Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.08.2019


Innsbruck-Land

Weg frei für Kreisverkehr und neues Fröschl-Haus

Trotz Einsprüchen von Anrainern und scharfer Oppositionskritik gab der Haller Gemeinderat grünes Licht für die vieldiskutierten Großvorhaben.

Durch den neuen Kreisverkehr werde der Verkehrsfluss an der Problem-Kreuzung B171/Brockenweg verbessert, glauben Befürworter.

© mdDurch den neuen Kreisverkehr werde der Verkehrsfluss an der Problem-Kreuzung B171/Brockenweg verbessert, glauben Befürworter.



Hall – Da waren die Kontroversen quasi vorprogrammiert: Der Haller Gemeinderat beschäftigte sich am Dienstagabend einmal mehr mit dem geplanten neuen Bürogebäude der Firma Fröschl östlich des Brockenwegs (gegenüber der jetzigen Konzernzentrale) sowie dem umstrittenen Vorhaben eines Kreisverkehrs an der brisanten Kreuzung zwischen Brockenweg und B171/Salzburger Straße.

Der Grundsatzbeschluss für den Kreisverkehr war schon im Mai gefallen, nun wurden die raumordnerischen Voraussetzungen geschaffen. Beim „Fröschl-Haus 2“ lag schon längst ein rechtskräftiger Bebauungsplan für einen Hofer-Markt im Erdgeschoß und drei oberirdische Geschoße plus Tiefgarage vor. Hier ging es noch um Umplanungen, die, wie berichtet, vorsehen, den Gebäudekomplex im Süden turmartig um zwei weitere Stockwerke zu erhöhen (max. Gebäudehöhe: 24,3 Meter).

Gegen beide Projekte waren diverse Einsprüche eingegangen, u. a. von Anrainern in der Salzburger Straße, die auch Unterschriften sammelten, oder den Tertiarschwestern, die ein nahes Altenwohnheim betreiben. Die Kritik in Kürze: Zusätzliches Verkehrsaufkommen samt Lärm, Schadstoffen und Feinstaub sei nicht tragbar, die Belastung schon jetzt zu hoch. Durch den Kreisel mit 42 m Durchmesser werde der Kreuzungsbereich in Richtung Wohnhäuser und Altenheim ausgedehnt. Auch Höhe und Dichte des Bürokomplexes seien nicht verträglich.

Die Gemeinderatsmehrheit gab den Stellungnahmen letztlich nicht statt, sie folgte den fachlichen Beurteilungen: Demnach entstehe durch die beiden weiteren Stockwerke mit 1000 m2 Bruttogeschoßfläche keine wesentliche zusätzliche Verkehrs- und Lärmbelastung für die Anrainer.

Auch das „Fröschl-Haus 2“ östlich des Brockenwegs ist nun „durch“.
Auch das „Fröschl-Haus 2“ östlich des Brockenwegs ist nun „durch“.
- Domanig

Von der Opposition hagelte es Kritik: So erklärte GR Nicolaus Niedrist (Für Hall), dass der Kreisverkehr laut Gutachten ohne Entlastungsmaßnahmen („Spange Ost“, Dosierampel bei der Kreuzung Galgenfeldstraße) „nicht leistungsfähig“ sei – und wann diese Projekte umgesetzt würden, sei völlig offen. Bevor man Einzelmaßnahmen treffe, brauche es ein Gesamtverkehrskonzept für die Region, ergänzte StR Barbara Schramm-Skoficz (Grüne).

Zum Fröschl-Haus 2 meinte Niedrist: „Wir sitzen heute nur hier, weil wir das Vorhaben schnell, schnell beschließen müssen, bevor die neue Tiroler Raum- bzw. Bauordnung in Kraft treten, die dem Bauwerber eine ganz genaue Zahl an unterirdischen Abstellflächen vorschreiben würden.“

Der von der Stadt üblicherweise beauftragte Raumplaner habe den Bebauungsplan, der das Gebäude mit E+5 ermöglicht, aus raumordnungsfachlicher Sicht „nicht beurteilt“, ebenso wenig die jetzigen Stellungnahmen, so Niedrist weiter. „Die Einschätzung, warum das so ist, überlasse ich jedem Einzelnen.“ Und statt eines (anderen) eingetragenen Sachverständigen für Raumplanung habe man für die Begutachtung letztlich einen Architekten engagiert. „Die wichtigste Frage – nämlich, was ein so massives Bauvorhaben für die künftige Bebauung im Nahebereich bedeutet – ist in keinem Gutachten behandelt“, so Niedrist.

Ganz anders Vize-BM Werner Nuding (VP): Er sei „froh“ über den Kreisverkehr, der die jetzige doppelte Ampelregelung ersetze. Dass der Kreisel ohne Spange Ost nicht funktioniere, sei falsch: „Er wird das Verkehrsaufkommen bis 2030 gut schlucken können.“ Und durch den verbesserten Verkehrsfluss werde auch die Lärmbelastung sinken.

Auch Ersatz-GR Johann Seiwald (VP) hofft und erwartet, „dass der Kreisverkehr etwas Druck aus der Kreuzung nimmt“. Diese zähle aktuell zu den „gefährlichsten“ in Hall. Sogar die nahe Tankstelle werde als Umfahrung des Kreuzungsbereichs missbraucht.

Die Bewohner des südlichen Stadtteils Untere Lend – für die das Einmünden in die B171 derzeit sehr mühsam ist – „freuen sich auf den neuen Supermarkt und den Kreisverkehr“, glaubt auch StR Irene Partl (FPÖ). Am Ende wurde das „Paket“ mit 12:8 Stimmen (bei einer Enthaltung) beschlossen.

„Mit dieser Weichenstellung ist es uns als heimischem Betrieb möglich, am Standort Hall nachhaltig zu wachsen und für unsere ebenfalls wachsende Belegschaft zeitgemäße, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen“, erklärte Thomas Mayr, Sprecher der Fröschl-Geschäftsführung, gestern. (md)

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