Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.08.2019


Exklusiv

Gefahr im Verzug: Gitter am Denkmal bleiben zu

Das regelmäßige Öffnen und Schließen hat den Wappengittern am Befreiungsdenkmal in Innsbruck zugesetzt. Jetzt muss für gut 100.000 € saniert werden.

Die Landeswappen bilden symbolisch ein Kreuz – jedoch nur in geschlossener Weise.

© Thomas Boehm / TTDie Landeswappen bilden symbolisch ein Kreuz – jedoch nur in geschlossener Weise.



Innsbruck – Lange wurde darüber politisch gestritten, am 26. Oktober 2016 war es dann doch so weit: Als „Zeichen für eine offene Gesellschaft“ wurden die Wappengitter des Befreiungsdenkmals am Landhausplatz in Innsbruck geöffnet – und nach drei Wochen wieder geschlossen. Auch, um zu signalisieren, dass Freiheit kein „Normalzustand“ sei, wie es damals Kulturlandesrätin Beate Palfrade­r (VP) formulierte.

Das Denkmal, 1948 auf Kosten der französischen Besatzungsmacht errichtet, soll an jene erinnern, die für die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus gestorben sind. Mit der Umgestaltung des Landhausplatzes 2011 wurden zudem die Namen von Widerstandskämpfern angebracht. Um das „Auf und Zu“ der Gitter zu ermöglichen, musste damals auch das Denkmal adaptiert werden.

Jetzt, Jahre danach, stellt sich heraus, dass die Gitter eben nie zum Schwenken ausgelegt waren. „Um potenzielle Gefahren abzuwenden, bleiben die Wappengitter bis auf Weiteres geschlossen“, heißt es dazu auf TT-Anfrage aus dem Büro des für Liegenschaften zuständigen Landesrates Johannes Tratter (VP). Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung des Landes hätte speziell im Bereich der Scharniere Rost und wackelige Stellen ausfindig gemacht. In Folge wurde ein Gutachten eines Schlossereibetriebs in Auftrag gegeben. Dieses ortet nach einer Besichtigung gar „Gefahr im Verzug“, weil diverse Gitter nicht mehr ordnungsgemäß befestigt und daher zu sichern seien. Auch entspreche das Wappengitter nicht mehr den aktuellen Normen. Der Landhausplatz ist – auch aufgrund der dortigen Skater-Möglichkeiten – hochfrequentiert: Die Sicherheit müsse im Fokus stehen, so Tratter. Ein erster Kostenvoranschlag geht von rund 100.000 Euro aus, die für die Sanierung fällig werden könnten. Derzeit, so heißt es aus Tratters Büro, würden einerseits Angebote zur Reparatur eingeholt, andererseits mit dem Bund hinsichtlich Kostenbeteiligung und Denkmalschutz Abklärungsgespräche geführt. Fix sei, dass die Wappengitter künftig auch wieder in gewohnter Form geöffnet werden können. Dies dürfte aber nicht vor 2020 der Fall sein. Die Öffnungen sollten vom 25. Jänner bis 15. Februar, 1. bis 22. Mai und 25. Oktober bis 15. November erfolgen. Pro Öffnungs- und Schließvorgang fallen zusätzliche Kosten von rund 2000 Euro an, wird von Seiten Tratter­s bestätigt. (mami)

Schwachstelle Scharniere: Die Wappengitter waren ursprünglich nicht für ein regelmäßiges Auf und Zu ausgelegt.
Schwachstelle Scharniere: Die Wappengitter waren ursprünglich nicht für ein regelmäßiges Auf und Zu ausgelegt.
- Thomas Boehm / TT