Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.08.2019


Exklusiv

Zollstätte Lueg: Kulturgut am Brenner in Gefahr

Seit Mai hat Tirol mit der Zollstätte Lueg ein neues Denkmal. Dagegen stellt sich ausgerechnet die Gemeinde – und blockiert die Erhaltung.

Die Zollstätte Lueg ist samt Widum (Bild) seit Mai rechtskräftig Denkmal. Das Betretungsverbot der Gemeinde macht es langsam zur Ruine.

© VonmetzDie Zollstätte Lueg ist samt Widum (Bild) seit Mai rechtskräftig Denkmal. Das Betretungsverbot der Gemeinde macht es langsam zur Ruine.



Von Reinhard Fellner

Gries a. Br. — Wäre der Umgang mit der eigenen Geschichte die Visitenkarte eines Landes, stünde es um Tirol nicht zum Besten. So wird in Gries am Brenner weiter ein grotesker Streit um die seit Mai unter Denkmalschutz stehende Zollstätte Lueg geführt. Zwei Höchstgerichte und das Land Tirol beschäftigte der Widerstand der Brenner-Gemeinde gegen das Kulturgut aus dem 15. Jahrhundert bereits, bis der Verwaltungsgerichtshof das Bundesdenkmalamt endgültig bestätigt und die Anlage rechtskräftig zum Denkmal erklärt hatte. „Die Erhaltung der Zollstätte Lueg ist „im öffentlichen Interesse gelegen", argumentierte das Höchstgericht.

Bis heute findet dies in der Gemeindeführung keinen Widerhall — ganz im Gegenteil. Gestützt auf ein landesgeologisches Gutachten zur Steinschlaggefahr verweigert sie dem Widum-Eigentümer jeglichen Zutritt, während für sonstige Objekte im „Sperrgebiet" Ausnahmegenehmigungen erteilt wurden. So wurden u. a. in der Kirche neben dem Widum regelmäßig Messen gefeiert. Die scheinbar unverrückbare und wiederholt bestätigte Position von Dorfchef Karl Mühlsteiger blockiert die Erhaltung und Sanierung des Denkmals. So hat nun nach dem harten Winter erstmals die Dachkonstruktion nachgegeben. Ein Einschreiten eines Zimmerers ist für jedermann offensichtlich notwendig.

Der Eigentümer dazu zur TT: „Die Arbeiten müssen nun durchgeführt werden. Uns läuft die Zeit davon." Um eine Ausnahmegenehmigung für die Zimmererarbeiten doch noch zu erreichen, wurde nun für Anfang August ein Termin beim Bezirkshauptmann vereinbart — dieser letztlich aber wieder auf den 28. August verschoben. Für das Dach des Widums scheint es fünf vor zwölf zu sein: „Noch einen Winter übersteht es wohl nicht!"

Anwalt Hermann Holzmann vertritt den Kultur-Idealisten: „Die Gemeinde spielt hier wohl bewusst auf Zeit, bis das Denkmal verfällt. Ein Skandal, wie man hier mit Tiroler Kulturgut verfährt!"