Letztes Update am Do, 01.08.2019 10:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

„Kein Nutzen aus Tourismus“: Booking.com zahlt keine Pflichtabgabe

Alle Betriebe müssen in Tirol Tourismusbeiträge zahlen: Bei der Online-Buchungsplattform Booking.com blitzte das Land Tirol jedoch ab.

Die Zentrale von Booking.com ist in Amsterdam, in Tirol werden keine Pflichtbeiträge gezahlt.

© Getty ImagesDie Zentrale von Booking.com ist in Amsterdam, in Tirol werden keine Pflichtbeiträge gezahlt.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Weil sie direkt oder indirekt vom Tiroler Tourismus profitieren, müssen die 43.443 Tiroler Unternehmen Pflichtbeiträge für den Tourismus zahlen. Die Umsätze im Tourismus betragen rund acht Milliarden Euro. 2018 wurden den Betrieben 126,7 Millionen Euro vorgeschrieben, die 34 Tourismusverbände erhielten davon 103 Millionen Euro, der Tiroler Tourismusförderungsfonds bekam 11,2 Mio. Euro und der Verband der Tiroler Tourismusverbände 262.000 Euro. Nicht auf der Liste der Beitragszahler scheint allerdings die Online-Buchungsplattform Booking.com auf. Obwohl das niederländische Unternehmen sowohl in Innsbruck als auch in Kitzbühel eine Niederlassung hat.

LA Dominik Oberhofer, NEOS
(Landessprecher): "Das System ist ungerecht und wettbewerbsverzerrend. Es benötigt eine Neufinanzierung des Tourismus.“
LA Dominik Oberhofer, NEOS
(Landessprecher): "Das System ist ungerecht und wettbewerbsverzerrend. Es benötigt eine Neufinanzierung des Tourismus.“
- Thomas Boehm / TT

Viele Beherbergungsbetriebe vertrauen mittlerweile auf das Buchungssystem von Booking.com, 4000 bis 8000 Euro betragen dafür die Provisionskosten im Monat. Wegen der Zweigniederlassungen hat die Tourismusabteilung auch Pflichtbeiträge für die vergangenen Jahre vorgeschrieben, die von Booking.com allerdings erfolgreich bekämpft wurden. Das bestätigt der Leiter der Tourismusabteilung im Land, Gerhard Föger. Begründung: Die Tiroler Filialen würden keine direkten Dienstleistungen vor Ort erbringen, sondern lediglich die Zentrale in Amsterdam intern unterstützen. Dort werde das gesamte Online-Reservierungssystem und die Provisionen abgewickelt, heißt es. Airbnb zahlt ebenfalls keine Beiträge.

„Erzielen keinen Nutzen aus Tourismus“

Online-Buchungsplattformen wie Booking.com oder Airbnb boomen. Während in Tirol alle Unternehmen Pflichtbeiträge u. a. für die Finanzierung der Tourismusverbände zahlen müssen, trifft das etwa auf Booking.com nicht zu. Das musste jetzt das Land Tirol zur Kenntnis nehmen, das der Reservierungsplattform die Tourismusbeiträge vorgeschrieben hatte. Schließlich betreibt sie zwei Filialen in Tirol; in Innsbruck und in Kitzbühel.

Doch das Land erhält keinen Cent, obwohl Booking.com Österreich für 2017 einen Bilanzgewinn von 9,327 Mio. Euro ausweist. Das in Amsterdam ansässige Unternehmen hat die Vorschreibungen erfolgreich beeinsprucht. Die Buchungsplattform bietet weltweit Reservierungsdienste für Gäste an und erhält dafür eine monatliche Provision. Sie tritt als Vermittlerin zwischen Gästen und Hotelbetreibern auf. Die Niederlassungen in Österreich würden lediglich der internen Unterstützung dienen, heißt es, die dafür von der Zentrale in Amsterdam ausbezahlten Leistungsentgelte „stellen die einzige Einnahmequelle“ dar. „Aufgrund des Geschäftsprofils der Booking.com (Österreich) ist ersichtlich, dass die betreffende österreichische Gesellschaft weder einen unmittelbaren noch einen mittelbaren wirtschaftlichen Nutzen aus dem Tourismus in Tirol erzielt“, wird argumentiert. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lasse­n, ist aber so. Das Land zog den Kürzeren. Für den Leiter der Tourismusabteilung im Land, Gerhard Föger, ist das ein Wermutstropfen.

NEOS-Landtagsabgeordneter Dominik Oberhofer spricht sich deshalb für eine umfassende Neufinanzierung des Tiroler Tourismus aus. „Es kann nicht sein, dass Fahrschulen oder Bestattungsunternehmen Tausende Euro Tourismusabgabe zahlen, aber nachweislich kaum vom Tourismus profitieren. Andererseits leisten jene, die Hauptnutznießer sind, keinen Beitrag.“ Dass die Tourismusverbände sowie die Tirol Werbung auch künftig ausreichend finanziert werden müssen, steht für ihn außer Frage. „Nur eben anders.“

Oberhofer schlägt vor, den Fremdenverkehrsförderungsbeitrag mit Ausnahme für die Seilbahnwirtschaft und Skischulen abzuschaffen, 50 Millionen Euro bei der Wirtschaftsförderung einzusparen und dies als Sockelfinanzierung für die Tirol Werbung und Tourismusverbände zu verwenden. Darüber hinaus sollte eine tirolweite einheitliche Nächtigungsabgabe von 2,5 Euro eingeführt werden. Dass der Fremdenverkehrsbeitrag jährlich einen gewaltigen Verwaltungsaufwand von 4,8 Mio. Euro verursache, sieht der NEOS-Abgeordnete ebenfalls kritisch.

Tourismuschef Gerhard Föger verteidigt hingegen das Beitragsmodell. „Das System ist effizient, das beweisen die Zahlen. Wir erlassen jährlich 150.000 Bescheide, natürlich gibt es auch 22.000 Mahn- und Erinnerungsschreiben.“ Doch im Vergleich zu den Erlösen von mehr als 100 Millionen Euro sei der Aufwand von 4,8 Millionen Euro überschaubar. „Das sollten auch einmal die NEOS sehen“, betont Föger.