Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


Innsbruck-Land

Senioren-WG-Betreiber in Telfs fühlen sich „gemobbt“

Die „Telfer Lebensebenen GmbH“ holt zum Rundumschlag gegen Heime und Gastrobetriebe aus. Rund um eine Senioren-WG sind viele Fragen offen.

Betreiber einer Telfer „Senioren-WG“ fühlen sich behördlich verfolgt.

© DomanigBetreiber einer Telfer „Senioren-WG“ fühlen sich behördlich verfolgt.



Telfs – Drei Schreiben zweier „besorgter Bürger“ an den Telfer Bürgermeister Christian Härting – die am Mittwoch vom Rechtsanwalt Stephan Opperer auch den Medien übermittelt wurden – sorgen in Telfs für Diskussionen.

In den Schreiben werden diverse Vorwürfe erhoben: Einer davon lautet, dass in den Altenheimen der Gemeinde ein Medikament (ein starkes Neuroleptikum und Beruhigungsmittel) verabreicht werde, das „in den meisten Fällen eine ungerechtfertigte Freiheitsentziehung“ darstelle. Ein weiterer Vorwurf: In den „meisten Gastbetrieben“ in Telfs würden die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten, „Fluchttüren gehen nach innen auf, sind nicht zertifiziert etc.“. BM Härting solle all dies überprüfen lassen.

Die Vorwürfe gehen von Dorothee Wagner und Petra Perkmann aus, die unter dem Namen „Telfer Lebensebenen GmbH“ im ehemaligen Tirolerhof einen Gastronomiebetrieb bewirtschaften sowie eine Art „Senioren-WG“ aufgebaut haben. Eigentlich seien die Schreiben nicht für die Medien gedacht gewesen, schickt Wagner auf TT-Anfrage voraus, die Weiterleitung habe ihr Anwalt offenbar eigenständig veranlasst. Hintergrund sei jedenfalls, dass sie als Betreiber von den Behörden „wochenlang systematisch fertiggemacht“ und „gemobbt“ worden seien, etwa in Sachen Brandschutz-Auflagen. Auf diese „Ungleichbehandlung“ habe man hinweisen und die Situation in anderen Gastrobetrieben aufzeigen wollen.

Ähnlich sei es mit dem genannten Medikament: Man habe eine Anzeige „wegen Freiheitsentzug“ erhalten, weil man dieses verabreicht habe. „Dabei ändern wir natürlich keine Medikation ohne ärztliche Verordnung und dürfen ein Medikament erst nach Abklärung mit dem Hausarzt absetzen“, erklärt Wagner.

Rund um die Senioren-WG sind derzeit offenbar noch eine Reihe von Behördenverfahren anhängig, die Situation ist unübersichtlich. So soll es seitens des Landes um die Frage der rechtlichen Einordung gehen, also ob es sich bei der Senioren-WG um ein Heim im Sinne des Tiroler Heimgesetzes handelt oder nicht.

Die Gemeinde Telfs reagierte gestern mit einer Stellungnahme auf die Schreiben: Darin wird klargestellt, dass die drei Altenwohnheime in Telfs und Seefeld durch den Altenwohnheimverband Telfs und Umgebung betrieben werden. „Die Medikamentenverschreibung gehört nicht zu den Aufgaben der Heimverwaltung bzw. des Pflegedienstes. Sie obliegt ausschließlich dem jeweiligen behandelnden (Fach-)Arzt. Viele Bewohner konsultieren nach wie vor ihren langjährigen Hausarzt. Es gilt die freie Arztwahl und man geht davon aus, dass die Ärzteschaft richtige und wohlüberlegte Entscheidungen trifft.“ Verwaltungsdirektor Matthias Kaufmann betont, dass alle Heime durch Organe bzw. Behörden wie Bewohnervertretung und Heimanwaltschaft unangekündigt und regelmäßig überprüft würden.

Die bau- und raumordnungsrechtlichen Angelegenheiten wiederum würden verwaltungstechnisch abgearbeitet, erklärt Bauamtsleiter Andreas Kluibenschedl. „Jeder Gastbetrieb benötigt eine baurechtliche und gewerberechtliche Genehmigung, bei der die gesetzlichen Brandschutzbestimmungen eingefordert werden“. Diese Bestimmungen „werden im Rahmen der gewerberechtlichen Überprüfung durch die Bezirkshauptmannschaft kontrolliert“.

„Grundsätzlich sind wir dankbar, wenn Mängel aufgezeigt werden“, merkt BM Härting an. „Dann können wir eventuelle Missstände beheben. Es ist aber ärgerlich, wenn unsere gut arbeitenden Einrichtungen in der Öffentlichkeit aus eigenen Motiven und ohne sachliche Grundlage in ein schlechtes Licht gerückt und beschmutzt werden.“ (md)