Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 19.08.2019


Innsbruck-Land

Am langen Weg zum “Radhighway“ zwischen Mils und Innsbruck

Bei der Umsetzung des regionalen Radverkehrskonzepts für die Region Hall und Umgebung gibt es diverse Knackpunkte, etwa im Westen von Thaur und westlich von Rum. Doch alle Seiten betonen den guten Willen.

Die Anbindung von Thaur nach Rum ist eine der Kernfragen, bei denen es sich noch spießt. Die Variante über die Römerstraße (Bild) wäre den Landwirten am liebsten – für die Radfahrer würde sie freilich einen gehörigen Umweg bedeuten.

© TTDie Anbindung von Thaur nach Rum ist eine der Kernfragen, bei denen es sich noch spießt. Die Variante über die Römerstraße (Bild) wäre den Landwirten am liebsten – für die Radfahrer würde sie freilich einen gehörigen Umweg bedeuten.



Von Michael Domanig

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Hall, Rum, Thaur — Im Februar wurde es in großem Rahmen stolz präsentiert — das Radverkehrskonzept für die Region Hall und Umgebung, beauftragt vom Planungsverband. Für besondere Aufmerksamkeit sorgte die geplante Hauptschlagader — ein „Radhighway", der von Mils über Hall, Thaur und Rum bis nach Innsbruck führen soll. Ein halbes Jahr später steckt das ambitionierte Projekt tief in den Mühen der Ebene, was Detailplanung und Umsetzung angeht.

1. Die Ausgangslage: Zentraler Punkt sind massive Bedenken von Thaurer und Rumer Landwirten, was etwaige Radwegverbindungen auf bestehenden Wirtschaftswegen bzw. durch die Felder angeht — Stichwort: Haftungsfragen bei Stürzen und Unfällen bzw. generelle Konflikte mit landwirtschaftlichem Verkehr.

In Rum und Thaur stehen daher auch — im Gegensatz zu Hall, Mils und Absam — noch die Grundsatzbeschlüsse zum Radwegkonzept aus. In und zwischen beiden Gemeinden laufen aber längst Gespräche zur Überarbeitung der Trassenführung.

Bei einer „konstruktiven" Besprechung des Grundzusammenlegungsausschusses und des Gemeindevorstandes mit dem Verkehrsplanungsbüro „Planoptimo" habe man deponiert, wo die Bedenken liegen, sagt Romed Giner, Ortsbauernobmann und Gemeindevorstand in Thaur. Die Vorschläge der Bauern würden nun eingearbeitet.

„Für die Bauern ist das Ziel, dass der Kern der landwirtschaftlichen Produktionsfläche radfrei bleibt", betont Giner. „Und wo es Wege gibt, die von Landwirten und Radfahrern genützt werden, sollte — neben der drei Meter breiten Fahrbahn für die Landwirtschaft — zusätzlich ein 1,5 m breiter Streifen für Radfahrer asphaltiert und ausgewiesen werden, um Konflikten möglichst auszuweichen." Dann sei für Radfahrer klar, dass jenseits des Streifens mit Verschmutzungen zu rechnen ist — und für Bauern, dass der Radstreifen nicht verschmutzt werden darf.

2. Konkrete Knackpunkt­e, von Osten nach Westen: Ein wichtiger Punkt ist die Anbindung von Hall nach Thaur: „Hier bräuchte es ein kurzes Verbindungsstück vom Samerweg zum so genannten Kinzachbachl und dann weiter zum Essacherweg in Thaur", erklärt GV Joe Bertsch, der für die Gemeinde Thaur intensiv in die Gespräche involviert ist. Von dort soll die Strecke weiter entlang der „Spange" südlich des Thaurer Fußballplatzes führen.

Bei der Frage, wie die Verbindung von der Westseite der Spange hinüber nach Rum erfolgen soll, zwickt es sich dann aber wieder: Aus der Sicht von Bertsch würde sich jener Feldweg anbieten, der vom „Fröschl-Kreuz" (bei der Abzweigung Auweg) hinüber zur Rumer Schulstraße führt. Das sei aber für die Bauern „nicht vorstellbar", betont Giner, da es sich hier um einen „wichtigen Knotenpunkt für die Einfahrt in die Äcker" handle.

Eine Kompromissvariante weiter südlich — über die Geländekante am Aurain — sieht Bertsch kritisch, da sie für Radfahrer zu lang sei und besonders viel Konfliktpotenzial mit der Landwirtschaft berge.

Aus Rum — wo auf Einladung von Vize-BM Romed Giner bereits im Frühjahr eine Besprechung mit den Landwirten und dem Planungsbüro stattfand — kommt der Vorschlag, die Radverbindung noch weiter südlich zu führen, über die Römerstraße, die beim Thaurer Kreisverkehr abzweigt.

Für die Bauern wäre das die beste Lösung, meint Romed Giner aus Thaur (auch wenn der Beiweg derzeit noch „mittendrin" ende und man im Zuge der noch laufenden Grundzusammenlegung in Thaur eine „größere Lösung" erarbeiten müsste). Für die Radfahrer wäre diese Variante freilich ein massiver Umweg — und daher als Hauptroute nicht sinnvoll, so Bertsch.

In Rum ist auch angedacht, den Römerpark in die Streckenführung einzubinden, danach soll die Radroute weiter Richtung NMS führen.

Wie es westlich von Rum Richtung Innsbruck weitergeht, sei jedoch offen, bestätigt Vize-BM Giner. Auch hier gab es Einwände der Grundeigner. „Das müsste im Zuge eines weiteren Umlegungsverfahrens gemacht werden", so Giner — und bis dahin sei es „ein weiter Weg".

3. Nebenachsen: Ein wichtiger Aspekt des Radwegekonzeptes sind auch verbesserte Nord-Süd-Verbindungen. Hier gibt es diverse Ideen, wie Romed Giner aus Thaur berichtet: Ein Vorschlag der Bauern wäre, im Bereich Burgfrieden im Westen von Hall eine neue Verbindung nach Süden zu schaffen — zur Unterführung nahe der Firma Anker und damit direkt zum Inntalradweg.

Einen neuen Feldweg entlang des Kinzachbachls Richtung Süden (ehemaliges Kasernenareal) gibt es bereits. An der Grenze zu Rum wiederum ist es für die Landwirte vorstellbar, vor der ersten Rumer Häuserzeile einen „Stich" vom Römerweg nach Süden zu ermöglichen — und damit eine direkte Anbindung zum Rumer Bahnhof (der nach Fertigstellung der Regionalbahn noch wichtiger wird).

4. Wie geht es weiter? Obwohl es aktuell also viele offene Fragen bzw. eine Art Pattsituation gibt, betonen alle Seiten den guten Willen und das positive Gesprächsklima. „Wir sind auf einem guten Weg, wollen alles ruhig und sachlich abarbeiten", betont GV Giner. Bertsch sieht das genauso: „Wir wollen im Konsens zu Lösungen kommen." Für September ist eine weitere Gesprächsrunde mit dem Büro Planoptimo angesetzt.