Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Exklusiv

Krach um Notarztsystem, Land beruft Krisengipfel ein

Massive Probleme und Unstimmigkeiten zwingen das Land zum Handeln. Matreis Bürgermeister Andreas Köll verteidigt das „Boden-Luft“-System.

Im Iseltal sollen Flugrettungsärzte außerhalb der Flugzeiten auch bodengebunden Dienst tun.

© Christoph BlassnigIm Iseltal sollen Flugrettungsärzte außerhalb der Flugzeiten auch bodengebunden Dienst tun.



Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. – Bürgermeister Andreas Köll spricht gegenüber der TT von einer „endlich funktionierenden Notarztversorgung im Iseltal“. Seit 1. Juli ist das Flugrettungsunternehmen Knaus mit dem Hubschrauber Martin 4 wieder in Matrei stationiert und versorgt das Gebiet von St. Johann, Hopfgarten und Kals über Matrei bis nach Prägraten. Dass Notärzte der Firma Knaus seither außerhalb der Flugzeiten (bei Schlechtwetter und in der Nacht) zwar in Matrei vor Ort einsatzbereit waren, jedoch tatsächlich nicht zu bodengebundenen Einsätzen ausgerückt sind, erklärt der für die Notarztkoordination im Bezirk zuständige Mediziner Andreas Mayr folgendermaßen: „Es fehlen Verträge des Landes mit Knaus. Die Verantwortung dafür liegt in Innsbruck.“

Ähnlich argumentiert auch Köll: „Ein bodengebundener Start scheiterte an angeblich noch fehlenden Unterschriften der bislang unter Vertrag stehenden Mediziner Cornelia Trojer, Torsten Ruf und Gernot Walder. Die Notärzte des Flugunternehmens sind seit 1. Juli laut einem lückenlosen Dienstplan bis 15. Oktober 24 Stunden auf Standby.“

Trojer und Ruf haben letzte Woche eine Erklärung über einen nachträglichen Beitritt des leitenden Knaus-Notarztes Wolfgang Kratzer zu ihrem Vertrag „Notärztlicher Bereitschaftsdienst im System Iseltal“ unterzeichnet. Gernot Walder bestätigte seinen Rückzug aus dem Iseltal per Mail: „Ich habe meine Mitwirkung am Notarztsystem Iseltal am 2. Mai vor Zeugen gekündigt. Die schriftliche Kündigung wurde am selben Tag ausgestellt und ist bei der BH Lienz hinterlegt.“ Walders Erklärung und die Unterschriften habe man am vergangenen Freitag an den für Katastrophenschutz zuständigen Herbert Walter übermittelt, sagt Köll. Alle Hindernisse seien damit ausgeräumt.

Für morgen hat das Land eine Krisensitzung anberaumt. Köll erwartet sich von dieser „Besprechung“ lediglich die Klärung „diverser abrechnungstechnischer und organisatorischer Fragen“. Das Land selbst ist alarmiert, schließlich häufen sich die Beschwerden. Weil das neue System mehr recht als schlecht aufrechtzuerhalten ist. Mit der Situation sei man gar nicht glücklich, heißt es. Weil es vor allem bei den normalen ärztlichen Bereitschaftsdiensten an den Tagesrandzeiten und den Wochenenden hapert. Dass jetzt die Verantwortung auf das Land abgeschoben wird, soll vor allem bei Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) Unverständnis hervorrufen.