Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Bezirk Reutte

Gemeinde Pflach drückt den Startknopf für Großprojekte

Baustart für MPreis, Dorfplatz und Ärztehaus verzögerte sich wegen explodierender Baukosten und dadurch ausgelöster Preisverhandlungen.

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© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Pflach – „Warum tue ich mir das alles nur an?“ Pflachs Bürgermeister Helmut Schönherr sinniert nicht wirklich über Prinzipielles, sondern meint seine monatelangen „Kämpfe“ mit Baufirmen. Denn derzeit seien die Preise vollkommen aus dem Gefüge geraten. „Das kann keine Gemeinde verantworten, zu diesen Konditionen zu bauen.“ Und eines wollte sich Schönherr ersparen: „Den berühmten Ritt nach Innsbruck.“ Der Gemeindechef spielt auf die Fahrten der Bürgermeister zur Gemeindeabteilung des Landes an, in der Hoffnung, mit einer Geldzusage den Rückweg über den Fernpass antreten zu können. Natürlich seien jeweils Förderungen für die nun kommenden Projekte zugesagt – aber wenn alles teurer werde, fahre er nicht betteln, sondern verhandle intensiv über die seiner Meinung nach nicht gerechtfertigten Preisangebote der Firmen. Diese Debatten hätten natürlich zu Umplanungen und Redimensionierungen geführt, aber auch zu langen Verzögerungen. Jetzt sei alles baureif. Wenn der Gemeinderat in der übernächsten Sitzung in 14 Tagen seinen Sanctus erteilt, fahren in Pflach bald die Bagger auf.

Eines dieser Projekte, vor drei Jahren schon in der Pipeline, aber hinter Kindergarten/Schulumbau zurückgerutscht, ist der Dorfplatz, den das Straßendorf erstmals erhalten wird, situiert an der alten Parkfläche beim Fußballplatz. Eine auf drei Seiten offene Veranstaltungshalle wird unter anderem der Musikkapelle dann Platzkonzerte vor bis zu 250 Zuschauern ermöglichen. Bei einem zu erwartenden Ja der Mandatare könne man sofort beginnen, erklärt Schönherr. Gerade hier seien viele Verhandlungen notwendig gewesen, weil die Ausgaben vertretbar sein müssten. „Denn ein Dorfplatz ist kein Muss, aber natürlich ist es schön, einen zu haben.“

Um dem vielfachen Wunsch nach einem Nahversorger gerecht zu werden, baut die Gemeinde Pflach selbst einen MPreis. Besser gesagt, errichtet sie ein Gebäude und verpachtet es an die Tiroler Lebensmittelkette. Die Lage an der Füssener Straße, direkt bei der Lechbrücke, sei nach dem Bauboom inzwischen zentral geworden. Ältere könnten im Ort kaufen, aber auch Jungfamilien diesen Laden nutzen. Immerhin habe Pflach gerade 60 Kinder im Kindergarten, sagt der Bürgermeister – mit sichtlichem Stolz. Für den „MPreis“ investiert die Gemeinde an die 600.000 Euro, Baustart ist Herbst. Für den Dorfplatz legt sie noch mal 100.000 drauf.

Überhaupt ist es das Ansinnen Schönherrs, für Pflach Werte zu schaffen. So wurde das Innovationszentrum 2014 erworben und das nun direkt daneben zu errichtende Ärztehaus soll nach ein paar Jahrzehnten über das Baurecht gesichert an die Gemeinde zurückfallen. Zwischen 20 und 25 leistbare Wohnungen entstehen dort, zudem fünf bis sechs Praxisräumlichkeiten. Bauträger soll eine Wohnbaugesellschaft sein. Baustart ist Frühjahr 2020. Insgesamt würden somit acht Millionen kommunal investiert.




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