Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.08.2019


Exklusiv

Transitforum: Lärmlösung muss endlich auf Schiene

Gurgiser deponiert breites Forderungspaket im Verkehrsministerium: BBT-Zulaufstrecken, Unterinntalbahn und Wipptal sind Problemzonen.

Mit einem Ausbau der Rollenden Landstraße soll der Schwerverkehr auf die Schiene verlagert werden. Die macht auch Lärm, sagt Gurgiser.

© Thomas Böhm / TTMit einem Ausbau der Rollenden Landstraße soll der Schwerverkehr auf die Schiene verlagert werden. Die macht auch Lärm, sagt Gurgiser.



Innsbruck – „Unsere Kinder und auch wir werden krank davon.“ So wie Anrainerin Monika Huber geht es auch Julia Rauch: „Es wird von Jahr zu Jahr lauter.“ Und damit ist nicht nur der Verkehrslärm der nahen Inntalautobahn, sondern auch jener der dort ebenfalls situierten Bahn gemeint. Dort, das ist im Raum Langkampfen. Auf diesem Abschnitt soll der in Planung befindliche Bau der Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel auch teils oberirdisch, wenngleich in einer Wanne tiefergelegt, geführt werden. Wie mehrfach berichtet, fordern die Anrainer Tunnellösungen ein. Die ÖBB-Verantwortlichen hielten dem noch Mitte Mai im Rahmen einer Präsentation das Kosten-Nutzen-Argument entgegen.

Transitforum-Chef Fritz Gurgiser und seinen Mitstreitern stellen sich da die Haare auf. Mit morgen Samstag kämpft Gurgiser seit nunmehr 25 Jahren gegen die Verkehrshölle in Tirol. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Bergisel präsentierten Gurgiser und Co. gestern ein Forderungspaket in Sachen Bahnlärm, das dem Verkehrsministerium als zuständige Behörde am Mittwoch übermittelt wurde.

Transitforum-Chef Fritz Gurgiser mit Mitstreiterinnen Monika Huber (r.) und Julia Rauch bei der  Pressekonferenz am Donnerstag.
Transitforum-Chef Fritz Gurgiser mit Mitstreiterinnen Monika Huber (r.) und Julia Rauch bei der Pressekonferenz am Donnerstag.
- mami

Für das Transitforum brenne derzeit beim Bahnlärm an drei Fronten der Hut: Eben an besagter Neubaustrecke von Kundl über Langkampfen bis zur Staatsgrenze, aber auch bei der Unterinntaltrasse und dem am Berliner Verkehrsgipfel angekündigten massiven Ausbau der Rollenden Landstraße von derzeit jährlich 150.000 auf 450.000 Lkw im Jahr 2021, die TT berichtete.

Letzteres ist für Gurgiser nichts anderes als eine Drohung. Schon jetzt fehle es im Wipptal an geeignetem Bahn-Lärmschutz: „Was eine Verdreifachung bedeuten würde, kann sich jeder vorstellen.“ Nicht nur, dass neuer Lärmschutz über Jahre hart erstritten werden müsse – noch dazu verweist das Transitforum – mit Blick auf Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation WHO – auf veraltete, weil für alpine Räume zu hohe Lärmschwellengrenzwerte, die beim Lärmschutzbau noch angewandt würden: „Die Straße und Bahn haben hier im Gegensatz zur Industrie und dem Gewerbe Narrenfreiheit“, nimmt Gurgiser das Ministerium in die Pflicht.

Bei der Unterinntaltrasse fordert man von den ÖBB, dass die Güterzüge in den dortigen Tunnel verschoben werden, anstatt oberirdisch Lärm zu erzeugen. Die ÖBB waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Bis zur Eröffnung des BBT will Gurgiser mit der geforderten Lärmentlastungsoffensive nicht warten – die Schutzmaßnahmen seien unverzüglich anzugehen: „Auch wenn es nur ein Übergangsminister ist, ist mir das wurscht.“ Das Thema sei jetzt „auszustreiten und nicht auszuschweigen“. (mami)