Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.07.2019


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Freizeitwohnsitze: Jetzt reicht es der Bevölkerung

Das Problem mit den Freizeitwohnsitzen in Tirol wird auch für die ansässige Bevölkerung immer mehr zum Ärgernis. Die Liste Fritz fordert die Bürgermeister zum Handeln auf.

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Innsbruck – Die Bürger in vielen Gemeinden wollen nicht länger dabei zusehen, wie ihr­e Gemeinden mit Freizeitwohnsitzen, die auch die Immobilienpreise in Tirol in die Höhe treiben, überschwemmt werden. 16.218 genehmigte Ferien­wohnsitze gibt es in Tirol, die Dunkelziffer der illegalen dürfte bei rund 10.000 liegen. Die Bürgermeister sind gefordert, Fälle in Längenfeld oder zuletzt im Außerfern zeigen jedoch, dass die Gemeindeoberhäupter oft nicht richtig hinsehen. Denn dann müssten sie Verfahren einleiten.

In einer Unterländer Gemeinde hat es jetzt Bürgern gereicht, sie übergaben dem Bürgermeister eine Liste von 66 vermuteten Freizeitwohnsitzen. Sie baten um Nachschau und Aufklärung. Bisher hat sich herausgestellt, dass fünf davon genehmigt sind. „Sie haben es nicht mehr ausgehalten, dass in ihrer Nachbarschaft zwar ständig neue Wohnungen gebaut und verkauft werden, aber niemand dort wohnt. Höchstens für zwei Wochen im Jahr kommt jemand. Aber es wohnt dort niemand regelmäßig, was die Erklärung eines Hauptwohnsitzes voraussetzen würde“, betont LA Markus Sint von der Liste Fritz. Die Betroffenen haben sich an ihn gewandt. Seine Forderung: „Die Bürgermeister müssen endlich handeln, zu oft werden engagierte Bürger hingehalten. Das entmutigt sie.“

Für Sint ist es aber die Aufgabe der Bürgermeister und Behörden, derartige Meldungen ernst zu nehmen und konsequent zu verfolgen. „Missbräuchlich verwendet­e Freizeitwohnsitze dürfen nicht länger als Kavaliersdelikt behandelt werden, sie sind ein Riesenproblem.“ Illegal­e Freizeitwohnsitze würden den Ausverkauf Tirols massiv befeuern. Einige wenige würden um viel Geld Wohnraum verkaufen, der den Einheimischen dann fehle. „Denn diese Freizeitwohnsitze verteuern den Wohnraum, junge Familien können bei diesen Preisen nicht mithalten und müssen wegziehen.“ Schlussendlich wirft Sint der ÖVP ein­e völlig verfehlte Politik mit Grund und Boden vor. „Der laxe Umgang mit den illegalen Freizeitwohnsitzen zeigt dies.“ (pn)