Letztes Update am Fr, 02.08.2019 06:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Lkw-Zufahrtsverbote zu Tankstellen: Vor der Ruhe kam der Sturm

Die Abfahrt von der Autobahn zu zwei Billigdiesel-Tankstellen in Fritzens und Mutters ist für Lkw seit gestern verboten. Das Pilotprojekt ist auf sechs Monate angesetzt. Es soll die Verkehrsbelastung senken. Der Auftakt verlief reibungslos.

Bei Wattens-Fritzens gilt das Verbot von Montag bis Samstag von sechs bis zehn Uhr.

© TT/Rudy de MoorBei Wattens-Fritzens gilt das Verbot von Montag bis Samstag von sechs bis zehn Uhr.



Von Benedikt Mair

Mutters, Fritzens, Innsbruck – Noch zehn Minuten bleiben. Es ist 6.50 Uhr, Donnerstagfrüh an der Shell-Tankstelle direkt nach der A13-Autobahnabfahrt Innsbruck-Süd in Mutters. Fünf Lastwagen stehen noch dicht gedrängt an den Zapfsäulen. Die Fahrer wollen billigen Diesel tanken. Es ist der Sturm vor der erhofften Ruhe. Die Zeit drängt. Um 6.55 Uhr kommt ein Mitarbeiter aus dem Tankstellen-Gebäude, stapft nervös zwischen den Fahrzeugen hin und her, winkt ab. „Bald geht nichts mehr“, scheint er damit andeuten zu wollen. Die letzten Sekunden, die letzten Tropfen Treibstoff. Punkt sieben Uhr – das Fahrverbot ist in Kraft getreten.

Die Beamten Gottfried Kofler (links) und Harald Fischler von der Autobahnpolizei in Schönberg halten einen Sattelschlepper auf, der trotz Verbots bei Mutters von der Brennerautobahn (A 13) abgefahren ist.
Die Beamten Gottfried Kofler (links) und Harald Fischler von der Autobahnpolizei in Schönberg halten einen Sattelschlepper auf, der trotz Verbots bei Mutters von der Brennerautobahn (A 13) abgefahren ist.
- Foto TT/Rudy De Moor

Mitte Juli hat die Tiroler Landesregierung dieses Pilotprojekt angekündigt. Seit gestern gilt die Verordnung, wonach es Lastwagen mit einer Länge von über zwölf Metern untersagt ist, die Brenner- bzw. Inntalautobahn an zwei Abfahrten zu verlassen – und über die Landstraße zu zwei Billigdiesel-Tankstellen zu gelangen. Dem Lkw-Rückstau, der dort durch die Tanktouristen immer wieder entstand, soll damit ein Riegel vorgeschoben werden. Bei Innsbruck-Süd gilt das Verbot von Montag bis Samstag von sieben bis 18 Uhr, bei Wattens-Fritzens von Montag bis Samstag von sechs bis zehn Uhr.

Gottfried Kofler und Harald Fischler, Beamte der Autobahnpolizei Schönberg, haben sich an der Bushaltestelle gegenüber der Tankstelle bei Innsbruck-Süd in Stellung gebracht. Die Mütze wird aufgesetzt, aus dem Einsatzwagen ein Stapel Papier geholt. Es sind Flugzettel, auf denen die Verbote bildlich und leicht verständlich dargestellt sind – viele der Lenker können weder Deutsch noch Englisch. „Die ersten beiden Stunden, also hier in Innsbruck-Süd bis um neun, in Wattens bis um acht Uhr, ist eine Strafe von 220 Euro fällig“, erklärt Kofler. „Danach erhöht sich das auf 300 Euro.“

38 Lkw-Lenker mussten in Fritzens eine saftige Strafe bezahlen.
38 Lkw-Lenker mussten in Fritzens eine saftige Strafe bezahlen.
- Foto TT/Rudy De Moor

Keine zehn Minuten müssen die beiden Polizeibeamten warten. Um 7.06 Uhr lenkt ein Sattelzug mit ungarischem Kennzeichen ein. Kofler und Fischler halten ihn an. Der Fahrer gestikuliert, schüttelt verständnislos den Kopf. Bringen tut ihm das wenig. „Direkt an der Tankstelle ist zu wenig Platz. Wir begleiten ihn jetzt zum Zenzenhof, um die Amtshandlung durchzuführen“, sagt Fischler, steigt mit seinem Kollegen in das Polizeiauto ein und fährt davon, den ersten Lastwagen des Tages im Schlepptau.

Bis zwei Stunden vor Ende des ersten Fahrverbot-Tages werden in Mutters 60 Lastwagen angehalten und auf die Autobahn zurückgeschickt. Bei Wattens/Fritzens sind es während der vier Stunden dauernden Kontrolle 38 Fahrzeuge.

Dort steht gestern um acht Uhr in einer Parkbucht direkt bei der Abfahrt von der Inntalautobahn Günther Salzmann. Der stellvertretende Leiter der Verkehrsabteilung der Tiroler Polizei will sich ein Bild vom Einsatz machen. „Bisher gab es keine Komplikationen. Zwei Streifen sind hier eingesetzt. Damit kann auch jeder, bei dem es vorgesehen ist, beamtshandelt werden. So wird es auch in den kommenden Tagen sein. Hier wird durchgehend kontrolliert.“ Von den Verboten ausgenommen sind, wie Salzmann betont, „Ziel- und Quellverkehr. Sofern das bei den Lkw der Fall ist, können und müssen sie das nachweisen.“

Markus Widmann, Chef der Tiroler Verkehrspolizei, geht am späten Donnerstagnachmittag davon aus, dass „wir am ersten Tag des Verbots insgesamt etwas über 100 Lkw-Fahrer anhalten und bestrafen“. Genaue Zahlen werden erst heute Freitag im Laufe des Tages veröffentlicht. Widmann nennt die Kontrollen einen „intensiven Einsatz“ für die Polizei, der mit viel Personalaufwand verknüpft sei. „In den kommenden Tagen dürfte es ähnlich wie am Donnerstag weitergehen und ähnlich viele Lastwagen verzeichnet werden“, mutmaßt er. „Bis sich die Verordnung in Fahrer- und Frächterkreisen herumgesprochen hat und es sich einpendelt.“

Eine ähnliche Vermutung hat Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe (Grüne), in deren Zuständigkeit das Fahrverbot fällt: „Die Zahlen nach dem ersten Tag zeigen, dass viele trotz Verbotes immer noch extra von der Autobahn abfahren und probieren, bei den Billigtankstellen zu tanken. Die Informationen über diese Verbote dürften bei vielen internationalen Frächtern noch nicht angekommen sein.“ Und wie geht es weiter? Felip­e will die Pilotphase abwarten und „auf den Erfahrungen und Ergebnissen aufbauend, weitere Schritte festlegen“.

Klagen gegen Fahrverbote angedroht

Die Tankstellenbetreiber reagieren natur­gemäß sauer auf die temporären Lkw-Zufahrtsverbote. In der Vorwoche hatte bereits der Geschäftsführer der Plose-Tankstelle in Fritzens, Manfred Kienzner, angekündigt, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Mehr wollte Kienzner gestern auf Anfrage der TT nicht sagen. Schriftlich teilte er diese Woche mit, dass der Baubescheid für die bauliche Anlage seines Unternehmens die Unterschrift des aktuellen Bürgermeisters von Fritzens, Josef Gahr, trage. „In den letzten Jahre­n gab es weder einen Unfall im Bereich unseres Betriebes, noch musste wegen unserem Betrieb die Polizei kommen."

Kritik übte er daran, dass Plose keinen Einblick in die vom Land ins Treffen geführten Verkehrszählungen hätte, obwohl das Unternehmen stets volle Kooperation signalisiert habe. „Unsere laufenden und fortwährenden Angebote, an der Lösung des Problems mitzuwirken, wurden leider bis dato weder vom Ortsbürgermeister Josef Gahr noch von anderen Stellen wie z. B. vom Büro der zuständigen Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe angenommen."

Zu den Fahrverboten und deren Folgen für das Geschäft wollte bzw. durfte gestern der Pächter der Shell-Tankstelle bei der Ausfahrt Innsbruck-Süd nichts sagen. „Dazu gibt es von unserer Seite und auch von Seiten des Betreibers keine Stellungnahme", sagte ein Mitarbeiter des Energiekon­zerns Shell gestern Vormittag gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Außerdem wurde es untersagt, mit den Mitarbeitern oder den Lkw-Fahrern auf dem Gelände zu sprechen oder Fotos zu machen. (pn, bfk)

Der Betreiber der Plose-Tankstelle in Fritzens, Manfred Kienzer, hat angekündigt, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen.
Der Betreiber der Plose-Tankstelle in Fritzens, Manfred Kienzer, hat angekündigt, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen.
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