Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.08.2019


Exklusiv

Tirols Heli-Betreiber rotieren: Streit um Notarztsystem eskaliert

Dass Roy Knaus Notarzteinsätze auch im Sommer in Osttirol fliegt, wollen die anderen Flugbetreiber nicht mehr länger hinnehmen. Am 25. August kommt es zur Aussprache mit LR Tilg. Sollte es kein Einlenken geben, fordert unter anderem der ÖAMTC eine Ausschreibung.

Das Notarztsystem in Osttirol steht auf dem Prüfstand. Heute gibt es dazu eine Krisensitzung im Innsbrucker Landhaus.

© TT/BöhmDas Notarztsystem in Osttirol steht auf dem Prüfstand. Heute gibt es dazu eine Krisensitzung im Innsbrucker Landhaus.



Innsbruck, Lienz – In der Tiroler Landesregierung türmen sich wieder einmal die Osttiroler Probleme auf: Das neue Notarztsystem rund um den in Matrei in Osttirol stationierten Hubschrauberunternehmer Roy Knaus rotiert, gestern zogen sich die Ärzte des bisherigen Osttiroler Notarztvereins aus dem Iseltal zurück. Damit werden neue Fragen aufgeworfen, schließlich geht es nicht nur um die Rettung aus der Luft, sondern auch „am Boden“ und um die notärztlichen Bereitschaftsdienste in der Region. Pikantes Detail am Rande: Die Notärzte von Roy Knaus sollen vorübergehend in Wohncontainern in der Nähe des Hubschrauberlandeplatzes untergebracht werden. Doch damit nicht genug.

Weil Knaus damit auch im Sommer fliegt, fordern die übrigen privaten Helibetreiber ÖAMTC, ARA-Flugrettung, SHS, Schenk Air, Wucher Helikopter und HAT eine Aussprache mit dem Land. Sie stellen die freiwillige Vereinbarung offen in Frage. Am 25. August kommt es deshalb zu einem runden Tisch mit Gesundheits-Landesrat Bernhard Tilg (ÖVP), bereits heute werden bei einem Krisengipfel im Landhaus die Notarzt-Probleme diskutiert.

Bernhard Tilg weist die Kritik an der Vorgangsweise in Osttirol entschieden zurück. „Auch die Spekulationen im Zusammenhang mit dem neuen Notarztsystem und der Reform im Bezirkskrankenhaus Lienz sind absurd.“ Bekanntlich ist dort der Matreier Bürgermeister Andreas Köll Verbandsobmann, zugleich forcierte der ÖVP-Politiker die Lösung mit Knaus. Tilg spricht von Handlungsbedarf, „weil es doch Probleme mit dem bisherigen System gegeben hat. Auch seitens der Ärztekammer und der Gebietskrankenkasse.“ Vor allem bei den Dienstplänen. Das aktuelle Modell unter Beiziehung von Roy Knaus – Kooperation mit der Rettung aus der Luft – sei deshalb vereinbart worden. „Jetzt wollen wir die noch offenen Details klären.“

Bei der Flugrettung will Tilg vermitteln, das Land gibt derzeit 1,6 Millionen für die Flugrettung aus und rund 280.000 Euro für die so genannten Interhospitalflüge in Schwerpunkt­krankenhäuser. „Mein Ziel ist es, dass die freiwillige Vereinbarung aufrechtbleibt“, gibt der Gesundheitslandesrat die Richtung vor. Das möchte die ÖAMTC-Flugrettung ebenfalls erreichen. Nur: „Dann müssen die Abmachungen auch eingehalten werden“, fordert Stefan Tschernutter (ÖAMTC). Das heißt nichts anderes, als dass Knaus im Sommer nicht in Osttirol fliegt. Seit 1. Juli geht Martin 4 in Matrei bekanntlich für die Notarztversorgung in die Luft. Das akzeptieren die anderen privaten Helibetreiber nicht. „Aus wirtschaftlichen Gründen“, wie Tschernutter hinzufügt. Sollte es keine Einigung geben, werde man jedenfalls eine Ausschreibung der Flugrettung in Tirol fordern.

Die Situation könnte sich in den nächsten Monaten noch zuspitzen, hinter vorgehaltener Hand ist die Rede davon, dass Knaus über kurz oder lang seine Hubschrauber darüber hinaus im Defereggen- und Pustertal kreisen lassen will. Möglicherweise auch über den Hebel eines Notarztsystems.

Aufklärung fordert Liste-Fritz-Abgeordneter Markus Sint über das Ausbooten des bisherigen Notarztteams. „Einmal mehr tobt sich die ÖVP in Osttirol aus, der Bezirk gerät in Geiselhaft des ÖVP-Systems, es geht um Macht und Geld. Ein überforderter LR Tilg und ein Osttirol-Kaiser Köll haben mit ihrem Deal eine funktionierende medizinische Versorgung mutwillig zerschlagen.“ (pn)