Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


Bezirk Kufstein

Wirbel um Ausschank auf Antalau-Hütte im Kaisergebirge

Auf der Antalau-Hütte darf vom Sport-Förderverein nicht mehr ausgeschenkt werden. Obfrau sieht sich als Ziel einer Intrige der Stadtgemeinde Kufstein, der Bürgermeister weist das entschieden zurück.

Die Antalau-Hütte liegt idyllisch im Naturschutzgebiet. Um die Verwendung gab es einen langwierigen Rechtsstreit.

© weidnerDie Antalau-Hütte liegt idyllisch im Naturschutzgebiet. Um die Verwendung gab es einen langwierigen Rechtsstreit.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Einst schwitzten rund um die Antalau-Hütte am Kufsteiner Steinberg im Naturschutzgebiet Wilder Kaiser die Soldaten. Mittlerweile dient sie den Mitgliedern des Sport-Fördervereins Antalau-Kufstein als Vereinsdomizil. Die Hütte liegt nur ca. 25 Gehminuten von der Kaiserlift-Bergstation am Brentenjoch entfernt und bietet einen wunderbaren Panoramablick. Allerdings schwindet die Zahl derer, die ihn genießen wollen. Grund dafür sind laut Obfrau Hannelore Weidner das Gewerberecht und die Stadt Kufstein, die das Haus für sich nutzen will. Um hier ein großes Freizeitzentrum zu bauen, wie sie wissen will.

2005 hat Weidner mit ihrem damals gegründeten Verein das Haus übernommen, es wurde auf Basis eines Prekariums vom Wirtschaftsministerium zur Verfügung gestellt. Bei dieser Art der so genannten Bittleihe wird das Haus dem Verein kostenlos überlassen, der hält dafür das Gebäude instand.

Die Antalau ist auch beliebter Treffpunkt von Wanderern und Bergsteigern. Um dadurch nicht rechtlich in die Bredouille zu gelangen, führte Weidner die Möglichkeit einer Tagesvereinszugehörigkeit ein. Jeder, der auf die Hütte kam und dort essen und schlafen wollte, wurde für die Dauer seines Aufenthaltes ein Mitglied. Eine Vorgangsweise, die sie zehn Jahre lang als gedeckt ansah. Das sah die Bezirkshauptmannschaft Kufstein aber anders. Zum einen wurde Weidner mitgeteilt, dass Tagesmitgliedschaften ungesetzlich sind, zum anderen sah die Behörde eine Umgehung des Gewerbegesetzes. Eine Strafe und ein jahrelanger Rechtsstreit folgten. Der wurde jetzt erst zugunsten der Behörde entschieden.

Weidner wurde vorgeworfen, dass sie mit ihrem Verein ohne Genehmigungen einen Gastbetrieb geführt hat. Der Sport-Förderverein legte Berufung gegen den Bescheid ein und bekam vom Landesverwaltungsgerichtshof Recht. Dort verwies man auf die geringe Höhe der Preise der Speisen und Getränke, die auf der Hütte verlangt wurden. Die Behörde zog aber zur außerordentlichen Revision vor den Bundesverwaltungsgerichtshof und wurde in ihrer Rechtsmeinung bestätigt. Hier gehe es nicht um die Frage des Gewinns, sondern um die Tätigkeit, um das Urteil kurz zusammenzufassen. Daher muss Weidner jetzt Strafe zahlen und darf nichts mehr ausschenken.

Aber sie will das Haus als Selbstversorgerhütte mit zehn Betten weiterführen. „Damit sind wir Privatzimmervermieter“, sagt Weidner, die nicht von der Antalau lassen will. Darauf, so vermutet sie, zielen nämlich die Anzeigen ab. Hinter den ganzen Schwierigkeiten, so glaubt sie, stecke die Stadt Kufstein. Das erwähnte sie auch gegenüber dem Landesverwaltungsgerichtshof: „Das Ministerium hat eine Ausschreibung gemacht, um die Hütte zu verkaufen bzw. zu verpachten. Seitens der Stadtgemeinde gibt es ein Interesse, dort ein Gasthaus zu machen, daher sind wir ihr im Weg.“ Sobald sie aufgebe und ausziehe, würde der Grund „wieder Freiland werden und das Ministerium müsste die Hütte abtragen. Danach könnte eine passende Widmung verhängt werden und ein Berg­gasthaus gebaut werden.“

Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer und der Kufsteiner Bürgermeister Martin Krumschnabel weisen das zurück. Laut dem Behördenchef „geht es um die Gleichheit gegenüber anderen Hüttenwirten“. Daher habe man die für die BH negative Entscheidung des Landesverwaltungsgerichtes bekämpft. Und auf die „Umgehung“, wie BH Platzgummer es nennt, sei man nicht nur durch Hinweise, sondern auch wegen einer Fahrgenehmigung gekommen. Um zum Haus zufahren zu können, muss diese erteilt werden. „Und der Verein hat für einen Koch angesucht“, sagt Platzgummer. Zu was braucht ein Verein einen Koch?“, habe darauf die Frage bei der Behörde gelautet. Ob eine Privatzimmervermietung möglich ist, müsse erst geprüft werden. Bürgermeister Krumschnabel spricht von einem privaten Projekt, das geplant gewesen wäre, eine Art Seminarzentrum. Aber darum sei es ruhig geworden. „Und im Naturschutzgebiet etwas Neues zu bauen, stelle ich mir sehr schwierig vor“, so Krumschnabel.