Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.08.2019


Wirtschaftspolitik

Booking.com: Keine Steuer und damit kein Pflichtbeitrag

Reservierungs-Plattformen sorgen immer wieder für Debatten, weil sie auch Steuerschlupflöcher nützen.

© iStockReservierungs-Plattformen sorgen immer wieder für Debatten, weil sie auch Steuerschlupflöcher nützen.



Nicht nur das Land Tirol hat sich bei der Online-Buchungsplattform Booking.com die Zähne mit der Vorschreibung des Tourismusbeitrags ausgebissen, sondern vor allem die Finanz. Grundlage für die Bemessung der Pflichtbeiträge ist nämlich die Umsatzsteuer. Und diese beträgt null Euro. Die Finanz hat Booking.com in Österreich ursprünglich einen höheren sechsstelligen Betrag vorgeschrieben. Argumentiert wird vom Unternehmen, dass der Firmensitz in Amsterdam sei und man in Österreich keine Dienstleistungen erbringe.

„Es ist absolut nicht in Ordnung, dass Abcasher wie Booking.com oder Airbnb, die enorm von unserem Tourismus profitieren, keinen Beitrag leisten, während andere Unternehmen, die nicht so unmittelbar vom Tourismus profitieren, brav zahlen. Hier hoffe ich, dass man diese Gesetzeslücke rasch schließen kann", kritisiert der Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer, Josef Hackl.

Der freiheitliche Tourismussprecher und Nationalrat Gerald Hauser ortet massiven Handlungsbedarf. „Im Booking.com-Büro in Innsbruck wird beraten und Auskunft gegeben, sogar Verträge werden dort vorbereitet", erklärt Hauser. Damit würden abgabenpflichtige Dienstleistungen in Tirol erbracht werden, zugleich werde auch die Tourismus-Abgabe fällig. „Das Land Tirol muss das Verfahren neu aufrollen und für Rechtssicherheit sorgen."

Dass NEOS-Landessprecher Dominik Oberhofer hingegen eine Neufinanzierung des Tiroler Tourismus und die Abschaffung der Pflichtbeiträge fordert, bringt wiederum ÖVP-Tourismussprecher und Hotellerie-Fachverbands­obmann Mario Gerber auf die Palme. „Das ist ein Angriff auf den Tourismus, ich kann einfach nicht glauben, was Oberhofer hier fordert." Das System habe sich bewährt und man werde europaweit dafür beneidet, sieht Gerber überhaupt keine Veranlassung, das Modell mit den Pflichtbeiträgen in Frage zu stellen. Oberhofer komme selbst aus der Hotel-Branche, weshalb seine Aussagen umso verwunderlicher seien.

Eine einheitliche Kurtaxe in Tirol von 2,5 Euro pro Nächtigung hält der ÖVP-Landtagsabgeordnete ebenfalls für völlig falsch. „Die Tourismusverbände sollen einen Spielraum haben, weil sie am besten wissen, was für ihren Verband gut ist. Manche würden sich bedanken, wenn sie auf 2,5 erhöhen müssten, obwohl es dafür keinen Anlass gibt." (pn)

„Im Booking.com-Büro in Innsbruck wird beraten, Auskunft gegeben und es werden Leistungen erbracht.“
NR Gerald Hauser, FPÖ 
(Tourismussprecher)
„Im Booking.com-Büro in Innsbruck wird beraten, Auskunft gegeben und es werden Leistungen erbracht.“ NR Gerald Hauser, FPÖ 
(Tourismussprecher)
- Brunner
„Das System mit den Pflichtbeiträgen hat sich bewährt und wir werden dafür europaweit beneidet.“
LA Mario Gerber, ÖVP 
(Tourismussprecher)
„Das System mit den Pflichtbeiträgen hat sich bewährt und wir werden dafür europaweit beneidet.“ LA Mario Gerber, ÖVP 
(Tourismussprecher)
- Gerber