Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.08.2019


Bezirk Kufstein

Kein Asbest: Entgiftungskur für Schwoicher Deponie

Deponie ja – aber kein Asbest und keine als gefährlich klassifizierten Stoffe. Darauf konnten sich der Betreiber der umstrittenen Anlage und Schwoicher Gemeindevertreter einigen. Der Jubel der Bürgerinitiative bleibt aber aus.

60.000 t Baumaterial pro Jahr sollen im ehem. Steinbruch lagern. Ursprünglich wären darunter asbesthaltige Zementfaserplatten gewesen.

© Hrdina60.000 t Baumaterial pro Jahr sollen im ehem. Steinbruch lagern. Ursprünglich wären darunter asbesthaltige Zementfaserplatten gewesen.



Von Jasmine Hrdina

Schwoich – Der vierseitige Postwurf, den die Schwoicher ab Montag in ihren Postkästen vorfinden werden, dürfte bei einigen für Siegesapplaus sorgen. Die umstrittene Baurestmassendeponie kommt zwar, aber ohne Asbest und andere Gefahrenstoffe. Auch das dafür vorgesehene Kompartiment wird nicht errichtet, ein Vertrag mit der Gemeinde soll verhindern, dass dieses im Nachhinein eingereicht wird.

Man habe „den kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden“, freut sich BM Jose­f Dillersberger über dieses Verhandlungsergebnis. Dem Vorschlag von Chefredakteur Mario Zenhäusern beim TT-Forum Mitte Mai, eben solch einen im gemeinsamen Gespräch zu erarbeiten, waren Vertreter von Gemeinde, Bürgerinitiative und Rohrdorfer-Gruppe diese Woche gefolgt. Letztere hält am Plan fest, den ehemaligen vier Hektar großen Steinbruch zur Endlagerung von jährlich 60.000 Tonnen Baurestmassen zu nutzen. „Wir haben nun aber Asbest und alle G-klassifizierten Stoffe (u. a. Gefahrenstoffe wie Mineralfaserwolle – Anm. der Red.) aus dem Antrag gestrichen“, erklärt Mike Edelmann, GF der Rohrdorfer-Gruppe.

Am  TT-Forum Mitte Mai beteiligten sich 400 Zuhörer.
Am TT-Forum Mitte Mai beteiligten sich 400 Zuhörer.
- Mader

Der Jubel bei der Bürgerini­tiative bleibt allerdings aus. „Wir können uns damit nicht zufriedengeben“, erklärt Armi­n Hofreiter. Denn auch der nicht mehr recyclebare Beton, Gips oder Ziegel könnten mit giftigen Stoffen kontaminiert sein. „Schwermetalle finden sich dort oft in sehr hoher Konzentration“, erklärt der Sprecher der Bürgerinitiative. „Wir müssen einfach sicher­gehen, dass wir keine Belastung auf den Wiesen und in der Luft haben.“

Dem Druck der Gemeinde gibt Mike Edelmann, GF der Rohrdorfer-Gruppe, nun nach.
Dem Druck der Gemeinde gibt Mike Edelmann, GF der Rohrdorfer-Gruppe, nun nach.
- Hrdina

Das Vorhandensein solcher Stoffe in Baurestmassen wolle Edelmann nicht verneinen, relativiert aber die Brisanz. „Wenn man sich den Boden, auf dem wir stehen, anschaut, ist auch dort das gesamte Periodensystem vorhanden.“ Zudem gebe das Gesetz eindeutig vor, ab wann es sich um „gefährliche Stoffe“ handle. Dies sei bei den geplanten Materialien nicht der Fall. „Wenn der Gesetzgeber diese Einteilung in gefährlich und nicht gefährlich macht, spricht das für sich.“

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Die Forderung der Schwoicher, von der Asbestlagerung abzusehen, sei damit „übererfüllt“, meint BM Dillersberger. Enttäuscht von dieser Ansicht zeigen sich die Vertreter der Bürgerinitiative. Für sie sei maximal eine Inertdeponie (also für unbelastete Böden und Bauschutt)akzeptabel. „Es gibt einen Gemeinderatsbeschluss über einen Schulterschluss zwischen Gemeinde und Bürgerinitiative. Dort steht auch, dass man nur einer Deponie ohne Abdichtung zustimmen wird“, zeigt sich Hofreiter überrascht, dass sich BM Dillersberger nun zufriedengibt.

Die aktualisierten Einreichpläne liegen dem Land Tirol bereits vor, bis es zu einer Genehmigung kommt, kann es Monate dauern. Edelmann rechnet frühestens im Sommer 2020 mit einer Inbetriebnahme der Anlage und hofft, inzwischen das „Vertrauen der Bürger“ gewinnen zu können. „Wir sind ein regionaler Hersteller und wollen langfristig hierbleiben.“ Immerhin investiere man in Schwoich „einen siebenstelligen Betrag“.

Vom geplanten Zwischenlager in Kufstein – hier ist Asbest noch im Gespräch – distanziert sich Edelmann. „Mit solchen Stoffen würde ich nie in einer so dicht besiedelten Region arbeiten.“