Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 19.08.2019


Bezirk Landeck

Neue Signale zum Bau der Bahnlinie Landeck – Mals

Die unvollendete Reschenbahn kommt nicht zur Ruhe: Die Freiheitlichen sehen einen „regionalen Motor“ und laden zum Infoabend am 5. September in Tösens.

Am Bahnhof Landeck müssten die Züge nach Mals eine Kurve in südliche Richtung kratzen. Eine „Südumfahrung“ hatten die ÖBB bereits 1992 geplant, damals allerdings für den zweigleisigen Ausbau der Arlbergbahn.

© WenzelAm Bahnhof Landeck müssten die Züge nach Mals eine Kurve in südliche Richtung kratzen. Eine „Südumfahrung“ hatten die ÖBB bereits 1992 geplant, damals allerdings für den zweigleisigen Ausbau der Arlbergbahn.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Mals – Den Eisenbahnfans in der Dreiländerregion Landeck, Vinschgau und Engadin fehlt noch immer ein entscheidendes Puzzle – die Bahnlinie Landeck – Mals. Entlang der rund 80 Kilometer langen Reschenbahnstrecke schlummern teils denkmalgeschützte Relikte, etwa die Tunnelportale unterhalb von Schloss Landeck sowie in der Fließer Au, erbaut im Kriegsjahr 1918. Heute zieht das unvollendete Projekt aber nicht nur Eisenbahnromantiker diesseits und jenseits der Reschenregion in den Bann.

Sven Knoll, Abgeordneter der Süd-Tiroler Freiheit, engagiert sich seit Jahren für die Aktivierung der Baupläne, die freilich völlig neu adaptiert werden müssten. Begleitet vom Tiroler FPÖ-Sprecher Fabian Walch traf Knoll kürzlich zum „Reschenbahn-Lokalaugenschein“ in Landeck ein. Sein Fazit bringt er so auf den Punkt: Die FPÖ und Süd-Tiroler Freiheit „sprechen sich gemeinsam für den Bau der Reschenbahn aus“. Die Bahn wäre „ein regionaler Motor und weitere Brücke zwischen Nord- und Südtirol“.

Die zunehmende Verkehrsbelastung auf den Straßen im Obergricht und Vinschgau zeige, „dass es dringend neue und schienengebundene Verkehrskonzepte braucht“. Mit dem Lückenschluss würde die Region zwischen Landeck und Mals „eine enorme Aufwertung erfahren“, vor allem aus touristischer Sicht sei der Nutzen groß. Knoll erläutert: „Nach dem Vorbild des erfolgreichen Mobilitätskonzeptes der Pustertalbahn könnten entlang der Reschenbahnstrecke die Skigebiete Haider Alm, Schöneben, Nauders, Serfaus-Fiss-Ladis und Fendels unmittelbar an die Zuglinie angeschlossen werden.“

Auch wären das Obergricht und der Vinschgau an internationale Bahnverbindungen angeschlossen. Die Anbindung an das Schweizer Bahnnetz wäre von Taufers oder von Mals aus nach Zernez bzw. von Pfunds oder Tösens aus nach Schuls möglich.

Der Abgeordnete verweist auf einen Beschluss in Bozen: „Der Landtag hat sich bereits einstimmig für den Bau der Reschenbahn ausgesprochen. Nun gilt es, auch die Bevölkerung in Nordtirol vom großen Mehrwert dieser Bahnverbindung zu überzeugen.“ Dazu sei eine allerdings enge Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft in beiden Tiroler Landesteilen nötig.

Walch, Oberländer Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl im September, hob hervor: „In Zeiten, in denen der Straßenverkehr überbordet und der Umweltgedanke immer wichtiger wird, sind Bahnprojekte von unschätzbarem Wert. Die Reschenbahn hat keinesfalls nur symbolischen Wert.“

Die Größenordnung der Kosten liegt laut Knoll zwischen 800 Mio. und einer Mrd. Euro. Zum Vergleich: Der Brennerbasistunnel soll zehn Mrd. Euro kosten.

Vor diesem Hintergrund laden die Süd-Tiroler Freiheit und FPÖ-Tirol zum Infoabend am Donnerstag, 5. September, ab 19.30 Uhr im Gasthof Wilder Mann in Tösens.

Aus den Reihen der Oberländer Touristiker hält der kürzlich zum Kommerzialrat gekürte Nauderer Almhofwirt Hans Kröll die Fahnen für das Projekt Reschenbahn hoch. „Diese Bahnverbindung muss kommen. Kürzlich hat mir LH Platter persönlich erklärt, die logische Fortsetzung der Studie zur Fernpassbahn ist das Projekt Reschenbahn.“ Zum Projekt Fernpassbahn hatte der Schweizer Experte Paul Stopper im März eine Machbarkeitsstudie vorgelegt.