschef in Außervillgraten, erwartet sich von vielen Seiten Unterstützung für Walder und seine Kollegen, wie er sagt. „Die Bevölkerung im ganzen Tal kennt und schätzt unseren Arzt. Ich befürworte auch die Genehmigung einer Kassenstelle für Gernot Walder im Villgratental, weil das für alle Seiten eine Absicherung bedeuten würde.“

Der in Außervillgraten seit 2005 als Wahlarzt niedergelassene Allgemein- und Tropenmediziner Gernot Walder war mit einem Team von niedergelassenen Medizinern jahrelang für die notärztliche Versorgung im Bezirk verantwortlich, bis auf den Lienzer Talboden. Nach monatelangem Ringen hat Walder heue­r seinen Notarztverband Osttirol aus dem Iseltal abgezogen, nachdem ihn der zuständige Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg im Rahmen eines runden Tisches am 2. Mai von dieser Verpflichtung dem Land gegenüber mündlich entbunden hat. Tags darauf unterschrieb Walder neue Verträge für das Defereggen- sowie das Pustertal. Die gesamte notärztliche Versorgung des Bereiches Iseltal plante der Matreier Bürgermeister Andreas Köll ab dem 1. Juli mit dem privaten Flugrettungsunternehmen Knaus und dessen Ärztepool zu gewährleisten. Bis dahin sind laut Köll wiederum niedergelassene Ärzte in Matrei eingesprungen.

Dort spießt es sich gleich an mehreren Fronten: In Matrei waren nach Insider­informationen im Juni und erst recht im Juli etliche Nachtbereitschafts- sowie Notarzt-Nachtdienste unbesetzt. Selbst untertags, wenn der Hubschrauber Christophorus 7 bereits anderweitig im Einsatz war, musste vereinzelt der Notarzt von Lienz aus bis nach Prägraten fahren – das sind 40 Kilometer einfache Strecke. Fraglich ist, wie und von wem ein zeitgleicher Einsatz im Talboden hätte bewältigt werden können. Der nächste bodengebunden­e Notarzt steht erst wieder in Sillian rufbereit. Mehrmals musste der private Notarzthubschrauber Alpin Heli 6 aus Zell am See zu Einsätzen in Osttirol einfliegen.

Gernot Walder zeigt sich enttäuscht. Man habe nach der Zurücklegung des Iseltales „maximale Unterstützung“ im Pustertal und im Defereggen zugesagt bekommen. „Davon spüren wir nichts.“ Das Land hat indes eine Besprechung zum Iseltal angesetzt.