Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.08.2019


Landespolitik

„Irreversible“ Schäden am Moor in Wenns

Bauarbeiten für die Aushubdeponie.

© Liste FritzBauarbeiten für die Aushubdeponie.



Als „absolu­t falschen Standort für eine Aushubdeponie" hatte Landtagsabgeordneter Markus Sint (Liste Fritz) das Moor am Katzenboden in Fließ/Piller bezeichnet. In die Deponie, die im Eigentum der Gemeinde Wenns steht, soll Bodenaushub für Gemeindewohnungen, aber auch für ein geplantes Chaletdorf kommen. In einer schriftlichen Anfrage an die zuständige Naturschutzlandesrätin Ingrid Felipe verlangte Sint Aufklärung, wie es zu dieser Genehmigung kam.

Ein Großteil der 87 Fragen — einige liegen laut Felipe-Pressesprecher Clemens Rosner im Zuständigkeitsbereich des Bundes — wurde nun beantwortet. Aus naturkundlicher Sicht ist unter anderem laut Felipes Anfragebeantwortung „ein zirka ca. 665 m² großes Feuchtgebiet direkt betroffen. In der näheren Umgebung bestehen noch größere Feuchtlebensräume, die wenn, dann nur in geringem bis mittlerem Ausmaß beeinträchtigt werden." Die naturkundefachliche Amtssachverständige hat ausgeführt, „dass sich in Summe mit dem Deponie-Projekt zumindest im Bereich des Feuchtstandortes starke, irreversible Beeinträchtigungen für die Schutzgüter Lebensgemeinschaften heimischer Pflanzen und Tiere sowie Naturhaushalt ergeben. Für die übrigen Lebensräume und Arten auf der Deponiefläche werden die Auswirkungen, bei Wiederaufforstung zumindest eines Großteils der Fläche und Einhaltung der Vorschreibungen, ein geringes (hochmontaner Fichtenwald) bis mittleres Maß (Silikat-Föhrenwald) erreichen", heißt es.

Und weiter: Aufgrund der Veränderung eines naturnahen und reich strukturierten Landschaftsraumes werden Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes und damit indirekt des Erholungswertes insgesamt aber in einem zumindest mittelstarken Ausmaß dauerhaft verbleiben. Das Naturschutzgesetz sieht laut Felipe vor, „dass Beeinträchtigungen der Naturschutzinteressen mit den öffentlichen Interessen abzuwägen sind. Die zuständige Behörde hat als Ergebnis dieser Abwägung diesen Interessen den Vorzug gegeben." Die Gemeinde Wenns hatte das Interesse damit begründet, dass „mit einer gemeindeeigenen Bodenaushubdeponie eine Bebauung im Gemeindegebiet zu günstigeren Bedingungen für junge Familien ermöglicht werden kann".

Zum Chaletdorf, das sich derzeit noch in der Genehmigungsphase befindet, heißt es: „Auf der betroffenen Fläche befinden sich in Teilbereichen Feuchtgebiete (Seggenried, Hochstaudenflur), von Seiten des Naturschutzes wurde angemerkt, dass diese entsprechend der beanspruchten Fläche zerstört werden würden." (wa)

- Liste Fritz