Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.08.2019


Landespolitik

„Geplanter RoLa-Ausbau ist falsches Kunstrechnen“

Die ÖBB kündigten an, bis 2021 doppelt so viele Lkw per Zug transportieren zu wollen. Das Transitforum kritisiert, dass bei Lärmschutz falsch gerechnet wird.

Ausbau der RoLa? – Für Gurgiser fehlt es dem Wipptal schon jetzt an einem zeitgemäßen Lärmschutz.

© Thomas Böhm / TTAusbau der RoLa? – Für Gurgiser fehlt es dem Wipptal schon jetzt an einem zeitgemäßen Lärmschutz.



Innsbruck – Am Freitag kündigte die Bahn einen Ausbau der RoLa-Kapazitäten an. Man wolle bis zum Jahre 2021 statt 200.000 künftig rund 450.000 Lkw per Zug transportieren, hieß es seitens ÖBB-Generaldirektor Andreas Matth­ä – diese Nachricht kam einen Tag nachdem das Transitforum Tirol die hoh­e Lärmbelastung durch den Güterverkehr beanstandet hatte.

Gleichzeitig wehrten sich die ÖBB gegen den Vorwurf, nichts bzw. zu wenig in den Lärmschutz zu investieren. Man habe schließlich alleine in den vergangenen zehn Jahren jährlich 16 Millionen Euro in Lärmschutzmaßnahmen investiert. Tirols Transitforum-Chef Fritz Gurgiser stellt es bei solchen Aussagen die Haare auf: „Anscheinend kennt sich der Generaldirektor nicht aus, sonst könnte er sich nicht großspurig hinstellen und von jährlichen Lärmschutzkosten in Höhe von 16 Millionen reden, ohne auf ganz Österreich zu verweisen.“ Die offiziellen Zahlen für Umgebungslärm und das Budget für Schutzmaßnahmen liegen laut einer Anfrage beim zuständigen Ministerium bei 10,3 Mio. Euro – wohlgemerkt für das Jahr 2019 und ganz Österreich. Insgesamt, so Gurgiser, „dürfen wir nicht überlegen, wie man durch ein enges Tal immer mehr Verkehr durchbringen kann, sondern Neubaustrecken so gestalten, dass kein Dezibel mehr an Lärm entsteht“. Für ihn ist der Verkehrsminister gefordert, „zeitgemäße“ Zustände für mehr Schutz herzustellen. „Falsches Kunstrechnen am Papier ist ein­e Frotzelei.“ (TT, lipi)