Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Bezirk Imst

Kritik an geplanter Deponie im Bergsturzgebiet

Der Landesumweltanwalt beeinsprucht den positiven Bescheid für eine Bodenaushubdeponie bei Längenfeld. BM Grüner kritisiert, dass eine Siedlungserweiterung im gleichen Gebiet abgelehnt wurde.

Die geplante Deponie im Bergsturzgebiet sorgt für Kritik.

© luaDie geplante Deponie im Bergsturzgebiet sorgt für Kritik.



Von Alexander Paschinger

Längenfeld – Der Landesumweltanwalt bekämpft derzeit einen positiven Bescheid für eine Bodenaushubdeponie der Firma Naturstein West in Längenfeld vor dem Landesverwaltungsgericht (LVG): Demnach sollten auf einer Fläche von 2,5 Hektar rund 94.000 m³ Bodenaushubmaterial abgelagert werden. Der positive Bescheid wurde am 4. Juni dieses Jahres ausgestellt. Doch Kritik kommt hier nicht nur vom Landesumweltanwalt – auch der Längenfelder Bürgermeister Richard Grüner kann nicht verstehen, warum eine solche Deponie erlaubt, eine von der Gemeinde gewünschte Siedlungserweiterung in der Nähe aber verhindert werde.

Der Landesumweltanwalt maß die 1500 Meter Entfernung zwischen den geplanten Deponien (der grüne Punkt oben betrifft die aktuelle Beschwerde) ab – dazwischen befindet sich eine Siedlung, deren Erweiterung wegen des Bergsturzgebietes Köfels abgelehnt wurde.
Der Landesumweltanwalt maß die 1500 Meter Entfernung zwischen den geplanten Deponien (der grüne Punkt oben betrifft die aktuelle Beschwerde) ab – dazwischen befindet sich eine Siedlung, deren Erweiterung wegen des Bergsturzgebietes Köfels abgelehnt wurde.
- lua

Für den Landesumweltanwalt (LUA) kommt die Deponie aus mehreren Gründen nicht in Frage: Erstens, weil es sich unter anderem auf 1300 m² um die Zerstörung eines schützenswerten Silikat-Lärchen-Blockwaldes handle. Weiters befinde sich die Deponie „im Bereich des Köfels-Bergsturzes“ – und der sei „zumindest von nationaler, wenn nicht sogar internationaler Bedeutung“, heißt es in der Stellungnahme des Umweltanwaltes an das Landesverwaltungsgericht. Hier gehe es aus Sicht des Amtssachverständigen um „nachhaltige und starke Beeinträchtigungen für die Lebensgemeinschaften und den Naturhaushalt“. Die vom Projektwerber vorgesehenen Maßnahmen zur Verringerung der Beeinträchtigungen werden zwar positiv gesehen, reichen aber laut naturkundlichem Gutachten nicht aus. Auch sei keine Kartierung für Reptilien vorgenommen worden.

Kritik übt der LUA auch am Nachweis des öffentlichen Interesses und der Interessensabwägung. Darin wird festgehalten, dass die Firma ausführe, „dass es in der Gemeinde Längenfeld derzeit keine ähnlichen Deponien gibt und Bodenaushub daher jeweils in die 25 km entfernte Deponie Riedern transportiert werden müsse,“ zitiert der LUA. Fakt sei, dass am 25. Mai dieses Jahres die Bewilligung zur Errichtung einer anderen Deponie erteilt wurde. Deren Kubatur sei „vergleichbar“ und beide Deponien „befänden sich in einem Abstand von ungefähr 1500 m zueinander“. Wobei es der LUA nicht verabsäumt zu erwähnen, „dass auch gegen diesen Bescheid eine Beschwerde beim Landesverwaltungsgericht anhängig ist“.

Seitens der Gemeinde stellt sich BM Richard Grüner die Frage, ob das öffentliche Interesse an einer Deponie größer sein könne als an einer Siedlungserweiterung. „Unsere Gemeindegutsagrargemeinschaft bemüht sich um eine Erweiterung der Siedlung – praktisch im gleichen Gebiet – und bekommt eine Absage.“ Da „muss man sich schon fragen, was möglich ist“, spielt er auch auf die Staubbelastung an.

Seitens der Naturstein West verweist GF Stefan Auer bei den technischen Details auf seinen Kollegen Michael Kirchmair, „weil ich nur für das Geschäftliche zuständig bin“. Kirchmair war gestern für die TT nicht erreichbar.