Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Bezirk Kitzbühel

Verwirrung um NHT-Wohnprojekt in Kirchberg

Die Neue Heimat Tirol plant in Kirchberg zwei Projekte. Doch in einem soll auch eine frei verkäufliche Wohnung Platz finden, sehr zum Unmut mancher Gemeinderäte.

Am Kalsfeld in Kirchberg plant die Neue Heimat Tirol eine Wohnanlage, es gibt aber Verzögerungen.

© Harald AngererAm Kalsfeld in Kirchberg plant die Neue Heimat Tirol eine Wohnanlage, es gibt aber Verzögerungen.



Von Harald Angerer

Kirchberg i. T. – Insgesamt sind es 37 Wohnungen, welche die Neue Heimat Tirol (NHT) in Kirchberg errichten will. Die Planungen dazu laufen aber schon länger als gewünscht und nun gibt es auch Verwunderung über zwei der geplanten Wohnungen. Zum einen soll eine Anlage mit 28 Einheiten am Kalsfeld entstehen, diese Wohnungen sind zur Vermietung gedacht. Das Grundstück gehört der Gemeinde und wird der NHT im Baurecht vergeben. Hier hätte bereits im Frühling der Baustart erfolgen sollen.

Das zweite Vorhaben soll im Bereich Untertanner verwirklicht werden. Hier sind neun Eigentumswohnungen geplant. Doch auch da spießt es sich. „Plötzlich haben wir von der NHT gehört, dass zwei frei verkäufliche Wohnungen dort vorgesehen sind“, sagt Vizebürgermeister Andreas Schipflinger (Unser Kirchberg) und für ihn ist klar: „Das geht gar nicht. Wo kommen wir da hin, wenn wir einem Grundbesitzer zuerst vorschreiben, dass er einen Anteil der Fläche für gemeinnützigen Wohnbau günstig verkaufen muss und dann dort frei verkäufliche Wohnungen gebaut werden.“ Dieser Vorschlag sei für ihn und seine Gemeinderatskollegen auch völlig neu gewesen. „Eine solche Vorgehensweise kommt für uns nicht in Frage“, sagt Schipflinger.

Bürgermeister Helmut Berger (SPÖ-PUK) sieht die Sache gelassener. „Das ist noch alles Kaffeesudlesen. Offenbar beschäftigen sich manche mehr damit, Geschichten für die Zeitung zu liefern als für die Arbeit in der Gemeindepolitik“, sagt Berger. Aus seiner Sicht ist „noch nichts fix“, wie er auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung versichert. Es wurde nie von der NHT zugesagt, dass nur geförderte Wohnungen entstünden, man sei lediglich davon ausgegangen, wie es der Bürgermeister bezeichnet. Er betont auch, dass man der NHT bei dem Projekt sehr vieles auferlegt habe, wie z. B. die Erschließung. Man wollte die Fläche für Kirchberger sichern und das habe man mit der NHT auch gemacht.

Es seien auch nicht zwei, sondern eine Wohnung, welche nicht der Subjektförderung entspricht, so NHT-Geschäftsführer Hannes Gschwentner gegenüber der TT. „Und auch diese wird weit unter den für Kirchberg typischen Preisen liegen“, versichert er. Die Vergabe dieser Wohnung werde wie auch die der anderen von der Gemeinde Kirchberg durchgeführt. Der übliche, wohnbaugeförderte Preis liege bei dem Projekt in Kirchberg bei 3500 Euro pro Quadratmeter, bei der frei zu vergebenden Wohnung wäre der Preis etwa 1000 Euro höher, schildert der NHT-Geschäftsführer. Der Grund für diese Vorgehensweise seien laut Gschwentner die erhöhten Baukosten. Zum einen sei die Erschließung teuerer als üblich und die Baukosten derzeit sehr hoch. „Wir tun uns bei Ausschreibungen sehr schwer, unter den gesetzlich festgelegten Preisen zu bleiben“, sagt Gschwentner. Für ihn sei damit aber auch klar, dass das Vorhaben ohne jene frei verkäufliche Wohnung nicht umsetzbar ist. „Nicht für uns und auch nicht für andere“, ist sich Gschwentner sicher.

Das Problem mit den hohen Baukosten gibt es auch beim Wohnprojekt Kalsfeld, hier sollte eigentlich schon seit dem Frühling gebaut werden. Es herrsche derzeit aber ein Bauboom in Tirol und es sei sehr schwierig für einen gemeinnützigen Wohnbauträger, Firmen zu bekommen. „Zum Teil müssen wir sogar zwei- oder dreimal ausschreiben“, schildert der NHT-Chef. Doch im Herbst sollte es nun so weit sein und die Anlage mit 28 Mietwohnungen soll gebaut werden.