Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.08.2019


Bezirk Schwaz

Innhochwasser: Kraftwerksspeicher werden als alpine Retention geprüft

Das Zillertal macht’s vor und nun soll es auch fürs Inntal geprüft werden: Können Speicherseen einem Innhochwasser entgegenwirken?

Das Land prüft nun, wie sich Kraftwerksspeicher – wie jene im Zillertal (Bild: Durlassboden) – auf ein Hochwasser im Inn auswirken können.

© VerbundDas Land prüft nun, wie sich Kraftwerksspeicher – wie jene im Zillertal (Bild: Durlassboden) – auf ein Hochwasser im Inn auswirken können.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Die Frage rund um den Hochwasserschutz im Mittleren Unterinntal ist ein Dauerbrenner. Noch immer stemmt sich der Verein Hochwasserschutz Tirol gegen die geplanten Maßnahmen des Landes.

Seit den hohen Pegelständen im Juni ist für den Verein klar, dass die geplanten Schutzmaßnahmen nicht greifen würden. „Es war nicht direkt das Wasser des Inns, das Keller und Felder im Tiroler Unterland flutete, sondern der Anstieg des Grundwassers im Großraum Innsbruck und im Unterland. Das zeigt, dass die angedachten Retentionsflächen im Unterland, bei alleiniger Ausführung, am falschen Ort geplant sind“, heißt es in einem Schrei­ben des Vereins. Laut Obmann Alfred Enthofer würden „großräumige Wasserparkplätze“ nichts bringen, wenn diese schon mit Grundwasser voll seien.

Immer wieder hat er bisher aufs Zillertal und dessen alpine Retention durch die Speicherseen bei den Kraftwerken verwiesen. Bei einem gemeinsamen Gespräch mit LHStv. Josef Geisler, LK-Präsident Josef Hechenberger und Experten des Landes kam man zu dem Schluss, diese Komponente nun auch zu prüfen.

Wie berichtet gibt es eine Studie rund um die alpine Retention, dass diese zu wenig Auswirkung auf ein Innhochwasser habe. Nun wird ergänzend eine Machbarkeitsprüfung erhoben, wo auch die Wirkung der Kraftwerksspeicher miteinbezogen wird. Dabei werden laut Markus Federspiel (Wasserwirtschaft Land Tirol) zum Beispiel die geplanten Kraftwerke in Kühtai oder Kaunertal herangezogen, genauso wie andere mögliche Standorte, die in Zukunft im Oberland anstehen könnten.

Der Verein Hochwasserschutz Tirol freut sich über die Prüfung und hofft auf Ergebnisse bis Ende des Jahres. Da muss ihnen Federspiel aber den Wind aus den Segeln nehmen: „Ende November können wir wohl eher sagen, bis wann Ergebnisse feststehen.“ Bis dahin gebe es viele Vorarbeiten, Aufträge müssen vergeben werden usw.

Auswirkungen auf die Gründung des Wasserverbandes habe diese Alternativenprüfung nicht. „Dadurch werden sich auch keine Maßnahmen verzögern“, sagt Federspiel. Er sieht die Prüfung als „Zusatznutzen“, denn große Becken hätten klarerweise einen großen Rückhalt – „aber die Auswirkungen auf den Inn sind fraglich.“ Das wird geprüft.