Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.08.2019


Bezirk Imst

WWF stellt KraftwerkTumpen erneut auf den Prüfstand

Oetz und Umhausen, die Baufirma Auer und die Tiwag planen seit Jahren ein Kraftwerk an der Ötztaler Ache, was der WWF hinterfragt.

Vorerst nur eine Visualisierung eines Bauwerbers: das geplante Krafthaus in Habichen. Seit zehn Jahren kämpfen die Gemeinden Oetz und Umhausen für und Teile der Bevölkerung gegen das Kraftwerk.

© TIWAGVorerst nur eine Visualisierung eines Bauwerbers: das geplante Krafthaus in Habichen. Seit zehn Jahren kämpfen die Gemeinden Oetz und Umhausen für und Teile der Bevölkerung gegen das Kraftwerk.



Von Thomas Parth

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Umhausen, Oetz – Ausgehend von einer Initiative des WWF (World Wide Fund For Nature) wird aktuell der naturschutzrechtliche Bescheid für das KW Tumpen-­Habichen hinterfragt und neu aufgerollt. „Aus unserer Sicht ist die Ötztaler Ache besonders schützenswert, weshalb es nicht einleuchtet, dass ein solch zerstörerisches Vorhaben umgesetzt werden soll“, stellt WWF-Pressesprecher Vincent Sufiyan dar. „Ein vom Land hinzugezogener Energie-Experte stufte das Kraftwerk als energiewirtschaftlich wenig relevant ein“, hinterfragt auch WWF-Gewässer­experte Gerhard Egger im TT-Telefonat die Sinnhaftigkeit des Projektes: „Wenig Nutzen, vergleichsweise großer Schaden: Für den WWF ist es völlig unverständlich, wie die naturschutzrechtliche Bewilligung entstanden ist. Das wollen wir erneut hinterfragen.“

„Heuer ,feiern‘ wir unser Zehnjähriges“, ruft BM Jakob Wolf aus Umhausen, nicht ganz ironiefrei, in Erinnerung. Es stehe zweifelsfrei jedem zu, so Wolf, die Rechtsmittel auszuschöpfen. „Nach so langer Zeit harren wir jedenfalls der Dinge.“

Deutlicher in seiner Kritik wird Klaus Mitteregger von der Tiwag, der als Geschäftsführer des geplanten Kraftwerkbaus Tumpen-Habichen verantwortlich zeichnet: „Nach zehn Jahren möchte man glauben, man sei schon lange genug auf dem Weg. Wir hoffen auf eine rasche Entscheidungsfindung, denn von den angesprochenen zehn Jahren steckt ein halbes Jahr in der technischen Planung. Die restlichen neuneinhalb Jahre haben wir mit EU-Richtlinien, Behördenwegen oder Gutachten zugebracht.“

Parteienstellung hatte der WWF erst durch die Umsetzung der Aarhus-Konvention in Österreich erlangt. „Diesbezüglich sind wir der Meinung, dass ein Mitspracherecht für Umweltorganisationen nicht an einen willkürlich gewählten Stichtag gebunden werden sollte, sondern rückwirkend mit In-Kraft-Treten der Konvention gelten muss“, wünscht sich Gerhard Egger. Nachdem die Causa „Ländersache“ sei, hoffe der WWF darauf, dass sich dieser Wunsch auch im Gesetzesvorschlag des Landes Tirol wiederfinde.

Klaus Mitteregger hingegen hält von rückwirkenden Gesetzesänderungen oder Mitspracherechten wenig: „Die Sinnhaftigkeit des Kraftwerks Tumpen-Habichen ist zweifelsfrei gegeben. Das öffentliche Interesse an Ökostrom steigt ständig an. Da sollt­e man sich schon auf die Rechtsstaatlichkeit verlassen können und nicht laufenden Veränderungen unterworfen sein.“ Der wasserrechtliche Bescheid werde jedenfalls „dieser Tage“ erwartet. Über die weiteren Schritte werde die Tiwag-Generalversammlung dann Anfang September entscheiden.

Wie es mit dem naturschutzrechtlichen Bescheid weitergehe, darüber wollte Mitteregger nicht spekulieren: „Da steht noch nicht fest, wer das im Landesverwaltungsgericht bearbeitet.“