Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2019


Landespolitik

Jetzt rotiert die Politik in der Luft

Gesundheits-LR Tilg (VP) will das bisherige System von Notarzthubschraubern beibehalten, für Verkehrsre-ferentin Felipe gibt es hingegen zu viele Rettungs-Helis.

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© Foto TT/Rudy De Moor



Von Peter Nindler

Innsbruck – Nicht nur zwischen den Betreibern der in Tirol stationierten Rettungshubschrauber kracht es, weil sich der Salzburger Unternehmer Roy Knaus nicht an die 2015 ausgehandelte Vereinbarung mit seinen Kollegen hält. Jetzt hagelt es auch Kritik von außen. Laut Alpenverein steigt nämlich die Anzahl der medizinisch „nicht notwendigen“ Flugeinsätze rasant an, obwohl in zahlreichen Fällen andere Bergemöglichkeit zumutbar seien. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden über die Alpenvereins-Versicherung bereits 1,5 Millionen Euro an Hubschrauberkosten bezahlt.

Bis zu 16 Rettungsflieger heben im Winter in Tirol ab, neun sind es derzeit im Sommer. Zu viele, wie immer wieder kritisiert wird – vor allem vom Bundesrechnungshof. Am 25. August kommt es deshalb zu einem Heli-Gipfel in Innsbruck, Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) hofft dabei auf eine Lösung. Eine Ausschreibung, die wohl das bisherige Heli-Netz massiv kappen würde, will Tilg verhindern. „Die Aussage von Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora kann nicht bestätigt werden. Sämtliche Einsätze werden von der Leitstelle Tirol nach festgelegten Regeln disponiert. Aufgrund des einheitlichen und standardisierten Abfragesystems wird die Einsatzdringlichkeit aufgrund der medizinischen Notwendigkeit festgelegt.“ Wegen der Tiroler Topografie komme in vielen Fällen der Hubschrauber als schnellstmögliches Rettungsmittel zum Einsatz.

Doch offenbar ist gerade das standardisierte Programm das Problem: Einsatzkräfte berichten von Hubschrauberanforderungen wegen eines gebrochenen Knöchels oder sonstigen leichten Verletzungen. Selbst von Taubergungen ist die Rede, obwohl die Hilfeleistung durch einen kurzen Bergeeinsatz und späteren Transport mit der Rettung ebenfalls möglich wäre. In vielen Fällen würden die Patienten nach Hubschrauberbergungen in häusliche Pflege entlassen werden. Und weil es sich vielfach um keine medizinisch schwerwiegenden Beeinträchtigungen handelt, werden Privatversicherten vorrangig in private Tageskliniken gefolgen. Auch darüber liegen im Land Statistiken vor.

Tilg will trotzdem am freiwilligen System nicht rütteln, „weil durch die optimierte Zusammenarbeit zwischen Hubschraubern und bodengebundener Rettungs die notfallmedizinische Versorgung sichergestellt wird“. Rund 1,6 Millionen Euro wendet das Land dafür auf, angesichts der Hubschrauberdichte eine überschaubare Summe.

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Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) widerspricht Tilg und hält es mit dem Alpenverein. Obwohl Felipe versteht, dass jeder Verletzte so rasch wie möglich geborgen werden möchte, sei das nicht immer notwendig. Sie würde eine Ausschreibung auf Basis fachlicher Kriterien bevorzugen. „Sollte es keine Einigung beim Heli-Gipfel geben, steht das bisherige freiwillige Modell ohnehin zu Disposition“, sagt Felipe. Und es werde dann mit Sicherheit weniger Hubschrauber geben.

Die privaten Betreiber sehen das ähnlich, sollte Knaus weiter im Sommer in Osttirol fliegen. Das wird er nicht aufgeben, ist Knaus doch seit August in das dortige Notarztsystem eingebunden. ÖAMTC und Co. gehen aufs Ganze und wollen notfalls auf eine Ausschreibung drängen. „In dieser muss sich dann das Land deklarieren, von wie vielen Standorten aus es die Flugrettung organisiert haben möchte.“ Eine Studie des Landes seiht lediglich sechs ganzjährig und vier saisonal stationierte Heli vor.